Doug Loverro: Nasa-Raumfahrtchef tritt nach nur sechs Monaten zurück

Ein "persönlicher Fehler" soll Doug Loverro zur Aufgabe seines Amts bewogen haben. Die Nasa hat zuletzt eine Reihe von Entscheidungen gegen Boeing gefällt.

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Der Chef für astronautische Raumfahrt der Nasa tritt nach 186 Tagen im Amt zurück.
Der Chef für astronautische Raumfahrt der Nasa tritt nach 186 Tagen im Amt zurück. (Bild: Department of Defense/Monica A. King)

Der Nasa-Chef für astronautische Raumfahrt, Doug Loverro, ist am Dienstag überraschend zurückgetreten. Die Nachricht wurde wenige Stunden nach dem White House National Space Council der Nasa bekannt. Loverro war erst im November 2019 in das Amt berufen worden. Er folgte auf Bill Gerstenmeier, der den Posten rund 14 Jahre innehatte und für Verzögerungen im Artemis-Mondlandeprogramm der USA verantwortlich gemacht wurde. Gerstenmaier wechselte im Februar zu SpaceX und ist dort für die Sicherheit der menschlichen Raumfahrt mitverantwortlich.

Der Rücktritt Loverros erfolgt nur eine Woche vor dem bei der Nasa lang erwarteten ersten Raumflug eines US-Amerikaners von amerikanischem Boden und in einem amerikanischen Raumschiff seit Ende des Shuttle-Programms. Dieser ist für den 27. Mai mit dem Dragon-Raumschiff von SpaceX geplant. Der Rücktritt soll aber nichts mit diesem Flug zu tun haben. In seiner Begründung sprach Loverro von einem persönlichen Risiko, das er eingegangen sei, um den Erfolg der Nasa-Mission zu garantieren. Dabei habe er einen Fehler gemacht, für den er allein nun die Konsequenzen tragen müsse.

Den Fehler benannte Loverro nicht, aber seine kurze Amtszeit war geprägt von mehreren Entscheidungen, die gegen Boeing ausfielen. Loverro folgte nicht Boeings Darstellung, dass der abgebrochene und fehlergeplagte Testflug des Boeing Starliner angeblich eine ausreichende Demonstration der Sicherheit des Systems gewesen sei. Der Flug muss nun wiederholt werden. Boeing bekam keinen Auftrag zur Frachtversorgung des Lunar Gateway, der geplanten Miniraumstation im Mondorbit - ein Programm mit einem Umfang von sieben Milliarden US-Dollar.

Ebenso wurde Boeing wegen schlechter Leistungen und eines schlechten technischen Vorschlags von der Entwicklung eines Mondlanders für die Nasa ausgeschlossen. Dabei wurde Wert darauf gelegt, dass die Mondlander nicht nur mit der von Boeing konstruierten SLS-Schwerlastrakete zum Mond gebracht werden können. Die Rakete sollte ursprünglich 2017 erstmals fliegen, derzeit ist 2021 geplant, weitere Verschiebungen gelten aber wegen der Coronaviruspandemie als wahrscheinlich.

Wie schon nach der Entlassung von Gerstenmaier wird das Amt Loverros kommissarisch durch den fünffachen Space-Shuttle-Astronauten Ken Bowersox besetzt, bis ein neuer Chef für astronautische Raumfahrt ausgewählt wird.

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