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Modell der Selbstverwaltung muss erhalten bleiben

Die Diskussion um staatliche Einflussnahme außerhalb geltender Gesetze kommt der "Kill Switch"-Theorie sehr nahe, die vor einigen Jahren vermutete, dass Regierungen an einem zentralen "Ausschaltknopf" für das Internet arbeiten. Tatsache ist, dass die meisten Staaten dieser Welt entsprechende Rechtsrahmen bieten, um Straftaten auch im Internet zu verfolgen. Die Herausforderung ist, denjenigen zu identifizieren, der missbräuchliche Aktivitäten abschalten kann. Das Problem liegt häufig nicht daran, dass es kein geltendes nationales Recht gibt, sondern eher in der verbesserungsfähigen internationalen Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden.

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Es bleibt abzuwarten, wie lange Regierungen brauchen, um zu erkennen, dass sie eine Akzeptanz bei Providern und Registries für neue Lösungen zum Datenschutz und gegen Missbrauch nur dann erreichen können, wenn sie mit der Icann-Community zusammenarbeiten.

Aus Icann-Sicht als De-Facto-Aufsichtsorganisation ist es verständlich, dass sie den Interessen von Regierungen besondere Beachtung schenkt. Das Multi-Stakeholder-Modell sieht allerdings vor, alle Stimmen gleichermaßen einzubeziehen. Man könnte angesichts der aktuellen Einflussnahme der Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und Markenrechteinhaber zum Thema Whois-Datenbank den Eindruck gewinnen, dass Icann auf dem Weg zu einem Gremium ist, das immun ist gegen sachliche Argumente, beispielsweise von Registries oder auch der technischen Community.

Spricht man mit der technischen Community, wird schnell klar, dass zahlreiche Wünsche und Anforderungen der Strafverfolgungsbehörden so nicht umsetzbar sind. Denn die Löschung einer Domain ist in einem Missbrauchsfall nicht zwangsläufig die Lösung für das Problem.

Gleiches gilt für die Registries und Provider: Oftmals werden vermeintliche Abuse-Fälle gemeldet, die sich nach Prüfung als sogenannte false positives herausstellen. Es kann sich dabei um Fälle handeln, die schon vor mehreren Tagen aufgetreten sind und damit längst beseitigt. Oder Dienstleister haben ihre Datenquellen noch nicht aktualisiert oder Domains erkannt, die gar nicht (mehr) existieren. Es kommt auch vor, dass ein virtueller Server, der Malware versendet, betroffen ist, alle anderen virtuellen Server auf dem Webserver aber nicht.

Icann sollte sich der Einflussnahme erwehren

Nur das Multi-Stakeholder-Modell bietet die Chance, die verschiedenen Blickwinkel in den Gremien zu erörtern und Lösungen zu entwickeln, die alle Interessen gleichermaßen berücksichtigen. Der Konsens aller Stakeholder ist die Voraussetzung für stabile Entscheidungen, die lange Bestand haben. Einflussnahmen außerhalb dieser Gremien gefährden diese langfristige Stabilität.

2019 haben eine Reihe von relevanten Registries und Registraren öffentlich gemacht, wie sie gegen DNS Abuse vorgehen und dazu im Rahmen eines sogenannten Domain Industry Best Practices das Framework to Mitigate Abuse veröffentlicht. Dieses hat zum Ziel, einen Beitrag zum Dialog innerhalb der Icann-Multi-Stakeholder-Community zu leisten und die Sicherheit des DNS zu fördern, indem Missbrauch eingedämmt wird. Die unterzeichnenden Registries und Provider machen darin transparent, welche Rolle sie haben und mit welchen Maßnahmen sie ihre Ziele erreichen wollen.

Einzelne Registrare und Registries gehen noch darüber hinaus. Die Betreiber von .berlin, deren Geschäftsführerin die Autorin ist, und .hamburg haben 2019 und 2020 als erste Registries transparent gemacht, ob sie Anfragen von Strafverfolgungsbehörden im Rahmen der DSGVO hatten und wie sie damit umgegangen sind. Veröffentlicht haben sie außerdem DNS-Abuse-Zahlen - also die Anzahl von missbräuchlich genutzten Domains und den Umgang damit.

Das bewährte Multi-Stakeholder-Modell von Icann für das Management der global einheitlichen Adressressourcen sollte nicht zum Feigenblatt verkümmern. Auch wenn sich Icann schwertut, die verschiedenen Stakeholder der Internet-Community gleichermaßen einzubeziehen, hat sich das Modell der Selbstverwaltung bewährt.

Wünschenswert wäre es, wenn Regierungen in Entwicklungsprozesse relevanter Icann-Richtlinien künftig regelmäßiger einbezogen würden, um so Aktivitäten außerhalb der Gremienarbeit auszuschließen.

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/mecki78 01. Mai 2020

Die abuse Adressen bleiben öffentliche einsehbar. Du kannst also bei SPAM und Phishing...

gutenprint22 30. Apr 2020

Du kannst bei Vielen Domain Anbietern das sogenannte Whois Privacy buchen, je nach...

/mecki78 23. Apr 2020

Die WHOIS Daten sagen gar nichts darüber aus wie vertrauenswürdig eine Seite ist, das...

packansack 23. Apr 2020

Die benutzen doch jetzt diesen Service, der einem automatisch Titelbilder vorschlägt...


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