Donut Lab: Ignoriert diese Tech-Clowns doch endlich
Nachdem ich immer wieder gefragt wurde: Der Akku einer Firma(öffnet im neuen Fenster), die nach runden Krapfen mit Loch benannt wurde (in der Überschrift steht der Name) und auf der diesjährigen CES die "weltweit erste vollständig festkörperbasierte Batterie, jetzt bereit, Serienfahrzeuge anzutreiben", vorgestellt hat, ist natürlich fast garantiert Unsinn.
Es soll ein Festkörperakku mit 400 Wh/kg und 100.000 Ladezyklen sein. Die Technik soll billig sein und nur auf reichlich vorhandenen Rohstoffen basieren, die nicht genannt werden. Es gibt keine detaillierten Angaben zur verwendeten Technik. Es gibt keine Tests von unabhängigen Stellen. Der niedrige Preis ist bloße Behauptung. Es gibt keine Fabrik und die Produktionsanlagen der Prototypen werden auch nicht gezeigt.
Es gibt nur die Behauptung, dass die Akkus verfügbar seien und die Produktion leicht umsetzbar. Die Zahl von 100.000 Ladezyklen ist offensichtlich wild aus der Luft gegriffen, ohne konkrete Angaben zum Testzyklus. Der Behauptung von 5 Minuten bis zum vollen Akku widerspricht die Firma schon mit einem eigenen Diagramm, das nach 300 Sekunden nur 85 Prozent Ladestand zeigt. Ein Motorrad mit dem Akku braucht angeblich 10 Minuten für den Ladevorgang.
Nicht mal Quantumscape war so peinlich
Übrigens hat ein Jahr nur rund 500.000 Minuten. Wurde der Akku zwei Jahre lang alle 5 Minuten be- und entladen, um die 100.000 Ladezyklen zu demonstrieren? Wo sind die dabei gemessenen Daten? Warum wird das Motorrad, das als Beweis gelten soll, nicht unabhängigen Testern zwecks Demontage und Untersuchung zur freien Verfügung gestellt? Es wurde ihnen sogar auf Linkedin angeboten.(öffnet im neuen Fenster) Was genau ist überhaupt in den Akkus drin?
Wo sind die Kurven zum Spannungsverlauf während des Lade- und Endladevorgangs? Das kann kein Firmengeheimnis sein, wenn der Akku verkauft werden soll, auch wenn sich damit die verwendete Akkuchemie eingrenzen lässt. Schon auf einfachste Fragen gibt es im öffentlichen Auftritt der Firma keine Antworten. Das Unternehmen agiert so, als könne es sich vor Kritik schützen, wenn nichts Konkretes gesagt wird. Nicht mal Quantumscape erreichte dieses Niveau von Peinlichkeit.
Eigentlich sind solche Firmen noch nicht mal Clowns. Denn was sie tun, ist nicht lustig, sondern in der Vorhersagbarkeit fast schon langweilig.
'Fake it till you make it' darf nicht funktionieren
Seit Jahren kommt eine Firma nach der anderen mit solchen und ähnlichen Behauptungen heraus und hofft, irgendwie Geld aus Aufmerksamkeit zu machen. Anschließend werden Boni, hohe Gehälter für CEOs und andere hohe Angestellte ausgezahlt. Vielleicht werden auch Firmenanteile ausgegeben und die damit berechnete Firmenbewertung als Sicherheit für Kredite genutzt.
Dann tauchen angeblich völlig unerwartete Probleme in der Produktion auf und Jahre später werden die Probleme schöngeredet mit der Behauptung, dass man als guter Geschäftsmann doch etwas wagen müsse.
Aber jeder Euro, der in solche Clown-Batterien gesteckt wird, egal ob in der Wirtschaft oder in der Forschung, fehlt für seriöse Entwicklung und Investitionen. Es gibt genug etablierte unabhängige Testlabors, die technische Angaben bestätigen können. Jede Firma, die etwas auf sich hält, kann auch ohne gesonderte Aufforderung die notwendigen Details zur Technik nennen, mit denen die technischen Angaben möglich werden.
Eine Firma, die das nicht tut, sollte bis zum Beweis des Gegenteils als potenzieller Investorenbetrug gelten und außer Spott keine Aufmerksamkeit bekommen.
Fake it and you're out
"Fake it till you make it" darf kein Erfolgsrezept mehr sein. Wenn Falschbehauptungen zur Normalität im Geschäftsbetrieb gehören, dann blüht am Ende nur das Geschäft mit dem Betrug. Das gilt auch dann, wenn der Fake irgendwann doch noch Realität wird, denn andere Firmen hätten zur gleichen Zeit bessere Ideen haben können. Dabei geht es nicht um Anlegerschutz, sondern um die Gesellschaft als Ganzes. Unehrlichkeit von Firmen ist längst zum Normalfall, zur normalen Erwartungshaltung geworden.
Das trifft niemanden so hart wie die seriösen Unternehmen. Denn Anschein zu erwecken, ist immer billiger als echte Arbeit. Wo Betrug mit riesigen Geldsummen zur Normalität gehört, ist der Schaden an der Gesellschaft schon da. Die mit Geld aus dem Silicon Valley an die Macht gebrachte faschistische Regierung der USA zeigt, wohin es führt, wenn Clowns mit viel Geld erfolgreich gemacht werden.
Wenn am Krapfen-Akku irgendetwas dran sein sollte, dann kann das demonstriert und unabhängig überprüft statt nur mit ein paar Zahlen von einer Firma behauptet werden. Das wäre dann der Beweis des Gegenteils, bis zu dem ein solches Unternehmen keinesfalls als seriös einzuschätzen ist.
Es braucht ein neues Motto: "Fake it and you're out."
Wer einfach nur drauflos behauptet, muss als Betrüger behandelt werden.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


