Die Büchse der Pandora

Golem: Wie sind Sie überhaupt zur Entwicklung der ersten Linux-Konsole Open Pandora und jetzt der Pyra gekommen?

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Mrozek: Das alles fing mit dem GP32-Handheld an, einer kleinen offenen Konsole von Gamepark aus Korea. Ich bin Sammler von Computern und Handhelds und suchte natürlich auch die eher kuriosen Sachen. Ich habe mir die Mühe gemacht und den gekauft und importiert.

Damals ist mir direkt aufgefallen: Es ist super, dass du eigene Spiele darauf laufen lassen kannst, aber du findest sie nicht, weil jeder Entwickler seine eigene Webseite hat. Ich war in der Community und habe vorgeschlagen, ein kleines File-Archiv zu machen und Entwicklern anzubieten, ihre Spiele da hochzuladen - nach Kategorien sortiert und jeder kann sie dann herunterladen.

Irgendwann wurde dann der GP2X als Nachfolger angekündigt und ich habe gesagt: Passt auf, Leute, ihr kennt mich, ich mache das File-Archiv - wollen wir nicht eine Sammelbestellung machen? Ich kümmere mich um den Zoll und verschicke das Ganze hier in Deutschland an euch. Ein Händler regte dann an, einen Shop aufzumachen. Das war der GP2X-Shop, der wirklich nur das Gerät plus Zubehör verkauft hat.

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Die Entwicklung der Pandora lag nicht bei mir, sondern bei jemandem, der das in England ins Leben gerufen hat. Ich wollte sie über meinen Shop verkaufen. Dem Mann ist irgendwann das Geld ausgegangen und da habe ich gesagt: Ich suche Investoren, ich will das Ding hier fertigstellen.

So habe ich die Produktion nach Deutschland verlagert, mit einem Werk, das mir der jetzige Hardware-Designer damals empfohlen hatte. Die Konsole kam mit ein paar Jahren Verspätung. Wir haben mehr als 7.000 produziert und die Produktion hat am Ende fehlerfrei funktioniert. Wir hatten eine Ausfallquote von unter drei Prozent - das war top.

  • Die Pyra ist ein taschenfreundlicher Linux-Rechner. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Tastatur ist beleuchtet und hat ein paar Sondertasten. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Vorn passen zwei SD-Karten in die Pyra. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die rückseitigen Anschlüsse sind vielfältiger als bei manchem Laptop. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Bauweise der Pyra ist modular. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links sollte ein Chip zur Bildschirmrotation verbaut werden, der nun nicht mehr nötig ist. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der kleine Bildschirm hat eine Auflösung von 720p. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Unter dem wechselbaren Akku kann eine Sim-Karte eingesetzt werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Michael Mrozek verschickt die Konsole und viele weitere Retroartikel aus seinem Büro in Ingolstadt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Die Pyra ist ein taschenfreundlicher Linux-Rechner. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Nachdem die Pandora durch war, habe ich damals schon den Investoren gesagt, dass wir ein weiteres Gerät bauen wollen. Wir haben die Erfahrung, wir haben Firmen, mit denen wir gut arbeiten, wir haben das Know-how, also machen wir weiter! Dass es so schlimm werden würde, hätte ich nie gedacht.

Das erste Problem war schon, dass derjenige, der die Pandora damals in seiner Freizeit designt hat, keine Zeit für den Nachfolger hatte. Wir mussten wieder komplett neu starten. Ich habe damals schon gesagt: Okay, dann will ich mir aber eine Basis schaffen, auf die ich bauen kann, wenn wir wieder Nachfolger brauchen. Wenn ein neuer Prozessor kommt oder irgendein anderer Hardware-Bestandteil obsolet wird, will ich das Ding so haben, dass ich nicht wieder von vorn anfangen muss.

Golem.de: Das heißt, Sie haben bei der Pyra einen Plattformgedanken verfolgt.

Mrozek: Genau, wir haben das Ganze modular gemacht. Es gibt ein Board mit Standardkomponenten wie USB-Ports und den ganzen Controllern - also das, was sich normalerweise nicht ändert. Und wir haben ein Board, das einfach draufgesteckt wird und auf dem im Endeffekt nur der Prozessor plus Power Controller für den Prozessor sowie der interne Speicher drauf sind.

Wenn also zum Beispiel von Rockchip ein neues, interessantes SoC kommt, werden wir das eventuell verwenden können. Das heißt, wir müssen kein neues Gehäuse designen, wir müssen das Mainboard nicht mehr komplett neu machen und vor allem: Ich kann das Ding für die Leute, die schon eine Pyra haben, als Upgrade anbieten. Für uns in der Produktion ist es auch so, dass wir bei einem Ausfall mitunter nur das SoC tauschen müssen.

TheC64 Mini

Golem: Was haben Sie aus den beiden Projekten gelernt?

Mrozek: Das Wichtigste ist, dass gerade in solchen Projekten Ehrlichkeit eine sehr, sehr große Rolle spielt. Es gibt immer Probleme und nicht alle Projekte scheitern deswegen gleich. Schlecht ist es, wenn sich das anhäuft und die Verzögerung geht in die Monate - das merken die Kunden natürlich. Dann gehen die internen Verschwörungstheorien los. Man muss zwar nicht jedes winzige Detail sofort offenlegen, weil das zu Panik führen kann. Man sollte aber schon ehrlich sein und sagen: Was sind die Konsequenzen, was sind die Folgen, was machen wir dagegen?

Was die Kunden nicht verstehen, ist, wenn du etwas verschweigst. Wenn du auf Nachfragen sagst: Nee, alles gut! und dann läuft etwas schief. Da ist die Vertrauensbasis schnell weg.

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 Dragonbox-Pyra-Macher im Interview: Die Linux-Spielekonsole aus DeutschlandHilfe aus der Community - hoffentlich auch in Zukunft 
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