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Dragon's Dogma 2 Vorschau: Altmodisches Rollenspiel für Einsteiger

Das Open-World-Rollenspiel Dragon's Dogma hat sich 2012 millionenfach verkauft, der nachhaltige Erfolg blieb aber aus. Ob der Nachfolger das ändert? Wir haben ihn angespielt.
/ Florian Zandt
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Schon Dragon's Dogma war für seine stimmigen Wälder bekannt, in Teil zwei sehen diese dank RE Engine noch besser aus. (Bild: Capcom/Screenshot: Florian Zandt)
Schon Dragon's Dogma war für seine stimmigen Wälder bekannt, in Teil zwei sehen diese dank RE Engine noch besser aus. Bild: Capcom/Screenshot: Florian Zandt

In einem Moment spazieren wir noch seelenruhig mit unseren Begleitern durch pastorale Landschaften vor einer mittelalterlichen Stadt. Im nächsten hängen wir an den Halsfedern eines durch die Luft sausenden Greifen und hacken mit gezielten Schlägen auf das Biest ein, während unsere Kollegen dem Tier Blitze und Pfeile und uns ungefragt Tipps wie "Den Kopf zu treffen, ist am wirkungsvollsten" entgegenschleudern.

Am Ende dieses mehrminütigen Bosskampfes hat man die Essenz dessen erlebt, was Dragon's Dogma ausmachte und augenscheinlich auch Dragon's Dogma 2 ausmachen wird: Die Erkundung einer wunderschönen, weitläufigen Welt mit kulturellen Einflüssen aus dem europäischen Mittelalter und der Antike, die sogenannten Vasallen und der dynamische Kampf gegen mal mehr, mal weniger große Monster.

Für Fans der Reihe – das erste Spiel plus Erweiterung Dark Arisen hat sich immerhin mehr als sieben Millionen Mal verkauft(öffnet im neuen Fenster) – dürfte Dragon's Dogma 2 ein erfreuliches Wiedersehen werden. Doch mit ein paar neuen Komfortfunktionen könnte Capcoms eigenwilliges Rollenspiel auch für Neulinge einen Blick wert sein.

Altbekannt ist nicht immer schlecht

Die Ähnlichkeiten mit Dragon's Dogma hören bei den Monsterkämpfen mit KI-Vasallen noch nicht auf. Während uns in einer modern-unauffälligen Location nahe dem Hamburger Jungfernstieg zwischen drei Anspielstationen, von uns dankend abgelehnten Snacks und einer Sitzecke einige Hintergründe erklärt werden, haken wir im Kopf schon die wichtigsten Punkte ab.

Neben den bereits erwähnten Features wird es wieder mehrere Klassen geben – Kämpfer, Dieb, Bogenschütze und Magier -, von denen wir drei antesten können. Von den angekündigten erweiterten Klassen des magischen Bogenschützen, ein Fan-Favorit aus dem ersten Teil, und der mystischen Klinge bekommen wir allerdings noch nichts zu sehen.

Schon während der ersten Minuten mit Dragon's Dogma 2 zeigt sich, wie schwierig es ist, bei einem komplexen Rollenspiel mit offener Welt in nur einer Stunde zu einer wirklich fundierten Einschätzung zu kommen. Klar scheint allerdings: Eine großartig neue Zielgruppe wird sich das Spiel vermutlich nicht erschließen. Dazu steckt noch zu viel Jank (Gaming-Jargon für ambitionierte Ideen, die an der Umsetzung scheitern) in der DNA des Titels.

In Dragon's Dogma zeigt sich Jank zum Beispiel, wenn man auf den Kopf eines Monsters klettert, plötzlich kerzengerade steht und dann unvermittelt herunterfällt; oder wenn NPCs nicht darauf reagieren, dass neben ihnen gerade Feuerbälle und Blitze einschlagen. Kurz: Systeme, die nicht optimal ineinandergreifen und oft auch unfreiwillig komische Momente erzeugen.

Für Kenner des Vorgängers wird schnell deutlich: Wirklich geändert hat Capcom am grundlegenden Gameplay-Loop nichts. Wir nehmen Quests von NPCs an, bekämpfen Monster, leveln unseren Charakter, bauen Beziehungen zu Vasallen und anderen Charakteren auf und folgen einer bislang recht unspektakulären Story.

Erweckter gegen Drache

Die Story ist, soweit wir es in der Vorschau beurteilen können, die von Dragon's Dogma in Grün. Statt eines Fischers ist der Erweckte, wie der Protagonist offiziell genannt wird, dieses Mal ein Wachsoldat im Dorf Melve im Königreich Vermund, der bei einem Drachenangriff wortwörtlich sein Herz verliert.

Wie auch schon im ersten Teil wird dieses vom Drachen verschluckt und wir dadurch unsterblich. Dazu gehört auch, dass das Biest uns herausfordert, es aufzusuchen und im Kampf zu besiegen, um den Untergang der Welt zu verhindern.

Welche Verzweigungen, Irrungen und Wirrungen die Story ab diesem Punkt nehmen wird, können wir nicht sagen. Von der eindrucksvoll inszenierten Zwischensequenz, in der wir erfahren, dass wir einer Mitsoldatin namens Ulrika das Leben gerettet haben, werden wir über einen spontanen Charakterwechsel zum eingangs beschriebenen Kampf gegen einen Greifen geleitet und erkunden schließlich die Hauptstadt Vermunds, Venworth.

Dort blättern wir uns kurz durch Inventare von Händlern, heuern neue Vasallen an und spielen ein wenig mit den verfügbaren Fertigkeiten herum. Besonders die Vasallen machten den ersten Teil der Reihe einzigartig. Denn die KI-Begleiter, von denen wir einen selbst erschaffen durften, hatten eigene Persönlichkeiten und halfen einem nach dem Anheuern mit Hinweisen weiter, wenn sie die entsprechenden Quests bereits mit einem anderen Spieler erfüllt hatten.

Open World für Bequeme

Wirklich neu sind hingegen eine Handvoll Features, die vor allem die Zugänglichkeit für Einsteiger verbessern. An den strategisch in der Welt platzierten Lagerfeuern können wir Essen kochen und uns damit buffen, ausgerüstete Fähigkeiten ändern oder von Tag auf Nacht wechseln. Außerdem wurde eine Schnellreisefunktion mit Ochsenkarren eingeführt, was das Herumtragen schwerer Portalsteine zum Setzen eigener Teleportpunkte wie noch im ersten Teil mehr oder weniger unnötig macht.

Auch eine weitere Spezies, die katzenartigen Biestren, und das dazugehörige Reich Batthal sind neu. Wie genau die Wesen sich letzten Endes von den Menschen Vermunds unterscheiden oder ob es nur optische Differenzen gibt, haben wir beim Anspielen nicht erfahren.

Ob Melve oder Cassardis, Venworth oder Gran Soren, Vermund oder Gransys: Die stark eingeschränkte Vorführversion unterscheidet sich im Aufbau kaum vom Vorgänger, abgesehen von deutlich besserer Grafik und Animationen. Die bringen die Vorführ-PS5 allerdings in manchen Situationen leicht ins Ruckeln.

Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Performance-Einbrüche in der finalen Version nicht mehr so deutlich ausfallen. Capcoms ursprünglich für Resident Evil entwickelte RE Engine sollte die stimmige, aber technisch nicht gerade anspruchsvolle Optik von Dragon's Dogma 2 eigentlich stemmen können.

Stimmige Welt trifft auf technischen Schluckauf

Ruckler hin, identischer Spielaufbau her: Das Gefühl, durch dichte Wälder, tiefe Schluchten oder geschäftige Städte zu streifen und jederzeit auf der Hut sein zu müssen, gewinnt durch das grafische Upgrade deutlich an Intensität. Vermund ist ein wunderhübscher Landstrich, das Umgebungsdesign stimmig, die Atmosphäre dicht und einnehmend.

Schon Dragon's Dogma hat nicht durch technische Höhenflüge oder eine filmreife Geschichte überzeugt, sondern durch die Dynamik, die sich zwischen Spielern und ihren Begleitern aufbaut, die Vielseitigkeit der möglichen Charakterentwicklung, die belebte Welt und die beeindruckenden taktischen Bosskämpfe.

All das scheint auch Dragon's Dogma 2 zu bieten – so weit wir das nach der einstündigen Tour de Force beurteilen können. Damit fühlt sich der Nachfolger von Dragon's Dogma angenehm aus der Zeit gefallen an, nach etwas Besonderem.

Eben weil er unserem Ersteindruck nach nicht versucht, erfolgreiche Spiele zu kopieren, sondern seinem eigenen, merkwürdigen Charme treu bleibt. Man kann nur hoffen, dass es in der finalen Version genau so gehandhabt wird.

Dragon's Dogma 2 soll für die Xbox Series S und X, Playstation 5 und PC erscheinen. Ein Veröffentlichungsdatum, Editionen, Preis und weitere Details sind bislang nicht bekannt.


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