Dreame A1 im Test: Dreames erster Mähroboter mäht Igel nieder

Früher nervte bei der Montage von Mährobotern der Zwang, ein Sensorkabel im Garten zu verbuddeln. Neuere Modelle mit Funkmasten oder Satellitenempfang können wegen der Suche nach einem gutem Antennensignal für Frust sorgen. Bei Dreames Mähroboter-Premiere ist beides kein Thema.
Denn das Modell A1 navigiert sich ausschließlich mit einem Laserauge - so, wie es auch die Saug- und Wischroboter des Herstellers tun. Das soll die Inbetriebnahme auf dem Rasenrevier erleichtern und im Einsatz auch an Stellen für einen flüssigen Funkverkehr sorgen, wo Hindernisse GPS-Signale blockieren.
Zudem verspricht Dreame, mithilfe der Technik Gartenmobiliar und Lebewesen unversehrt zu lassen. Schlägt die Sensorik an, soll sie passende Ausweichmanöver initiieren. Den Rasen akkurat zu trimmen, stellt der Hersteller natürlich ebenfalls in Aussicht.
Bei Putzrobotern wie dem L10s Pro Ultra Heat und dem X40 liefert die Marke Spitzenleistungen. Gelingt ihr das auch bei Mährobotern? Um das zu überprüfen, hatte Golem.de den Dreame A1 im Test.
Bei vielen Gartenfans grast das Auge mit. Daher kleidet Hersteller Dreame seinen Mähroboter in ein Designgehäuse, ähnlich wie Ecovacs. Wirkt dessen Goat G1 wie ein spaciges Mars-Mobil, mutet der A1 wie ein futuristischer Luxussportwagen an.
Schnittiger Sportmäher mit empfindlichem Kleid
Die Haube ist leicht keilförmig und in Silbermetallic lackiert, das Heck ziert ein mattschwarzer Kunststoffgrill. Damit braust der A1 in Sachen Ästhetik locker am spießigen Look traditioneller Rasenmäher vorbei. Diese Schönheit hält nicht ewig. Schon nach wenigen Wochen Testeinsatz hinterlässt der Mähalltag sichtbare Lackkratzer.
Ein besonderer Blickfang ist die Glaskuppel auf der Oberseite. Darunter rotiert die Lasersensorik horizontal in 360 Grad und blickt senkrecht in einem 60-Grad-Winkel nach vorne. Hinter der Kuppel verbirgt eine schwarze Klappe ein Farbdisplay und Bedienelemente.
Die Unterseite bietet gebräuchliche Mähtechnik. In der Mitte dreht eine Messerscheibe drei bewegliche Rasierklingen. Hinten treiben zwei große Räder mit Stollenprofil den Roboter an, vorne geben zwei kleine Räder die Richtung vor.
Nach getaner Arbeit lässt sich das Gehäuse gemäß IP6X mit einem Niederdruck-Wasserstrahl abspülen. Angesichts eines Gewichts von 12 Kilo und Maßen von 643 x 436,5 x 261 Millimetern kann man den Mäher leicht zu einem Waschplatz transportieren. Die Ladestation putzt das Laserauge mit einer Bürste automatisch. Die Basis verträgt gemäß IPX4 einen Regenschauer, ihr Stromnetzteil (IP67) ein sehr kurzes Tauchbad.






Außer über das Bedienfeld akzeptiert der A1 Steuerbefehle via Bluetooth und WLAN. Ein Modul rüstet zum Preis von 250 Euro optional Mobilfunk nach, ist derzeit aber nicht erhältlich. Vorerst scheiden also ein Fernzugriff und eine GPS-Standortverfolgung bei Diebstahl aus.
Arbeitsbeginn mit Kennenlernrunde
Wie vom Hersteller versprochen, ist der Dreame A1 im Test schnell eingerichtet. Begrenzungsdraht und eine externe Antenne sind nicht zu montieren. Für die Inbetriebnahme koppelt man den Roboter via Bluetooth mit der Smartphone-App und bindet ihn dann ins WLAN ein. Anschließend bringt man ihm den Grundriss des Rasens mit einer Probefahrt bei. Das geht intuitiv und schnell.
Dazu navigiert man den Roboter mit Joystick-Schaltflächen entlang der Kanten. Dreame empfiehlt, 10 Zentimeter Sicherheitsabstand zum Rand zu lassen, damit das Gerät nicht versehentlich die Reviergrenze überschreitet. Automatisch, ohne menschliches Zutun, kann der Dreame-Roboter die Arbeitsfläche nicht kartieren.
Bei Saug- und Wischrobotern der Marke ist diese Fähigkeit üblich. Bei Mährobotern ist sie noch selten, der Roboup T-1000 und die neuen Segway-Modelle i105E und i108E bieten sie zum Beispiel.






Wer will, bringt dem Dreame-Roboter virtuelle Sperrzonen um den Gartenteich oder um Pflanzen bei. In unserem Praxiseinsatz war das nicht nötig, weil der Dreame A1 im Test Bäume auch ohne extra Hinweis erkennt und umkurvt.
Damit der A1 durch Wege getrennte Rasenstücke mäht, prägt man ihm ihre Grundrisse und entsprechende Verbindungspfade separat ein. Mehr als zwei solcher Zonen kann sich die Software derzeit nicht merken. Nachträglich anpassen lassen sie sich auch nicht. Ändert sich etwas, ist eine neue Kennenlernrunde nötig. Für Gärten mit vielen Teilstücken, deren Zuschnitt immer mal wieder umgestaltet wird, ist der Dreame A1 somit nicht ideal.
Sehr gute App mit einem sinnlosen Feature
Für die App-Bedienung kommt die gleiche Anwendung wie bei Saug- und Wischrobotern von Dreame zum Einsatz. Zwar hat die Marke für Mähroboter passende Schaltflächen und Anzeigen ergänzt. Sie sind aber genauso gut strukturiert und leicht zu erschließen.






Im Betrieb wählt man zwischen drei Modi. Entweder lässt man den A1 das ganze Areal, einzelne Zonen oder lediglich die Kanten mähen. Für das Trimmen ausgewählter Stellen will Dreame per Update im Juni einen vierten Modus nachliefern. Wer die Mäheinsätze nicht manuell beauftragen will, programmiert Zeitschaltpläne und lässt den Roboter automatisch seine Arbeit aufnehmen und beenden.
Anhand verschiedener Stellschrauben reguliert man den Arbeitseifer des Mähroboters. Außer im Standardtempo mit maximal 120 Quadratmetern pro Stunde mäht es den Rasen im Effizienzmodus wahlweise etwas schneller mit bis zu 200 Quadratmetern pro Stunde, dann aber womöglich zulasten der Gründlichkeit.
Die Schnitthöhe ist zwischen 3 und 7 Zentimetern in 0,5-Zentimeter-Schritten sehr fein variierbar. Damit der Roboter wuchernde Grasbüschel nicht für unantastbare Kostbarkeiten hält, steigert man die Höhe der zu berücksichtigen Hindernisse von 10 auf 15 und 20 Zentimeter oder deaktiviert die Hinderniserkennung komplett.
Wo der Roboter gerade fährt und wo er Hindernisse erkannt hat, verfolgt man auf Wunsch auf einer 2D-Karte. Zudem will Dreame mit einer 3D-Karte Eindruck machen, die auf dem kuppelförmigen Scan des Lidar-Sensor basiert. Sie stellt die Umwelt aber nur ausschnittartig und in Fehlfarben dar. Wir erkennen darauf nichts. Außer für kurzlebigen Small-Talk auf einer Grillparty ist diese Funktion für nichts gut.
So mäht der Dreame A1 im Test offline
Während der Einrichtung und bei der späteren Bedienung per App braucht das Smartphone immer eine Internetverbindung zum Cloud-Konto auf Dreames Servern. Verliert der WLAN-Router die Verbindung zum Internet, springt die Steuerung zwischen Smartphone und Roboter innerhalb der Funkreichweite auf Bluetooth um. Hat auch das Telefon keinen Kontakt zum Mobilfunksendemast oder kein Datenvolumen, kommen App-Befehle nicht beim Roboter an. Dann lässt er sich nur noch am Gerät selbst steuern.
Die Bedienelemente auf der Oberseite des Dreame A1 bieten im Test nahezu die gleichen Funktionen wie die App, sodass man das Smartphone getrost beiseitelegen kann. Das Farbdisplay lässt sich auch im Sonnenlicht gut genug ablesen. Die gummierten Tasten reagieren schnell.
Nur das dreh- und drückbare Jog Wheel ist für unseren Geschmack etwas zu leichtgängig. Damit wählt man die Ziffern für die PIN aus, die bei jedem Öffnen des Bedienfelddeckels einzugeben ist. Wegen des schwammigen Feedbacks treffen wir zu oft die falsche Wahl.






Stabile Fahrt, verwirrende Standortwechsel
Kleinere Wackler im Bedienkonzept sind verzeihlich, solange die Navigation per Lidar so souverän verläuft, wie vom Hersteller versprochen. Diese gelingt bei Dreames Mähroboter-Premiere über weite Strecken stark, zeigt aber in entscheidenden Situationen noch ausgeprägte Schwächen.
Im Normalfall findet der Dreame A1 im Test seinen Weg zu den Rasenflächen, grast diese systematisch in Bahnen ab und kehrt dann zur Ladestation zurück. Selbst schmale Verbindungswege zwischen Teilbereichen durchfährt der Roboter präzise. Bei unvorhergesehenen Zwischenfällen ist die Orientierung per Lasersensorik hingegen instabil.
Erkennt das Gerät einen Standortwechsel, findet es seine Position auf der Karte manchmal nicht wieder. Das kann passieren, wenn man den Dreame A1 hochhebt und versetzt.
Im Test triggerte eine zwischen dem Roboter und seiner Ladestation stehende Schuppentür einen totalen Meltdown. Auch nach dem Schließen der Tür fand der Dreame A1 im Test seine 20 Zentimeter in Sichtweite liegende Basis nicht und nahm nach mehreren verwirrten Rotationen Reißaus in ein benachbartes Beet. Erst ein Zurücktragen zur Station und ein Neustart halfen.
So eine folgenschwere Übersprungshandlung kennen wir von Dreames Saugrobotern nicht. Deren Lidar findet selbst bei exotischsten Standortwechseln zurück nach Hause. Im freien Gelände, das weniger statische Reflexionsflächen für die Laserdistanzsensorik bietet, könnte eine zusätzliche GPS-Antenne einem orientierungslosen Lidar aus der Patsche helfen.
Bei Mährobotern, die das satellitengestützte RTK-Verfahren (Real Time Kinematic) mit einer Kamera, Lasern, Ultraschall oder anderen Messhilfen kombinieren, ist solch eine Konfusion deutlich unwahrscheinlicher.






Igel sollten lieber rennen
Buchstäblich unterdimensioniert ist auch die Hinderniserkennung. Bauartbedingt erfasst das Lasermodul bloß Objekte, die die Fahrbahn mindestens zehn Zentimeter überragen. Eine Gießkanne, ein Wassereimer, ein Gartenstuhl, das Metallgestell einer freistehenden Hängematte sowie Sträucher und Bäume lässt der Dreame A1 im Test daher auch unbehelligt.
Eine im Gras liegende Schaufel mit langem Stiel sowie mehrere kleine und große Igel-Attrappen überfährt der Roboter hingegen humorlos. Erstere ist so niedrig und letztere sind so leicht, dass selbst der Federkontakt des Stoßfängers nicht anschlägt und daher auch keinen Notstopp initiiert.
Das könnte Gartenwerkzeuge sowie die Robotermechanik beschädigen und Kleintiere das Leben kosten. Mähroboter, die für die Hinderniserkennung Kameras verwenden, erzielen oft deutlich bessere Ergebnisse.
Beim Mähen schneidet er gut ab
Am Schnittergebnis ist für alle praktischen Belange nichts auszusetzen. In der Fläche trimmt der Dreame A1 im Test das Gras gründlich und gleichmäßig. Zunächst sichtbare Spurrillen lassen sich reduzieren, wenn man eine App-Option aktiviert, die die Mährichtung leicht versetzt. Dann überlappen sich die Bahnen stärker.
Die Kanten lässt der Dreame A1 im Test ungemäht, so wie praktisch alle Mähroboter ohne Begrenzungsdraht. Den bei der Erstkartierung eingespeicherten Sicherheitspuffer unterschreitet er nicht. Selbst bei aktiviertem "Begrenzungsmodus", einer speziell für das Kantenmähen gedachten Betriebseinstellung, fährt der Roboter kaum näher an den Rand und lässt einen breiten Streifen unangetastet. Daher ist dieser Modus in dieser Form unbrauchbar und weckt nur falsche Erwartungen.
Wegen der kleinen Schnittbreite von 22 Zentimetern fährt der Dreame A1 im Test viele Bahnen, um das gesamte Areal abzudecken. Trotzdem kommt er flott voran. Im Praxiseinsatz in einem verwinkelten Garten schafft er bei aktiviertem Standardtempo knapp 60 Quadratmeter in 40 Minuten, im höheren Tempo in 30 Minuten.






Insgesamt ist der Dreame A1 für eine Flächenleistung von 1.000 Quadratmetern pro Tag im Standardmodus oder 2.000 Quadratmetern pro Tag im Effizienzmodus ausgelegt. Das beinhaltet Ladepausen, die der Roboter zwischendurch einlegt, bevor er automatisch seine Aufgabe fortsetzt.
Ob der Dreame A1, wie vom Hersteller, versprochen eine Steigung von 24 Grad (45 Prozent) erklimmt, konnten wir nicht prüfen. Den 13-Grad-Winkel zweier Rampen, die einen tiefergelegten Steinweg überbrücken, schafft das Gerät.
Dreame A1 - Verfügbarkeit und Fazit
Der Dreame A1 ist zum Preis von 1.999 Euro im Handel erhältlich. Eine passende Roboter-Garage vertreibt der Hersteller für 199 Euro. Ersatzklingen kosten im 12er-Set 19,99 Euro, eine neue Reinigungsbürste für die Ladestation 14,99 Euro. Das optionale Mobilfunk-Modul ist für 249 Euro gelistet.
Die vier Zubehörprodukte sind zum Zeitpunkt dieses Tests auf der Herstellerwebseite(öffnet im neuen Fenster) als ausverkauft markiert. Den Roboter gibt es auch bei anderen Online-Shops. In stationären Geschäften ist Dreames Mähroboter noch nicht regulär zu finden. Im Problemfall wendet man sich an den Online-Support. Ein Fachhandelsnetz, das Hilfe bieten könnte, gibt es nicht.
Dreames Saug- und Wischroboter sind in großen Elektronikmärkten eine feste Größe und liefern Spitzenleistungen. Das weckt hohe Erwartungen an den ersten Mähroboter der Marke. Diese kann er nicht vollständig erfüllen.
Wenn alles so läuft, wie es soll, navigiert sich der Dreame A1 im Test mit seinem Laserauge souverän über die verwinkelten, zerstückelten Testflächen und mäht diese gründlich. Das Gerät per App einzurichten und zu bedienen, ist einfach und bequem.
Für Gartenfans mit Sci-Fi-Faible ist die futuristische Optik ein Traum. Die Hinderniserkennung klappt im Test einwandfrei, solange die Objekte groß genug sind. Und da beginnt unsere Kritik.
Die Sensorik erkennt keine Hindernisse, die niedriger als zehn Zentimeter sind. Sind diese zu leicht, um beim Haubenkontakt einen Widerstand auszulösen, setzt der Roboter seine Fahrt unbeirrt fort. Vor folgenreichen Kollisionen mit flachen Gartenwerkzeugen und Kleintieren ist das Gerät somit nicht gefeit.
Zusätzlich trübt die leicht aus dem Takt zu bringende Positionierung im Raum den Gesamteindruck. Bei Standortwechseln reagiert die Lasernavigation noch zu fehleranfällig und findet sich ohne Hilfe dann nicht mehr zurecht.
Im Vergleich dazu sind die kratzempfindliche Metallic-Lackierung, die geringe Anzahl von zwei separierbaren Rasenzonen und die nicht bearbeitbaren Kartengrundrisse kleinere Schönheitsfehler. Über die nicht gemähten Kanten können wir hinwegsehen, weil andere Mähroboter ohne Begrenzungskabel daran auch scheitern.
Software-Updates könnten Positionierung stabilisieren
Insgesamt ist der Dreame A1 eine beachtliche Outdoor-Premiere für die Marke, die allerdings noch reifen muss. Software-Updates könnten etwa die Positionierung im Raum stabilisieren.
Eine feinfühligere Hinderniserkennung ließe sich aber wohl nur durch zusätzliche Sensorik in der nächsten Hardware-Generation erzielen. Zum aktuellen Modell greifen Fans der Marke, die kleinere Unvollkommenheiten nicht stören und Kollisionen mit Kleintieren für unwahrscheinlich halten.



