Docsis 4.0: Experte erwartet hierzulande kein superschnelles Kabelnetz

Ein vollständiger Ausbau des Kabelnetzstandards Docsis 4.0 wird in Deutschland nicht erwartet. Das hat Marketing-Professor Jens Böcker Golem auf Anfrage erklärt. "Mit dem Ausbau von Docsis 4.0 sind erhebliche Investitionen verbunden. Neben neuen Komponentenverbünden und zusätzlichen Upgrades wären vielfach Tiefbaumaßnahmen sowie eine deutlich höhere Netzverdichtung erforderlich" , betonte Böcker.
Mit dem Standard Docsis 4.0 macht das klassische Kabelnetz (HFC – Hybrid Fiber Coax) einen massiven Sprung nach vorne, um mit reinen Glasfaseranschlüssen (FTTH) konkurrenzfähig zu bleiben. Die theoretisch möglichen Datenraten belaufen sich im Download auf bis zu 10 GBit/s und im Upload auf bis zu 6 GBit/s.
Zentrale technische Voraussetzungen, wie kurze Verstärkerkaskaden und kleine Zellstrukturen, seien in der bestehenden deutschen Netzinfrastruktur nur eingeschränkt vorhanden, sagte Böcker jedoch.
"Mit dem Ausbau von Docsis 4.0 sind erhebliche Investitionen verbunden. Neben neuen Komponentenverbünden und zusätzlichen Upgrades wären vielfach Tiefbaumaßnahmen sowie eine deutlich höhere Netzverdichtung erforderlich. Zentrale technische Voraussetzungen, wie kurze Verstärkerkaskaden und kleine Zellstrukturen, sind in der bestehenden deutschen Netzinfrastruktur nur eingeschränkt vorhanden" , betonte er.
HFC und Glasfaser nicht gleichwertig
Zudem werde die Kosten-Nutzen-Relation kritisch bewertet. Im Vergleich zum etablierten Docsis-3.1-Standard sowie insbesondere zu FTTB/H-Lösungen bewegten sich laut Böcker die Gesamtkosten eines Docsis-4.0-Ausbaus auf einem vergleichbaren Niveau wie bei einem FTTH-Neubau, ohne dessen langfristige strukturelle Vorteile vollständig zu erreichen.
Böcker erklärte: "Ein häufig gezogener Vergleich mit dem US-amerikanischen Markt ist nur bedingt übertragbar. Dort sind wesentliche Komponenten des Access-Netzes vielfach oberirdisch installiert, was technologische Upgrades wie Docsis 4.0 deutlich erleichtert." Langfristig führe an glasfaserbasierten Infrastrukturen kein Weg vorbei, betonte er technisch zutreffend.
Böcker hatte im Auftrag des Bundesverbands Glasfaseranschluss (Buglas) am 27. Januar 2026 im Bundestag eine Studie vorgestellt , nach der die bestehenden Koaxialnetze Investitionen für den Glasfaserausbau verzögern könnten. Wie Buglas Geschäftsführer Max Bunse Golem sagte, würde versucht, HFC-Netze als gleichwertige Zieltechnologie zur Glasfaser (FTTH) darzustellen. "Die Studie ordnet diese Annahme erstmals systematisch und wissenschaftlich ein" , betonte Bunse.