Doku-Thriller über Wirecard-Skandal: Stromberg spielt den Wirecard-Chef
Wirecard – noch vor einem Jahr verband man mit diesem Namen den fast schon märchenhaften Aufstieg eines Zahlungsdienstleisters. Im vergangenen Sommer dann der Schock: Ein Finanzloch von rund 1,9 Milliarden Euro wurde offenbar und löste den womöglich größten Bilanzskandal der Nachkriegsgeschichte aus. Nun erscheint ein erster Spielfilm dazu.
Ex-Chef Markus Braun sitzt seitdem in Untersuchungshaft, Topmanager Jan Marsalek ist auf der Flucht. Ein Finanzthriller, der auch die Filmbranche reizte. Der Streaminganbieter TVnow macht den Beginn und zeigt ab dem 31. März 2021 den Doku-Thriller Der große Fake – die Wirecard-Story(öffnet im neuen Fenster). Am 22. April 2021 um 20:15 Uhr läuft das Stück bei RTL. Und Sky plant einen Dokumentarfilm.
Der 90-minütige Film unter Regie von Raymond Ley soll interessante Einblicke liefern. Er verbindet Spielfilmszenen mit Dokumentarischem. Eine gute Wahl sind die Schauspieler, allen voran Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst als Braun und Franz Hartwig als Marsalek. Nina Kunzendorf spielt eine fiktive Journalistin, die dem rasanten Aufstieg des Unternehmens aus Aschheim bei München misstraut und mit einer Kollegin dank investigativer Recherche Ungereimtheiten entdeckt.
Journalisten hatten den Wirecard-Skandal aufgedeckt
Im realen Leben hatten Journalisten der britischen Financial Times den Skandal aufgedeckt und damit den Fall des Unternehmens eingeleitet. Die Idee zu dem jetzigen Film stammte von der freien Journalistin Bettina Weiguny und von Georg Meck von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Trotz der guten Leistung von Schauspiel und Regie kann der Film nicht überzeugen. Für einen Thriller gibt es zu wenig Action. Für einen Dokumentarfilm dagegen fehlt die nüchterne Distanz. Denn auch wenn die Macher aufwendig recherchiert haben und viel Realistisches einfließt, müssen sie immer wieder interpretieren. Wie haben sich Marsalek und Braun in dieser Szene wohl verhalten? Wer könnte was gesagt haben?
Der Film verschenkt Potenzial
Gerade weil diese Momente von Herbst, Hartwig, Kunzendorf und den anderen so gut gespielt sind, ist es schade, dass der Film nie zu der Spannung abhebt, die die Realität ja bietet. Nicht mal ein Jahr nach Bekanntwerden des Skandals im Juni 2020 wäre ein gut strukturierter dokumentarischer Ansatz wohl besser gewesen, auch weil unkundige Zuschauer dann vieles besser verstehen könnten.
Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Geschichte mit zeitlichem Abstand dann doch irgendwann als Thriller kommt, vielleicht sogar ins Kino und gerne mit Herbst und Hartwig. Noch ist vieles unklar und die Filmemacher müssen sich auch aus rechtlichen Gründen in engen Grenzen bewegen. Denn weiterhin ermittelt die Staatsanwaltschaft. Auch ein Untersuchungsausschuss des Bundestages läuft, in dem es auch um ein mögliches Versagen der Finanzaufsichtsbehörde Bafin geht.
Der Doku-Thriller endet im Sommer 2020 – als der damalige Dax-Konzern in einem Sumpf aus Bilanzfälschungsverdacht und juristischen Problemen versinkt. Zu sehen sind ein ungläubiger Markus Braun, ein Marsalek, der sich mit Flucht aus der Affäre zieht, und ein verzweifelter Kleinanleger, Brauns Chauffeur. Der Absturz des Konzerns hat ihn um sein bisschen Vermögen gebracht. Nun schreit er verzweifelt seinen Chef an: Wo ist mein Geld?.
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