Drive Pilot im Praxistest: Vorsicht autonomer Fahranfänger!

Spielt man besser Tetris oder packt den Laptop aus? Wir haben uns freiwillig in den Stau gestellt, um den selbstfahrenden Drive Pilot von Mercedes-Benz zu testen.

Ein Praxistest von veröffentlicht am
Mit dem aktivierten Drive Pilot darf man  während der Autofahrt legal Tetris spielen.
Mit dem aktivierten Drive Pilot darf man während der Autofahrt legal Tetris spielen. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Normalerweise sind Autofahrer nicht besonders erpicht darauf, in der Stauhauptstadt des Landes zu wohnen. Anders sieht es jedoch aus, wenn man eine hochautomatisierte Funktion wie den neuen Drive Pilot von Mercedes-Benz testen will. Verliert die Aussicht, morgens eine halbe Stunde oder mehr in einer Blechlawine festzustecken, damit sogar ihren Schrecken? Nach mehreren Tagen mit dem ersten Staupiloten der Welt auf Berlins Straßen lässt sich jedoch sagen: Der beste Stau ist immer noch der auf der Gegenfahrbahn.

Mercedes hat den Drive Pilot im Mai 2022 erstmals auf öffentlichen Straßen vorgeführt. Bei der Probefahrt auf der Berliner Stadtautobahn floss der Verkehr jedoch zu flüssig, um die Funktion wirklich testen zu können. Zudem ist uns schon damals aufgefallen, dass der Drive Pilot viele Gründe kennt, um sich dann doch nicht aktivieren zu lassen.

Viele Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Selbst ohne die umstrittenen Aktionen von Klimaschutzaktivisten muss man in Berlin nicht lange nach einem Stau suchen. Morgens staut es sich in der Regel stadteinwärts auf der berühmten Avus. Auch die Stadtautobahn zwischen dem Dreieck Funkturm im Westen und dem Dreieck Neukölln im Osten taucht eigentlich immer in den Verkehrsnachrichten auf. Daher nichts wie hin, solange der Verkehr noch nicht fließt.

Allerdings ist die Existenz eines Staus nur eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Aktivierung des Drive Pilot. Die Liste der Systemgrenzen ist lang und umfasst 20 Punkte in der "Zusatzanleitung Drive Pilot", die dem Handbuch beigelegt ist. So funktioniert das System nicht bei defekten oder verschmutzten Sensoren, einem gestörten Navigationssystem, einer erkannten Gefahr oder bei Dunkelheit, niedrigen Außentemperaturen von weniger als 3 Grad Celsius oder Niederschlag. Weitere Ausschlusskriterien sind ein Dachgepäckträger, eingeschaltetes Fernlicht oder ein Anhänger beziehungsweise ein Fahrradträger.

  • Sind die zahlreichen Voraussetzungen erfüllt, kann der Drive Pilot von Mercedes-Benz im Stau das Steuer übernehmen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Fahrerdisplay wird das Leitfahrzeug mit einem A wie Autonom markiert. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Fahrer darf sich dann vom Fahrgeschehen abwenden und vorinstallierte Spiele wie Tetris starten. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ebenfalls kann er Büro-Programme über das In-Car-Office nutzen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Oder während der Fahrt im Internet surfen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Häufig erfolgen jedoch Übernahmenaufforderungen aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das System nennt nur wenige Gründe, die eine Aktivierung verhindern. Beispielsweise eine angebliche Baustelle. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Warum ein Straßenabschnitt nicht geeignet ist, erschließt sich nicht immer. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch ist oft nicht ersichtlich, warum das System in einem bestimmten Moment nicht verfügbar ist. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Werden die Augen des Fahrers nur wenige Sekunden verdeckt oder geschlossen, muss er seine Übernahmebereitschaft bestätigen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Einscheren anderer Fahrzeuge beherrscht der Drive Pilot in der Regel gut. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch Fahrzeuge auf der Nebenspur können als Leitfahrzeug dienen, wenn der Drive Pilot mit einem Einfädeln rechnet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Handynutzung während der Fahrt ist erlaubt. Die Aktivität des Drive Pilot lässt sich anhand gespeicherter Daten nachweisen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Drive Pilot hält bei höheren Geschwindigkeiten einen recht großen Abstand zum Leitfahrzeug. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Liste der Systemgrenzen und Voraussetzungen für den Drive Pilot ist lang. (Grafik: Mercedes-Benz)
Die Liste der Systemgrenzen und Voraussetzungen für den Drive Pilot ist lang. (Grafik: Mercedes-Benz)

Abschaltung oft nicht nachvollziehbar

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Das alles traf bei meinem Test jedoch nicht zu. Schon auf dem Weg zur Avus leuchteten dann das erste Mal die beiden LED am Lenkrad verheißungsvoll weiß auf. Mit einem kurzen Tastendruck war der Staupilot aktiviert. Doch bevor ich überhaupt überlegen konnte, was ich nun als abgelöster Fahrer im Auto tun könnte, blinkte es schon wieder rot im Display. "Fahrzeug sofort übernehmen!", lautete die unmissverständliche Aufforderung. Verstärkt wurde der Hinweis durch das Straffen des Sicherheitsgurts. Das volle Programm.

Warum der Staupilot wie ein scheues Pferd vor dem Wassergraben seinen Dienst verweigert, ist oft nicht ersichtlich. Im Display erscheinen nach dem Betätigen der Tasten beispielsweise die Hinweise "System zzt. nicht verfügbar", "Straßenabschnitt ungeeignet" oder "Baustelle". Letzteres passiert auch dann, wenn man sich gar nicht in einer Baustelle befindet.

Die dahinter stehende Logik ist schwer zu durchschauen.

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jo-1 27. Nov 2022 / Themenstart

Same here. IT Relevanz würde anders aussehen. Schlechter als AMS und weniger IT als in...

Phonehoppy 22. Nov 2022 / Themenstart

Man sieht an diesem Erfahrungsbericht sehr schön, woran solche Systeme etablierter...

katze_sonne 21. Nov 2022 / Themenstart

Nö und nö. So einfach ist das nicht annähernd.

katze_sonne 21. Nov 2022 / Themenstart

Sehe ich auch so und das ist ja eigentlich einer der wichtigen Unterschiede zwischen...

Kommentieren



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