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Dokumentation Gute Nacht, Oppy: Kleiner Rover, große Gefühle

Eine Dokumentation mit grandiosen Effekten erzählt die erstaunlich vermenschlichte Geschichte zweier Rover, die den Mars erkunden.
/ Peter Osteried
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Gestatten: Oppy. (Bild: Youtube / Screenshot: Golem.de)
Gestatten: Oppy. Bild: Youtube / Screenshot: Golem.de

"Viele Menschen sagen, das sind einfach nur Roboter. Aber wenn man sie zum ersten Mal einschaltet, werden sie zu mehr als nur Robotern," sagt Ashley Stroupe(öffnet im neuen Fenster) , die an der Rover-Mission der Nasa beteiligt war und einen der beiden Roboter steuerte. Damit setzt sie auch den erzählerischen Grundton von Gute Nacht, Oppy, der seit heute (23. November) bei Prime Video läuft.

Denn Autor und Regisseur Ryan White(öffnet im neuen Fenster) ist diese Dokumentation wie einen Familienfilm angegangen. Er verleiht den Rovern eine Persönlichkeit – Spirit als Rebell und Opportunity als Streber. Damit macht er aus einer gradlinigen Geschichte eine, die als Familienfilm funktioniert.

Aus 90 Tagen wurden 15 Jahre

Die Mission der beiden Rover war auf 90 Tage angelegt. Sie sollten in der Zeit möglichst viele Daten über den Mars sammeln und nach Hause schicken. Aber diese Rover erwiesen sich als standhafter als gedacht. Sie führten ihre Mission länger aus, als jeder sich auch nur in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte. Über 15 Jahre hinweg sammelte Oppy, wie Opportunity liebevoll genannt wurde, Daten, die das Verständnis über den Mars fundamental erweiterten.

Der Film erzählt diese Geschichte recht gradlinig: von dem innerhalb von zwei Jahren stattfindenden Bau der Rover, der schnell gehen musste, weil das Fenster, um beide zum Mars zu schicken, sich schloss und erst 26 Monate später wieder öffnete; vom Start, der für alle Beteiligten ein sehr emotionaler Moment war; von der Landung auf dem Mars, von der Aufnahme der Mission, von den ersten Tagen und den drei Monaten, die die Mission eigentlich dauern sollte – und den Jahren, die folgten.

All das lädt White immer wieder mit Emotionen auf. Nicht nur mit den Emotionen der an der Mission Beteiligten, für die die Rover fast so etwas wie ihre Kinder wurden, sondern auch durch die filmische Methodik. Ein spannender Moment ist darum auch, als besonders starke Sonneneruptionen – die stärksten, die je gemessen wurden – die auf ihrem Weg befindlichen Rover in Gefahr bringen. Er wird untermalt von dramatischer Musik, für die TV-Komponist Blake Neely (The Flash) verantwortlich ist und die immer wieder nicht nur die Dramatik, sondern auch den emotionalen Gehalt der Geschichte unterstreicht.

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Starke Bilder

Dabei gibt es nicht nur das Material von der Erde, sondern auch Bilder der Rover auf dem Mars. Hier kommen die Spezialeffekte ins Spiel. Die Szenen auf dem Mars wurden von den Effektspezialisten bei Industrial Light & Magic(öffnet im neuen Fenster) umgesetzt, die versuchten, so authentisch wie möglich zu sein. Sie erschufen den Mars auf Basis der Bilder und Daten, die Opportunity zur Erde geschickt hat. Das erlaubt einen Blick auf den Roten Planeten, wie er in Filmen noch nie vorkam, weil Mars-Szenen dort gemeinhin in Wüsten gedreht und dann rötlich eingefärbt werden.

Good Night Oppy – Trailer
Good Night Oppy – Trailer (02:34)

Zu sehen, welchen Herausforderungen sich Opportunity auf dem Mars stellen musste, ist da etwas gänzlich anderes. Wenn ein Sandsturm auf den Rover zukommt, geht die Kamera immer näher auf den Roboter, bis zur Kameralinse, in der sich der Sturm spiegelt.

Auf sich selbst gestellt

Das ist pure Dramatik, hier verlässt Gute Nacht, Oppy das Reich der Dokumentation und nutzt alle Möglichkeiten, die fiktionales filmisches Erzählen offeriert. Die Bilder, die der Film zeigt, sind nichts weniger als spektakulär und so fotorealistisch, dass man sie für real halten könnte.

Ultimatives Ziel der Rover war es, Spuren von Wasser auf dem Mars zu finden – Beweise, dass Leben hier einst möglich war. Nach der Ankunft von Oppy auf dem Mars fand man kleine kugelförmige Formationen auf dem Boden. Sie bestanden aus Hämatit, einem Element, das häufig in Verbindung mit Wasser vorkommt. Dieser Fund ist nur einer der großen Momente in Oppys Leben.

Ein anderer ist, als klar wird, dass die Solarpaneele, die den Rover mit Energie versorgen, nicht wie erwartet nach 90 Tagen so von Staub bedeckt sind, dass er nicht weiter funktioniert. Die Stürme auf dem Mars reinigten die Paneele, so dass Opportunity und Spirit weit länger arbeiten konnten als gedacht.

Der Film zeigt noch weitere Herausforderungen – etwa, als Oppy in den Krater Endurance hinunter gesteuert wird(öffnet im neuen Fenster) . Angesichts des Gefälles ist das ein durchaus gefährliches Unterfangen, das nur gemeistert werden konnte, weil die Rover auch die Fähigkeit zu autonomem Handeln hatten. Das stellte sich als besonders wichtig heraus, als Oppy beim Abstieg in Richtung eines großen Felsens rutschte.

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Auf einer fremden Welt

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob Gute Nacht, Oppy diese Vermenschlichung der Rover überhaupt nötig hat. Der Film erzählt auch so schon eine aufregende, große Geschichte und ist Zeugnis einer eindrucksvollen wissenschaftlichen Leistung.

Andererseits macht die Vermenschlichung aus Gute Nacht, Oppy mehr als eine trockene Dokumentation. Es ist ein unterhaltsamer Film über zwei Roboter, die entgegen aller Wahrscheinlichkeiten länger allein auf einer fremden Welt waren, als jeder es für möglich gehalten hätte.


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