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Dokureihe: Zum Träumen - und zum Gruseln

Die Netflix -Dokureihe Unbekannt ist absolut sehenswert. Zwei Folgen sind besonders interessant.
/ Peter Osteried
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Unbekannt ist eine neue Dokumentationsreihe bei Netflix in vier Teilen. (Bild: Netflix)
Unbekannt ist eine neue Dokumentationsreihe bei Netflix in vier Teilen. Bild: Netflix

Die Reihe Unbekannt besteht aus vier Dokumentationen, die von verschiedenen Teams umgesetzt wurden und sich jeweils eines bestimmten Themas annehmen: In Die vergessene Pyramide suchen Archäologen nach einer Pyramide und entdecken dabei 4.000 Jahre alte Gräber und Artefakte; in Die Knochenhöhle geht es um die Wiege der Menschheit. Von besonderem Interesse sind aber die etwas plakativ betitelte Doku Killerroboter und Die kosmische Zeitmaschine.

Erstere untersucht, wie KI waffenfähig gemacht werden kann, Zweitere befasst sich mit dem James-Webb-Weltraumteleskop, mit dem die Geburt von Galaxien dokumentiert werden soll.

Die düstere Seite der KI

Dass jede Technik auch negative Seiten hat, ist keine Überraschung. Die Beispiele, die die gut einstündige Dokumentation Killerroboter(öffnet im neuen Fenster) dafür bringt, wie KI auf dem Schlachtfeld der Zukunft eingesetzt werden kann (und sicherlich auch wird), sind aber dann doch erschreckend.

Die Doku zeigt dabei nicht nur das, was man erwartet. Jeder hat schonmal den Roboterhund(öffnet im neuen Fenster) gesehen, der immer besser darin wird, auf jedem Terrain zu funktionieren und den man auch bewaffnen kann. Aber wer denkt schon darüber nach, dass sich mit KI auch neue chemische Kampfstoffe entwickeln lassen könnten?

In diesem Teil der Doku erfährt man zunächst, dass KI von einer Firma genutzt wird, um nach neuen Medikamenten suchen zu lassen - selbst für kaum verbreitete Krankheiten -, weil die KI sehr viel schneller als jeder Mensch Zigtausende Varianten durchspielen und Moleküle in x-beliebiger Form miteinander kombinieren kann. Das ist der gute Teil. Dann fragte sich der Firmenchef jedoch, was wäre, wenn man die KI nutzen würde, um kein Heilmittel, sondern ein Nervengift erstellen zu lassen.

Er wollte das überprüfen und gab ihr die Aufgabe, neue chemische Giftstoffe auf molekularer Ebene zu entwickeln. Das geschah über Nacht. Am nächsten Morgen hatte die KI mehr als 40.000 Kampfstoffe entwickelt, davon mehrere Tausend so potent oder potenter als das derzeit bekannteste Nervengift.

Lange haderten die Forscher, ob sie diese Erkenntnis mit der Fachwelt teilen sollten. Sie taten es dann doch - als Warnung.

Es geht in der Doku aber auch um konventionelle Waffengattungen. In einer Simulation tritt ein erfahrener Kampfpilot gegen eine Maschine an, die von einer KI gesteuert wird. Anfangs ist er noch im Vorteil, die KI lernt jedoch so schnell, dass der Mensch ins Hintertreffen gerät.

Der Pilot spekuliert darüber, wie eine Flotte an Kampfjets unter KI-Führung zukünftige Kriege entscheidend beeinflussen könnte. Eine Frage bleibt aber offen: Was ist, wenn der Gegner ebenfalls über eine KI-Flotte verfügt?

In der Dokumentation kommen Wissenschaftler, Forscher, Militärs und Politiker zu Wort. Der Konsens ist (noch), dass eine KI nicht eigenverantwortlich entscheiden darf, wen sie tötet. Aber wird das auch so bleiben?

Vor mehr als 13 Milliarden Jahren

Eine andere Folge der Reihe, Die kosmische Zeitmaschine(öffnet im neuen Fenster) , beschäftigt sich mit der Entwicklung des James-Webb-Weltraumteleskops(öffnet im neuen Fenster) , das nach dem zweiten Leiter der Nasa benannt wurde. Es war mehr als 20 Jahre in der Entwicklung und kostete mehr als zehn Milliarden US-Dollar.

Dabei ist es nicht nur ein Triumph der Technik und ein Beweis dafür, wozu der menschliche Geist fähig ist, sondern auch ein totaler Glücksfall. " Failure is not an option(öffnet im neuen Fenster) ", ist das Motto der Nasa, aber vor allem ist es ein guter Werbespruch. Denn das Versagen war beim James-Webb-Teleskop auf jedem Schritt der Reise möglich.

Tatsächlich gab es mehr als 300 sogenannte Single Points of Failure(öffnet im neuen Fenster) - das sind Risikopunkte im Design, beim Zusammenbau, der Implementierung des Systems, dem Start und dem Zusammenbau des Teleskops im All. Mehr als 300 Möglichkeiten des Versagens also. Darum heißt es hier auch sehr treffend: "Ein Ingenieur, der nach einer erfolgreichen Mission sagt, dass kein Glück im Spiel war, ist entweder dumm oder er lügt."

Die Dokumentation ist gut darin, innerhalb recht kurzer Laufzeit die Entwicklung, die Hürden und die Inbetriebnahme des Weltraumteleskops zu beschreiben. Die Bilder, die es liefert, sind am Ende zu sehen - sie sind nicht weniger als spektakulär und traumhaft schön. Bilder, die Galaxien, Nebel und Sterne in einem Detailreichtum zeigen, der einzigartig ist.

Ursprünglich rechnete die Nasa damit, dass das James-Webb-Weltraumteleskop fünf Jahre im Einsatz sein würde, jetzt geht man von eher zehn aus. Die Hoffnung ist, etwas zu entdecken, mit dem man gar nicht gerechnet hätte. Weil bisher jedes Teleskop, zum Beispiel auch Hubble, Erkenntnisse mit sich brachte, die nicht erwartet wurden.

Die Unbekannt-Dokumentationen sind gut gemacht, die Themen variieren, treffen aber sicher nicht alle Geschmäcker. Killerroboter und Die kosmische Zeitmaschine sind für Technik- und Weltraum-Interessierte aber sehenswert - die eine, weil sie im Grunde von einer Dystopie erzählt, die andere, weil sie zum Träumen einlädt.


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