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Eine Dokumentation will das Darknet am Beispiel des Tor-Netzwerks beleuchten.
Eine Dokumentation will das Darknet am Beispiel des Tor-Netzwerks beleuchten. (Bild: David Bates/Golem.de)

Dokumentation zum Tor-Netzwerk: Unaufgeregte Töne inmitten des Geschreis

Eine Dokumentation will das Darknet am Beispiel des Tor-Netzwerks beleuchten.
Eine Dokumentation will das Darknet am Beispiel des Tor-Netzwerks beleuchten. (Bild: David Bates/Golem.de)

Freiheit gegen Sicherheit: Der Streit zwischen Befürwortern einer umfassenden Verschlüsselung und ihren Gegnern ist wieder laut geworden. Die Dokumentation Mythos Darknet - Verbrechen, Überwachung, Freiheit will sich mit Blick auf das Tor-Netzwerk dieser Diskussion nähern.

Es beginnt natürlich mit Geschichten von Waffen- und sogar Menschenhandel: Denn die Dokumentation Mythos Darknet - Verbrechen, Überwachung, Freiheit will auch der Frage nachgehen, wie bedrohlich das Darknet wirklich ist. Autor Andreas Wagner versucht sich dem Thema am Beispiel des Tor-Netzwerks zu nähern. Er lässt Schriftsteller, Sicherheitsexperten, Aktivisten und Ermittler zu Wort kommen, die alle ihre eigene Sicht auf diesen berüchtigten Teil des Internets schildern. Die Dokumentation räumt mit einigen Vorurteilen auf, stellt aber gleichzeitig Fragen, die absolute Befürworter der Anonymität ins Grübeln bringen könnten.

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Die anfangs geschilderten menschlichen Abgründe, die im Darknet zu finden sind, üben natürlich eine enorme Anziehungskraft aus. Dass man sich dort auch noch anonym bewegen kann, verstärkt nicht nur den Reiz, Verbotenes und Abgründiges zu suchen, sondern auch das Gefühl dabei selbst unbeobachtet zu bleiben. Anonymität fördere eben auch die schlechten Seiten des Menschen zutage, sagt Thriller-Autor Veit Etzold. Diese eingangs gesetzte These wird im Laufe der Dokumentation aus verschiedenen Sichtweisen hinterfragt.

Kritischer Blick der Sicherheitsbehörden

Die anschließende technische Erklärung des Tor-Netzwerks beginnt mit den vornehmlichen Zielen des Tor-Projekts: Dem Wunsch nach Anonymität in Internet - ohne Tracking und Überwachung. Und wechselt dann auch sofort zu den Hidden Services, die die eingangs erwähnten zwielichtigen Angebote bereitstellen. Der Europol-Ermittler Philipp Amann spricht besonders den Kindesmissbrauch an. Er spricht von dem illegalen Einsatz einer legalen Software, die Ermittlern ihre Arbeit erschwere. Der Zugriff auf illegale Inhalte und Dienste machten etwa die Hälfte des Datenverkehrs im Darknet aus. Und die Deanonymisierung sei technisch äußerst schwierig.

Auftritt Moritz Bartel von den Zwiebelfreunden: Er hält ein Plädoyer für die Anonymität im Internet. Christian Vandrei, ein Organisator von Crypto-Partys, betont, dass dort illegale Inhalte keine Rolle spielten. Private Nutzer bekämen dort ausschließlich Tipps zum Schutz ihrer eigener Privatsphäre. Dass es neben den gemäßigten Befürwortern einer absoluten Anonymität auch Radikale gibt, die ihre Ansichten teilweise vehement - und anonym - vertreten, schildert hingegen Computerwissenschaftler Jürgen Geuter und stellt dabei eine wesentliche Frage: Müssen Entwickler, deren Software für illegale Zwecke eingesetzt wird, dafür auch die Verantwortung übernehmen?

Der Mythos der grenzenlosen Anonymität

Zu Wort kommt auch der syrische Journalist Ahmad Airifaee, der erklärt, er habe den Tor-Browser schnell gegen einen eigenen Server und eine nicht näher benannte Spezialsoftware ausgetauscht. Der sichtbare Tor-Browser auf seinem Rechner mache ihn sofort verdächtig, so die Begründung. Später geht die Dokumentation auf die Unsicherheit der Tor-Knoten ein, deren Betreiber mutmaßlich nur zu 80 Prozent bekannt sind. Das vom Sicherheitsexperten Vasilios Mavroudis im Film vorgebrachte Beispiel einer Deanonymisierung per Cross-Device-Tracking via Ultraschall rundet den kritischen Blick auf den Mythos der absoluten Sicherheit durch die Verwendung von Tor ab. Und nimmt gleichzeitig den Kritikern der Anonymisierung eines ihrer wesentlichen Argumente - auch im Darknet kann sich nicht jeder unerkannt bewegen.

Die Befürchtung, die Dokumentation könnte nach den eingangs geschilderten Abgründen in eine einseitig negative Betrachtung des Tor-Netzwerks ausarten, entpuppt sich als Fehleinschätzung. Mythos Darknet - Verbrechen, Überwachung, Freiheit stellt eine wesentliche und berechtigte Frage: Ist Libertarismus im Internet - repräsentiert durch das Tor-Netzwerk - eine fehlgeleitete Ideologie? Und sorgt damit für eine Diskussion, an der wir uns alle weiterhin aktiv beteiligen sollten.

Mythos Darknet - Verbrechen, Überwachung, Freiheit wurde am 20. Juli 2017 um 20:15 Uhr erstmals auf ZDFinfo ausgestrahlt. Aktuell ist die Dokumentation in der Mediathek abrufbar.


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chefin 24. Jul 2017

Wenn völlige Anonymität bedeutet das darin auch Verbrecher ungestraft davon kommen...

Ach 20. Jul 2017

Ein eigentlich recht einfacher Aspekt ist etwas untergegangen in dem Sturm der vielen...

nille02 20. Jul 2017

Es läuft davon und danach noch weitere Sendung mit einem ähnlichen Thema. Ab 18 Uhr bis...



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