Abo
  • Services:

Drohne, Bodenradar, 3D-Drucker: Nur Geeks können Archäologen sein

Erst scannen, dann graben: Moderne Archäologen brauchen moderne Technik. Sie sondieren damit ihre Grabungsgebiete, dokumentieren Stätten, bevor sie für immer verschwinden - und werden dabei immer mehr zu Naturwissenschaftlern und Informatikern.

Artikel von veröffentlicht am
Bodenradar in Stonehenge: 3D-Ansicht des Untergrunds
Bodenradar in Stonehenge: 3D-Ansicht des Untergrunds (Bild: LBI Arch Pro)

Sheldon Lee Cooper statt Indiana Jones: Der Archäologe von heute ist ein Geek. Er taucht nicht selbst zu jedem Schiffswrack und schaufelt sich durch große Areale. Bevor er die Schaufel ansetzt, hat er das Gelände bereits mit modernster Technik erkundet. Er hat es mit dem Flugzeug oder per Drohne aus der Luft erfasst, mit Laserscanner, Magnetometer und Bodenradar abgesucht.

Eine Vorliebe für technische Spielereien wird in diesem Beruf immer wichtiger. Die Archäologie tendiere immer mehr Richtung Naturwissenschaften, sagt Benjamin Ducke, Archäologe und Informatiker, im Gespräch mit Golem.de. Und Luis Jaime Castillo, der stellvertretende Kulturminister von Peru - einem Land mit besonders vielen archäologischen Schätzen -, drückt es noch zugespitzer aus: "Wenn man Archäologe sein will und kein Geek ist, ist man im falschen Bereich."

Entscheidend ist beim Einsatz der Technik Schnelligkeit. Der größte Teil archäologischer Forschung geschehe unter großem Zeitdruck, erzählt Ducke. Es gehe darum, Fundstellen zu dokumentieren, bevor Raubgräber sie plünderten, Siedler Häuser darauf errichteten oder Baggerschaufeln sie einebneten - wie 2013 in Peru, als ein Immobilienunternehmen an der Ausgrabungsstätte El Paraíso nahe der Hauptstadt Lima eine 4.000 Jahre alte Pyramide abreißen ließ. Da bleibt keine Zeit für Schaufel, Pinsel und Zeichenbrett.

Erst scannen, dann graben

"Das ist der Bereich, in dem wir mit unserem Projekt ansetzen", sagt Ducke. "Unser Projekt", das ist der Archäocopter: ein unbemanntes Fluggerät (Unmanned Aerial Vehicle, UAV), das mit einer Kamera ausgerüstet ist.

Stellenmarkt
  1. Dataport, Rostock
  2. HUK-COBURG Versicherungsgruppe, Coburg

Das UAV sei dabei gar nicht so spannend, sagt Ducke. Es sei ein handelsüblicher Quadrocopter mit einer Gopro-Kamera. Entscheidend ist die Software: Damit kann ein Archäologe schnell und unkompliziert eine Fundstelle kartieren. Structure from Motion (SfM) heißt das Verfahren. Dabei wird aus zweidimensionalen Bildern, die aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen wurden, ein dreidimensionales Modell einer Struktur oder eines Gebäudes errechnet.

Algorithmus vergleicht Merkmale

Die Drohne umfliegt die Fundstelle und nimmt dabei Bilder aus verschiedenen Perspektiven auf. Anschließend werden diese am Computer bearbeitet: Der SfM-Algorithmus sucht nach markanten Stellen, die sich von der Nachbarschaft abheben, Kanten beispielsweise. Diese Merkmale sucht der Algorithmus in jedem Bild und vergleicht sie. Über die Bildreihen lässt sich dann verfolgen, wie sie sich gegeneinander verschieben.

Das Prinzip nutzen auch wir Menschen: Wenn wir aus dem Fenster eines fahrenden Autos schauen, scheinen sich Objekte im Hintergrund langsamer zu bewegen als Objekte im Vordergrund. Daraus leitet unser Gehirn dann 3D-Strukturen ab.

Erst scannen, dann graben

Mit Hilfe dieser Informationen wird dann ein 3D-Modell erstellt. Die ganze Verarbeitung erfolgt automatisch. "Das funktioniert erstaunlich robust und erstaunlich akkurat", sagt Ducke. Die Fortschritte im Bereich des maschinellen Sehens in den vergangenen Jahren haben hier die Entwicklung vorangebracht.

Vorteil dieser Technik: Die Drohne mit der Kamera ist schnell einsatzbereit und kann vom Archäologen selbst geflogen werden. Das ist vergleichsweise einfach und lässt sich schnell erlernen.

Zudem ist sie günstig - das Argument schlechthin für die vielen Archäologen, die bei Landesämtern oder in Archäologieunternehmen arbeiten und im Normalfall mit geringen finanziellen Mitteln auskommen müssen. "Wenn man eine Technologie haben möchte, um unser weltweites Kulturerbe zu erhalten, dann muss sie unter diesen Bedingungen funktionieren", resümiert Ducke.

In Peru etwa, archäologisch eines der reichsten Länder der Erde, ist der Einsatz von Drohnen alltäglich.

Drohnen in Peru 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 102,46€ + Versand
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  3. bei Alternate kaufen

der kleine boss 14. Feb 2015

wollte auch gerade auf #relefant ausbessern! #ZDFiscool

Moe479 14. Feb 2015

ich denke er meint eine beschleungite wiederverwertung im generellem, damit auch land...

MarcusG 13. Feb 2015

Ich denke Schreib und Dokumentationsarbeit fällt immer an. Wobei einige wohl wirklich die...


Folgen Sie uns
       


Google Lens ausprobiert

KI mit Sehschwäche: Google Lens ist noch im Betastadium.

Google Lens ausprobiert Video aufrufen
Nissan Leaf: Wer braucht schon ein Bremspedal?
Nissan Leaf
Wer braucht schon ein Bremspedal?

Wie fährt sich das meistverkaufte Elektroauto? Nissan hat vor wenigen Monaten eine überarbeitete Version des Leaf auf den Markt gebracht. Wir haben es gefahren und festgestellt, dass das Auto fast ohne Bremse auskommt.
Ein Erfahrungsbericht von Werner Pluta

  1. e-NV200 Nissan packt 40-kWh-Akku in Elektro-Van
  2. Reborn Light Nissan-Autoakkus speisen Straßenlaternen
  3. Elektroauto Nissan will den IMx in Serie bauen

Noctua NF-A12x25 im Test: Spaltlos lautlos
Noctua NF-A12x25 im Test
Spaltlos lautlos

Der NF-A12x25 ist ein 120-mm-Lüfter von Noctua, der zwischen Impeller und Rahmen gerade mal einen halben Millimeter Abstand hat. Er ist überraschend leise - und das, obwohl er gut kühlt.
Ein Test von Marc Sauter

  1. NF-A12x25 Noctua veröffentlicht fast spaltlosen 120-mm-Lüfter
  2. Lüfter Noctua kann auch in Schwarz
  3. NH-L9a-AM4 und NH-L12S Noctua bringt Mini-ITX-Kühler für Ryzen

Kryptographie: Der Debian-Bug im OpenSSL-Zufallszahlengenerator
Kryptographie
Der Debian-Bug im OpenSSL-Zufallszahlengenerator

Einer der schwerwiegendsten Fehler in der Geschichte der Kryptographie beschäftigte vor zehn Jahren Nutzer der Debian-Distribution. Wenn man danach sucht, findet man noch heute vereinzelt verwundbare Schlüssel.
Von Hanno Böck


      •  /