Dota 2: Streit zwischen Valve und ESL um Übertragungsrechte

Das hat sich der Turnierveranstalter ESL bestimmt anders erhofft: Die am 18. Januar 2018 bekanntgegebene exklusive Zusammenarbeit mit Facebook bei der Übertragung von Turnieren mit Counter-Strike und Dota 2 sorgt bislang vor allem für Ärger - Teile der Community drohen sogar mit Zuschauerboykott.
Jetzt hat sich auch Valve auf die Seite des Publikums geschlagen. In einem Beitrag auf dem Firmenblog(öffnet im neuen Fenster) betont das Entwicklerstudio hinter den beiden Games am 25. Januar 2018, dass Mitglieder der Community die live von E-Sportlern ausgetragenen Matches sehr wohl auf Twitch zeigen dürfen - und dass die ESL diese Streams nicht offline nehmen darf.

Das gilt laut Valve für die Inhalte, die direkt aus dem Spiel übertragen werden (Dota TV). Dafür besitze Valve die Rechte, entsprechend dürfe nur Valve die Streams wegen eines DMCA-Verstoßes von Twitch entfernen lassen. Weil Valve neue Kommentatoren oder andere frische Ideen fördern wolle, sei die Übertragung durch Mitglieder der Community erlaubt, schreibt das Unternehmen. Wer den Stream zeigen dürfe und wer nicht, entscheide man allein. Und das bedeutet auch: Es entscheidet eben nicht die ESL.
Die ESL ist nur für ihr eigenes Material zuständig, also für die mit weiteren Kameraeinstellungen und den eigenen Kommentaren angereicherten Bilder. Die aus Köln stammende ESL - eigentlich Turtle Entertainment GmbH - hat sich zum Beitrag von Valve noch nicht öffentlich geäußert.
Der Streit entbrannte über ein Dota-2-Profiturnier, das derzeit in Malaysia stattfindet - das ESL One Genting 2018. Das soll eigentlich exklusiv bei Facebook zu sehen sein. Bei den Fans kommt diese Vereinbarung allerdings nicht gut an. Unter anderem, weil der offizielle Stream immer wieder unter Aussetzern und schlechter Bildqualität zu leiden hat. Viele Zuschauer lehnen außerdem schlicht Facebook an sich ab.
Die von der Community bei Twitch (einer Tochter von Amazon) übertragenen Streams waren da eine gute Alternative, sodass dort rasch mehr Zuschauer die Spiele verfolgt haben als bei Facebook - was wiederum die ESL zum Versuch brachte, sie per DMCA offline zu nehmen. Bei einem bekannten Streamer Banana Slam Jamma (BSJ) ist das laut einem Bericht auf Polygon.com(öffnet im neuen Fenster) gelungen. Eine weitere Szenegröße mit dem Pseudonym Admiral Bulldog habe seinen Übertragung vorsichtshalber von sich aus abgebrochen. Valve nimmt die beiden Streamer in seinem Beitrag ausdrücklich in Schutz.
ESL will nichtkommerzielle Streams akzeptieren
Wie die Sache weitergeht, ist derzeit schwierig abzusehen. Kurzfristig dürfen Personen wie BSJ und Admiral Bulldog wohl weitersenden, solange sie auf jede Monetarisierung verzichten. Ein Vertreter der ESL hatte vor ein paar Tagen(öffnet im neuen Fenster) gesagt, dass man diese altbekannte Möglichkeit der Community natürlich akzeptiere.
Auffällig ist, dass der Beitrag im Blog von Valve sehr vorsichtig verfasst ist. Beispielweise schreibt die Firma nur, dass die Mitglieder der Community "gelegentlich" Matches auf ihrem Kanal zeigen dürfen - wie viel genau, erfährt man nicht. Auch Valve dürfte wenig Interesse daran haben, eine dauerhafte Konkurrenz für die ESL und für Facebook zu etablieren.



