Dnsys-Exoskelette im Hands-on: Mit Roboter-Beinen die Treppe hinauf wie mit Mitte 20
Das chinesische Unternehmen Dnsys hat auf der Elektronikfachmesse CES 2026 zwei seiner Exoskelette vorgestellt. Das Modell X1(öffnet im neuen Fenster) ist wie das Hypershell-Exoskelett mit zwei Hüftmotoren ausgestattet, die die Oberschenkel nach vorne schieben.
Das Modell Z1(öffnet im neuen Fenster) hingegen hat Motoren auf Kniehöhe, die über spezielle Halterungen die Kniebewegungen unterstützen. Wir haben beide Exoskelette ausprobiert und festgestellt, dass Dnsys gegenüber Hypershell gute Verbesserungen umgesetzt hat.
Den direkten Vergleich zu dem von uns getesteten Hypershell Go X können wir nur mit dem X1 machen, da das Z1 einen komplett anderen Wirkungsansatz hat. Und auch bei diesem Vergleich müssen wir einschränken, dass das von uns getestete X1 mit 900 Watt doppelt so viel Leistung wie das Hypershell hat. Es gibt auch noch eine Version mit nur 500 Watt, uns stand aber die leistungsfähigere zur Verfügung.
Cleverer Gurt mit Gliedern
Angelegt wird das X1 wie das Hypershell: Zunächst wird ein Hüftgurt angepasst und geschlossen, anschließend die beiden Beinschienen an den Oberschenkeln befestigt. Dnsys hat sich einige Gedanken gemacht und die Befestigung an der Hüfte verglichen mit Hypershell verändert. Statt eines starren Bügels und eines Gurts verwendet das Unternehmen ein System aus großen Kettengliedern.

Sie passen sich unserer Meinung nach besser an die Hüfte an und sitzen bequemer. Die Grundweite des X1 wird über eine verstellbare Leiste eingestellt, außerdem können Kettenglieder entfernt werden. Zuletzt kann auch noch der Gurt an der Schließe verstellt werden, um einen guten Sitz zu gewährleisten.
Die Beinschienen bestehen aus gebogenen Bügeln, die die Kraft der an den Hüften sitzenden beiden Motoren auf die Oberschenkel übertragen. Die Konstruktion ist vergleichbar mit der von Hypershell, auch die Befestigung über Gurte ist vergleichbar. Dnsys verwendet statt Schnallen allerdings Gummibandschließen – im Rahmen unseres Hands-ons können wir keine Aussage zur Langlebigkeit machen.
Eingeschaltet wird das X1 über einen Knopf an der Seite. Jeder Motor hat einen Button, über den die Leistung des Exoskeletts eingestellt werden kann. Drücken wir den Button rechts, erhöhen wir die Leistung, drücken wir den Button links, verringern wir sie. Dieses System finden wir intuitiver als das von Hypershell, wo es nur einen Button gibt.
Einfache Benutzung dank zweier Buttons
Der Akkustand wird an beiden Motoren über LEDs angezeigt, eine weitere LED informiert über den Leistungsmodus. Für die Unterstützung gibt es drei Modi: Eco, Normal und Boost. Außerdem gibt es wie bei Hypershell noch einen Transparenzmodus, bei dem die Unterstützung ausgeschaltet wird.
Ebenfalls wie bei Hypershell gibt es zwei weitere Modi, bei denen die Motoren gegen unsere Beine arbeiten. Dnsys nennt das Aqua-Modus, da es sich anfühlt, als würden wir unter Wasser laufen. Gefühlt arbeiten die Motoren auch in der höchsten Aqua-Stufe nicht so stark gegen unsere Beine wie das Hypershell.
Aber wir wollen ja unseren Gang eigentlich nicht erschweren, sondern erleichtern, also stellen wir das X1 auf den Ecomodus ein. In diesem soll das Exoskelett sieben Stunden lang nutzbar sein – oder 20 km. Die Unterstützung ist fühlbar, aber nur sehr leicht.
Angenehmerer Schub nach vorne
Im Standardmodus sind die beiden Motoren schon deutlicher bemerkbar. Uns fällt auf, dass das X1 anders als das von uns getestete Hypershell einen gleichmäßigeren Schub auf unsere Oberschenkel ausübt. Das merken wir vor allem im Boostmodus, also bei voller Motorleistung.
Obwohl das von uns ausprobierte X1 doppelt so viel Leistung wie das Hypershell Go X hat, fühlt sich die Unterstützung auch dann angenehmer an. Das Exoskelett schleudert bei langsamerem Gehen unsere Beine nicht so stark nach vorne wie das Hypershell, sondern ist sanfter – ohne allerdings an Wirkung zu verlieren.
Wir konnten das X1 nicht in unterschiedlichen Situationen testen, unser erster Eindruck ist aber sehr positiv. Das System passt sich unseren Bewegungen an: Laufen wir schneller, reagieren die Motoren schneller. Im Boostmodus ist deutlich das Motorengeräusch hörbar, in den anderen beiden Leistungsmodi eher nicht.
Den Akku hat Dnsys vorne rechts in einer Kletthalterung verbaut. Das wirkt weniger ausgefeilt als beim Hypershell, hat aber Vorteile: Zum einen ist der Akku kleiner als der des Hypershell und lässt sich leichter entnehmen. Zum anderen sitzt er nicht in einer großen Wulst am Rücken, weshalb man sich mit dem X1 auch hinsetzen kann.
Leichter Akkuwechsel, ohne das Exoskelett abzunehmen
Der Akkuwechsel kann zudem erfolgen, ohne das Exoskelett abzunehmen (oder sich helfen zu lassen). Der Akku hat einen proprietären Anschluss und wird mittels eines Adapters mit einem USB-C-Kabel geladen. Verwenden wir die Aqua-Modi, soll der Akku geladen werden.
Dnsys Z1 mit Unterstützung für Kniebewegungen
Wie das Hypershell kann das X1 keine Kniebewegungen unterstützen – etwa beim Treppensteigen. Das hingegen ist die Spezialität des Z1, das Dnsys gerade auf Kickstarter finanziert hat. Anders als beim X1 befinden sich die Motoren beim Z1 an den Knien, was eine grundsätzlich unterschiedliche Konstruktion erfordert.
Zunächst legen wir auch hier einen Hüftgurt an, an dem der Akku befestigt ist – aber natürlich keine Motoren. Diese befinden sich in den separaten Knieschienen, die über eine steckbare Kabelverbindung mit dem Hüftgurt verbunden sind. Die Knieschienen liegen an drei Punkten ober- und unterhalb der Knie auf – vorne und hinten. Sie werden wieder mit dem Gummiband-System befestigt. Die erste Montage mit allen Einstellungen ist etwas mühsam, allerdings muss man sie in der Regel ja auch nur einmal durchführen.
Gesteuert wird das Z1 wie das X1 über Buttons an den Motoren – wir müssen nun nur etwas weiter nach unten greifen, um sie zu erreichen, da sie auf Kniehöhe sind. Auch das uns zur Verfügung gestellte Z1 hat eine Gesamtleistung von 900 Watt. Im Boostmodus merken wir diese Leistung bereits, wenn wir in die Knie gehen – und quasi aufgefangen werden.
Treppensteigen wird sehr gut unterstützt
Hoch kommen wir wesentlich leichter als ohne das Exoskelett. Beim Treppensteigen unterstützt das Z1 die Kniebewegungen sowohl beim Auf- als auch beim Abstieg. Wir können zwei Stufen auf einmal hochsteigen, ohne dass es sich mühsam anfühlt. Fast noch interessanter als die Unterstützung beim Aufstieg finden wir die beim Hinabsteigen, wo uns das Z1 abfedert und abbremst.
Das fühlt sich für unsere Knie wesentlich angenehmer an als ohne das Exoskelett. Beim normalen Laufen in der Waagerechten bringt das Z1 hingegen erwartungsgemäß keine Vorteile – die Unterstützung der Knie ist für den Auf- und Abstieg gedacht. Wir empfanden die Knieschienen beim normalen Laufen sogar als eher hinderlich, was aber auch an einer nicht komplett perfekten Anpassung der Gurte gelegen haben könnte.
Das Z1 verwendet das gleiche Akkusystem wie das Z1, entsprechend lassen sich die Batterien auch hier sehr einfach wechseln. Ein Akku soll für vier Stunden ausreichen. Beide Exoskelette lassen sich über eine App steuern, die unter anderem die Modiauswahl und weitere Einstellungen ermöglicht. Außerdem bekommen Nutzer in der App Einblicke in ihre Fitnessdaten.
Fazit
Dnsys hat mit dem X1 eine interessante Alternative zum Hypershell vorgestellt, bei dem wir bestimmte Punkte sogar besser gemacht finden. Das Funktionsprinzip ist das gleiche, wenngleich wir die Unterstützung beim X1 sogar angenehmer als beim Hypershell finden.
Das Z1 mit seinen Kniemotoren löst ein Problem, das das Hypershell nicht lösen konnte – die Unterstützung der Knie bei Auf- und Abwärtsbewegungen. Das Z1 dürfte sich nicht nur zum Wandern in bergigem Gelände und für Treppen eignen, sondern auch zum Radfahren – das konnten wir allerdings nicht ausprobieren.
Das X1 mit 900 Watt Leistung kostet regulär 1.100 US-Dollar, die kleinere Version mit 500 Watt 900 US-Dollar. Das Z1 wurde auf Kickstarter finanziert, dort kann es immer noch für 1.500 US-Dollar gekauft werden. Die Version mit nur einem Akku und nicht selbst konfigurierbaren Farben kostet 950 US-Dollar – hat aber auch 900 Watt.
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