Regierungsbeirat gründete separate Gruppe

Der Regierungsbeirat hat im Februar 2015 eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit sicherheitsrelevanten Aspekten der Icann-Policies beschäftigt. Die Public Safety Working Group (kurz: PSWG) hat in ihrer Arbeit die Bereiche Whois, Sicherheit des Domain Name System und den Konsumentenschutz im Fokus. Denn nach Ansicht der Regierungsvertreter wurde insbesondere der Schutz von Internetnutzern bei der Umsetzung der Icann-Policies nicht ausreichend berücksichtigt.

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Die Arbeitsgruppe agiert als Schnittstelle zwischen den Icann-Gremien, Strafverfolgungsbehörden und anderen Sicherheitsorganisationen und hat maßgeblich an dem Regelwerk Framework for Registry Operator to Respond to Security Threats von 2015 bis 2017 mitgearbeitet. Dieses beschreibt, wie Betreiber von Top-Level-Domains, die Registries, sich um Missbrauch kümmern sollten.

Damit will die PSWG über die Interpretation und Auslegung der Icann-Richtlinien auf die Vertragsparteien einwirken und fordert Veränderungen für die Bearbeitung von missbräuchlich genutzten Domainnamen (Domain Abuse) und den Zugang zu personenbezogenen Daten. Konkret wollte die Gruppe möglichst kurze Reaktionszeiten bei DNS-Abuse-Meldungen und möglichst "harte" Aktionen bei DNS Abuse. Das sind Forderungen, die über einige nationale Gesetze deutlich hinausgehen.

In den Positionen spiegelten sich neben den Zielen der Strafverfolgungsbehörden und Regierungen auch die Interessen von Markeninhabern wider. Das Ergebnis war ein umfassendes Papier. Auch wenn der Wunsch nach mehr Einflussnahme verständlich ist, widerspricht er der Arbeitsweise bei Icann und ist zum Nachteil des Multi-Stakeholder-Modells.

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Denn die Auslegung der Icann-Richtlinien obliegt denjenigen, die von ihnen betroffen sind, in diesem Fall den Vertragsparteien, also Registries und Registraren. Kommt es zu Unklarheiten, wird ein Prozess angestoßen, der alle Stakeholder gleichermaßen einbezieht und nicht nur den Regierungsbeirat.

Die Arbeit von Gremien wie der PSWG bietet allerdings auch Vorteile für die Icann-Community. Wird neben Regierungen auch die Judikative eingebunden, können potenzielle Probleme und Widersprüche zwischen dem nationalen Rechtsrahmen und Icann-Verträgen frühzeitig adressiert werden und so konstruktiv gemeinsam Lösungen erarbeitet werden.

Wie zum Beispiel in der aktuellen Debatte um die Veröffentlichung der personenbezogenen Daten in der Whois-Datenbank, die nach europäischen Gesetzen verboten ist, laut Icann-Vertrag aber gefordert wird. Denn die Vertragsparteien haben wie auch die Regierungen ein großes Interesse an funktionierenden, rechtssicheren Prozessen für die Verarbeitung personenbezogener Daten und die Bekämpfung von DNS Abuse.

Icann kann nicht helfen, bessere Gesetze schon

Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und eine Reihe anderer Mitglieder der Icann-Community sehen in der Icann-Organisation eine Möglichkeit, Registries und Provider haftbar zu machen. So wollen sie Interessen durchsetzen, die nicht in ihren nationalen Rechtsrahmen abgedeckt sind. Das betrifft insbesondere alle missbräuchlichen Nutzungen von Domainnamen, von Spam über Markenrechtsverletzungen bis hin zu gefälschten Produkten in Webshops.

In nationalen Gesetzen ist klar definiert, dass beispielsweise Markenrechtsverletzungen und Markenfälschungen gerichtlich verfolgt werden können und ein Sperren von Angeboten nicht Aufgabe von Providern und Registries ist. Zudem lässt die Gruppe aus Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und weiteren Mitgliedern der Icann-Community außer Acht, dass für viele Bereiche von DNS Abuse weder Registries noch Provider der verantwortliche Partner sind und auch nicht sein können.

Wegen der komplexen Interdependenzen zwischen Hoster, Webseitenbetreiber, Nameserver-Betreiber, Reseller, Provider und Registry ist eine klare Zuordnung der Verantwortung nicht immer einfach. Klar ist, dass es Parteien gibt, die einen direkten Zugang beziehungsweise eine Kundenbeziehung zum Inhaber oder Betreiber einer Webseite haben und damit bei Missbrauchsfällen direkt agieren könnten. In der Regel sind es die Betreiber von Webservern, auf denen missbräuchliche Daten, Programme und Skripte liegen. Sie könnten Missbrauchsfälle häufig direkt abstellen.

Die Betreiber von Top-Level-Domains sind das letzte Glied in einer Kette von möglichen Ansprechpartnern beim DNS-Missbrauch. Ihnen bleibt als Ultima Ratio nur die Sperrung oder Löschung einer Domain. Selbst dies mag nur in manchem Fall helfen, denn die beanstandeten Inhalte bleiben auch ohne Domain unter der IP-Adresse des Webservers zugänglich, der von einem Provider betrieben wird.

Die Einflussnahme bei Icann hilft daher nicht. Denn weder Hostingprovider noch Webseitenbetreiber sind Vertragsparteien von Icann und somit auch nicht greifbar. Hier helfen nur nationale Gesetze.

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 Icann kam Regierungen entgegenModell der Selbstverwaltung muss erhalten bleiben 
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/mecki78 01. Mai 2020

Die abuse Adressen bleiben öffentliche einsehbar. Du kannst also bei SPAM und Phishing...

gutenprint22 30. Apr 2020

Du kannst bei Vielen Domain Anbietern das sogenannte Whois Privacy buchen, je nach...

/mecki78 23. Apr 2020

Die WHOIS Daten sagen gar nichts darüber aus wie vertrauenswürdig eine Seite ist, das...

packansack 23. Apr 2020

Die benutzen doch jetzt diesen Service, der einem automatisch Titelbilder vorschlägt...



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