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DNS:Net: Enorme Verunsicherung der Investoren für Glasfaserausbau

Die Finanzierungskrise bei DNS:Net als Weckruf: Wegen Versäumnissen der Politik und Regulierung drohe eine Re-Monopolisierung, warnt der Breko.
/ Achim Sawall
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ONT (Optical Network Termination) von DNS:Net, auf der FTU installiert (Bild: DNS:Net)
ONT (Optical Network Termination) von DNS:Net, auf der FTU installiert Bild: DNS:Net

Die aktuellen Entwicklungen im Glasfaserausbau zeigten eine enorme Verunsicherung der Investoren. Dies sei ein "klares Warnsignal" , sagte Sven Knapp, Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) gegenüber Golem.

3i, der Besitzer von DNS:Net, kündigte an , das Unternehmen wohl komplett abzuschreiben. Damit setzt sich der Einbruch von alternativen Glasfaserfirmen fort: Unsere Grüne Glasfaser (UGG) erklärte im Juni 2025 , keine neuen Ausbauprojekte mehr zu starten. Deutsche Glasfaser erklärte Mitte Oktober 2025 an , den Ausbau in den kommenden Jahren langsamer voranzutreiben. Bis zu 250 Arbeitsplätze sollen deutschlandweit abgebaut werden. Altice, Vodafones Joint Venture Partner bei OXG, will erneut aussteigen .

Knapp betonte, Politik und Regulierung hätten in den vergangenen Jahren das wettbewerbsschädliche Verhalten der Deutschen Telekom, "insbesondere den strategischen Glasfaser-Doppelausbau und die Weigerung, Bitstrom-Vorleistungen bei Wettbewerbern einzukaufen, über Jahre toleriert, was nun deutliche Spuren hinterlässt" .

Telekom: "By any means necessary"

Umso wichtiger ist laut Knapp "jetzt klare regulatorische Leitplanken für fairen Wettbewerb und langfristige Investitionssicherheit" . Andernfalls drohe eine Re-Monopolisierung zugunsten der Telekom – mit weniger Anbieterauswahl und einem insgesamt geringeren Ausbautempo.

VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer sagte Golem: "In Deutschland haben wir – anders als die meisten europäischen Länder – leider über viele Jahre hinweg versäumt, klare wettbewerblich ausgerichtete Rahmenbedingungen für den neu entstehenden Glasfasermarkt zu schaffen." Die Telekom habe weitgehend ungehindert eine konsequente Strategie verfolgen können, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Wegen auf die längstmögliche Nutzung des Kupferkabels ausgerichtet sei.

Ausbau komme jedoch nicht zum Erliegen

Der Telekom-nahe Branchenverband Buglas erklärte, dass der Markt für den Glasfaserausbau sich derzeit in einer Konsolidierungsphase befinde. Zwar gerieten einzelne Investoren und Geschäftsmodelle unter Druck, insgesamt komme der Ausbau jedoch nicht zum Erliegen. "Für den langfristigen Glasfaserausbau unserer Mitglieder finden sich auch weiterhin Finanzierungspartner" , sagte Geschäftsführer Max Bunse. Ein Beispiel dafür sei die erneute Bereitstellung von 40 Millionen Euro durch die Landesförderbank Helaba für den Glasfaserausbau der Glasfaser Ruhr in Bochum. Kooperationen und Open-Access-Ansätze sorgten hier für Planungssicherheit und schafften Vertrauen bei Investoren, da sie eine breite Vermarktung und eine nachhaltige Auslastung ermöglichten.

Gleichzeitig sei die Finanzierung des Glasfaserausbaus auch für viele Mitgliedsunternehmen schwieriger geworden. "Das gestiegene Zinsniveau verteuert Fremdkapital spürbar. Hinzu kommt die Wärmewende, die in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle Mittel in den Kommunen binden wird" , erklärte Bunse.


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