Dolby Atmos Probe gehört: Klang aus der Decke kommt fürs Heimkino

Dolby Atmos gehört zu den Tonsystemen, die extrem aufwendig sind. Trotzdem will Dolby es nun für Heimkinobesitzer und sogar einfache Heimanlagen zur Verfügung stellen. Dolby Atmos bietet nicht nur den typischen 5.1 und 7.1 Sound für fünf bis sieben Lautsprecher plus Subwoofer für die tiefen Töne, sondern auch Sound, der von oben kommt. Die Konfiguration kann dann 5.1.4 oder 7.1.2 genannt werden. Die letzte Ziffer steht für die Zahl der dediziert ansprechbaren Lautsprecher für den Schall von oben. Sie werden auch Höhenlautsprecher genannt, was allerdings nichts mit der Frequenz zu tun hat.
Zwar gibt es schon länger A/V-Receiver, die mehr Kanäle beherrschen und damit etwa das 2222+-Format abspielen können, doch das kommt selten zum Einsatz. Namentlich nutzt beispielsweise Dabringhaus & Grimm das Format auf der Pure Audio Blu-ray dieses System . Auch viele Receiver, die über mehr als fünf Endstufen verfügen, können mehr heute schon 7.1- oder 9.1-Sound aus den am häufigsten genutzten sechs Kanälen erzeugen. Dabei werden aber über "Front Height" oder "Front Wide" genannte Lautsprecher nur Signale vom Receiver erzeugt, die er aus den fünf Hauptspuren erzeugen muss. Bei Dolby Atmos sind die räumlichen Informationen von Signalen nicht starr an die Kanäle gebunden. Vielmehr stecken sie in Metainformationen der akustisch abzubildenden Objekte, das Verstärkersystem muss sie dann den zur Verfügung stehenden Lautsprechern zuordnen. Davon gibt es im Kino alleine 118 plus die Kino-Kanäle für den herkömmlichen Raumklang, also insgesamt 128. Alleine der zweite Teil von Hunger Games hat in einer Szene 80 getrennte Dialogspuren mit Positionsmetadaten, die unabhängig voneinander durch den Raum geschickt werden, wie uns auf einer Dolby-Veranstaltung in Berlin erklärt wurde.













Dolby Atmos kennen derzeit vor allem Kinogänger, wenn sie in größere Kinos gehen. Wir haben etwa von der Eröffnung des Zoo Palast in Berlin berichtet, einem von drei Berliner Kinos, die Dolby Atmos bieten . Der Zoo Palast wurde für Dolbys Heimkinopräsentation passend zur Ifa genutzt. Wir hatten also einen direkten Vergleich zwischen dem Kinosound aus Saal 1 und dem Heimkinosystem.
Der Unterschied ist hörbar
Im Teufel-Flagshipstore im Berliner Bikinihaus, gleichzeitig die Zentrale des Lautsprecherherstellers, konnten wir ein 7.1.4-System, bestehend aus dem System 8 und dem System 5 für die Decke, sowie den 5.1.4-Prototyp (LT5-Serie) bereits anhören. Ersteres arbeitet mit vier Deckenlautsprechern, Letzteres mit dem LT5-System, das mit indirekter Abstrahlung Richtung Decke arbeitet. Das spart den aufwendigen Einbau von Deckenlautsprechern.
Uns hat das 7.1.4-System besser gefallen. Die Signale waren klarer zu verorten als bei indirekter Beschallung – aufgrund der nur vier Lautsprecher jedoch zu klar. Im Kino ist die Abbildung nicht so deutlich zuzuordnen. Eventuell liegt das auch an der geringen Deckenhöhe im Teufel-Geschäft. Das 5.1.4-System mit indirekter Strahlung hatte das Problem nicht. Hier gefielen uns vor allem Umgebungsgeräusche gut, da der Schall diffuser verteilt wird.
Dolby Atmos im Heimkino kommt nicht ans richtige Kino heran
Es bleibt aber dabei, dass Dolby-Atmos-Systeme im Heim nicht so gut klingen wie im Kino, das professionell ausgestattet ist und entsprechend abgenommen wird, um einen Standard zu gewährleisten. Da die Konfiguration nicht mehr kanalbasiert ist und die Lautsprecherkonstellation stärker an die Räumlichkeiten angepasst wird, ist eine korrekte Installation wichtig. So war etwa das Demostudio nur mit acht Lautsprechern an der Decke ausgestattet. Das Kino 1 im Zoo Palast hat hingegen 16 Lautsprecher über den Köpfen installiert. Das erreicht das Teufel-System, angesteuert von einem Denon-Receiver, nicht.













Die Heimkinovariante unterscheidet sich zudem in der Spezifikation von den Installationen in großen Lichtspielhäusern. Sie kann nur 34 Lautsprecher ansprechen. Im Kino sind es 64, wie uns Dolby erklärte. Vorgesehen ist als System derzeit nicht die Maximalausstattung mit Lautsprechern. Für die Decke sind mindestens zwei Lautsprecher notwendig, die dann vorne über dem Bildschirm positioniert werden. Der Idealausbau liegt bei vier Lautsprechern. Übrigens ist ein Subwoofer für die Surround-Bass-Unterstützung, wie er in Kinos üblich ist, nicht notwendig. Laut Dolby arbeitet ein Hardware-Hersteller an einem Gerät, das alle 34 Kanäle direkt anspricht. Den Namen dieses Herstellers wollte Dolby nicht verraten. Außerdem werden nicht 118 einzelne Objekte über die Lautsprecher im Schallraum bewegt, sondern Cluster von Objekten, die vom Prozessor auf die Lautsprecher verteilt werden. Die Objekte werden also in handhabbare Pakete zusammengefasst.
Dolby Atmos in Kürze verfügbar
Bis es soweit ist, dass der Heimanwender auch Material bestaunen oder besser erhören kann, wird es jedoch noch dauern. Zwar ist die Hardware da. Die ersten A/V-Receiver sind bereits auf dem Markt und auf der Ifa werden Onkyo, Denon, Pioneer und Yamaha weitere Hardware zeigen. Doch es fehlt an der Software. Noch im Herbst, vermutlich kurz nach der Ifa 2014, werden die ersten zwei Blu-ray-Discs mit Dolby Atmos auf den Markt kommen. Dolby durfte allerdings nicht sagen, welche Titel das sein werden.
Nur 120 Filme mit Dolby Atmos wurden in den vergangenen zwei Jahren in internationale Kinos gebracht. Spätestens Anfang 2015 wird die Zahl der Atmos-Blu-rays sich deutlich erhöhen. Dann sind auch mehr spezialisierte Lautsprecher zu erwarten. Teufel will sein LT5-System mit dem Zertifikat Dolby Atmos Enabled im ersten Halbjahr 2015 auf den Markt bringen. Einen Preis wollte Teufel noch nicht nennen. Die LT5-Serie liegt allerdings allgemein schon bei 2.500 Euro für ein Set. Für Dolby Atmos sind keine speziellen Lautsprecher notwendig. Reguläre Lautsprecher genügen, sofern der Verstärker mitmacht.
Nicht jeder A/V-Receiver bekommt ein Atmos-Update
Die Ansprüche an den A/V-Receiver sind allerdings höher, da er nicht mehr Kanäle dekodieren muss, sondern Objekte mit Positionsmetadaten. Der Verstärker weist dann die Signale der Objekte den entsprechenden Lautsprechern zu – wie im Kino unabhängig von der Lautsprecherkonstellation oder den Kanälen. Das unterscheidet Atmos vom Auro-System, das kanalbasiert arbeitet. Es wird einige Receiver geben, die noch nicht lange auf dem Markt sind und per Firmware-Upgrade Dolby Atmos unterstützen können. Die Mehrzahl sind jedoch neue Produkte.
Unproblematisch ist die Blu-ray, wie Dolby verspricht. In vielen Fällen wird ein Blu-ray-Player eine Atmos-Blu-ray einfach abspielen und Atmos per Bitstream an den Receiver schicken. Es wird allerdings einzelne Blu-ray-Player geben, die per Firmware-Upgrade auf den aktuellen Blu-ray-Standard gebracht werden müssen, da Atmos für den Standard nichts Besonderes ist. Eher ist Atmos abgespeckt, um in die Blu-ray-Spezifikation hineinzupassen.
Fast 30 Säle in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Wer sich für Dolby Atmos interessiert und es Probe hören will, hat auch jetzt noch Probleme, sich entsprechendes Material anzuschauen. Dolby Atmos gibt es überwiegend in Kinos von Großstädten, allerdings nur in einzelnen Sälen. Die meisten solcher Säle gibt es in Deutschland, nämlich 18. In Österreich sind es laut Dolby sechs, in der Schweiz fünf.
Für die Dauer der Ifa bleiben das 7.1.4-System und der 5.1.4-Prototyp in Teufels Ladengeschäft im Bikinihaus aufgebaut.