Spannungskurve und Ausdehnung typisch für Lithium
Viele davon hätten darum gebeten, anonym zu bleiben. Doch Julian Zanow vom Fraunhofer-Institut, der Litona-CEO Tom Bötticher, Juho Heiska von der Seinäjoki University of Applied Sciences in Finnland sowie Jochem Sann von der Justus-Liebig-Universität Gießen hätten ihre Ergebnisse öffentlich geteilt.
Die wichtigsten Indizien sind laut Ziroth die Spannungskurven sowie das Ausdehnungsverhalten. "Mein erster Gedanke war: Das ist zu 100 Prozent NCM-Chemie. Ich meine, Spannungskurven sind zwar kein direkter Fingerabdruck, aber sie kommen dem sehr nahe", sagte Zahnow in dem Video. Ziroth ergänzte: "Ich habe noch nie eine Natrium-Ionen-Zelle gesehen, die bei einem Ladezustand von 50 Prozent deutlich über 3,5 Volt lag – und schon gar nicht bei 3,7 oder 3,8 Volt, wo sich Lithium-Zellen mit hoher Spannung bewegen; das gilt auch für die Laborzellen."
Kein Natrium möglich
Mit Blick auf das Ausdehnungsverhalten weise die Batterie von Donut Lab den für Lithium-Ionen-Zellen typischen Knick im Bereich von 50 bis 70 Prozent des Ladezustands auf. Das beweise, dass die Zelle eine Graphitanode verwende. "Das ist von großer Bedeutung, da Natriumionen zu groß sind, um auf natürliche Weise in die Schichten von Graphit zu passen. Da wir sehen, dass es sich bei der Anode um Graphit handelt, muss es sich bei der Zelle von CT-Coating, die Donut Lab getestet hat, um eine Lithium-Ionen-Zelle handeln. Das ist vernichtend für Donut Lab", sagte Ziroth.
Unzutreffend sei darüber hinaus die Behauptung des Motorradherstellers Verge, bereits ein Modell mit den angeblichen Festkörperakkus in die Serienproduktion gebracht und ausgeliefert zu haben. "Das ist jedoch nachweislich falsch und deutet auf eine besorgniserregende Tendenz hin, die Wahrheit zu ignorieren", heißt es in dem Video.
Denn die ersten gezeigten Fahrzeuge seien lediglich für die interne Nutzung bestimmt gewesen. In einem Gespräch mit der größten finnischen Tageszeitung Helsingin Sanomat räumte Donut-Lab-Chef Marko Lethimäki ein: "Wir haben noch keine Batterien mit 400 Wh/kg an Kunden ausgeliefert."
Kleinanleger als Investoren
In E-Mails von Donut Lab an CT-Coating, die der Zeitung vorliegen, soll nach Messergebnissen zu den Ladezyklen gefragt worden sein. Doch diese hätten den vorliegenden Mails zufolge nicht geliefert werden können.
Im Gegensatz zu Golem und dem Chef des chinesischen Batterieherstellers Svolt verzichtet Ziroth darauf, das Vorgehen von Donut Lab als Betrug zu bezeichnen. "Anwälte haben mir geraten, dies nicht ausdrücklich als Betrug zu bezeichnen; daher dient dieses Video lediglich dazu, Beweise zur Untermauerung der bereits öffentlich vorgebrachten Vorwürfe zu liefern."
Die Leidtragenden der Falschbehauptungen seien vor allem Kleinanleger, die sich 2023 an einer Crowdfunding-Aktion von Verge auf der Plattform Springvest beteiligt hätten. Verge habe damals auf eine Insolvenz zugesteuert und sich in drei Firmen aufgespalten, von denen eine Donut Lab gewesen sei.


