DM42: Programmieren lernen mit dem Taschenrechner

Selbst oder gerade mit einfachsten Maschinen lässt sich gut mit Algorithmen experimentieren.

Artikel von Thomas Ell/steinlaus.de veröffentlicht am
Der DM42 ist ein modernisierter HP-42S.
Der DM42 ist ein modernisierter HP-42S. (Bild: Thomas Ell)

Heutzutage wird Programmieren lernen gerne mit dem Arduino oder Python in Verbindung gebracht. Aber es sind nicht unbedingt die Abfrage von Sensoren oder der Umgang mit mathematischen Bibliotheken, die das Programmieren ausmachen. Es ist der Algorithmus, der das Programm zu dem macht, was es ist. Und selbst die einfachste Programmiermaschine ermöglicht es, damit zu experimentieren. Zum Beispiel ein Taschenrechner.

Die Freiheit, immer neue Programme zu entwickeln

Der Kauf meines ersten programmierbaren Taschenrechners im Alter von zwölf Jahren, einem Privileg PR 56 D-NC von Quelle, machte mich sehr glücklich. Das Gefühl, das ich damals hatte, kann vielleicht mit dem verglichen werden, welches ich beim Kauf meines ersten Motorrades oder mit dem Erwerb meines ersten Quadcopters zum Filmen hatte.

Aber an die gedankliche Freiheit, die mir der PR 56 D-NC bescherte, kommen beide nicht heran. Ich spürte, wie mich das kleine Gerät unaufhörlich dazu aufforderte, immer neue Programme zu entwickeln, und dass es alle meine ausgedachten Algorithmen klaglos immer und immer wieder ausführen würde.

Es war für mich wie die noch leere Leinwand für einen Maler: ein Raum, der darauf wartete, von mir mit unendlich vielen Ideen in Form von programmierten Algorithmen gefüllt zu werden. Und ich lernte mit ihm das exakte Denken: Solange meine Programme nicht korrekt waren, funktionierten sie halt nicht. Das ist anders als im richtigen Leben. Kleine Unsauberkeiten in Gesprächen werden oft toleriert und wer deine Aussagen nicht gleich nachrechnet, entdeckt ihre Fehler nicht. Der Taschenrechner aber zeigt sie sofort.

Stellenmarkt
  1. Experte Data Analytics / Business Intelligence im Controlling (m/w/d)
    Dürr AG, Bietigheim-Bissingen
  2. Automotive Projektleiter* Softwareentwicklung Backend Services (m/w/d)
    EDAG Engineering GmbH, Ingolstadt
Detailsuche

Nach ein paar Wochen erkannte ich allerdings, dass die (im Vergleich zu heutigen Programmiersprachen extrem armseligen) Programmiermöglichkeiten mich zwar grundsätzlich in die Lage versetzten, vieles zu programmieren, der winzige Programmspeicher, die auch damals schon unglaubliche Langsamkeit und, vor allem anderen, dass ich nach jedem Einschalten alles neu eingeben musste, meinem jugendlichen Eifer klare Grenzen setzten. Auch wurden dem Wunsch, einfach überall programmieren zu können, durch den extremen Stromhunger der Fluoreszenzanzeige enge Grenzen gesetzt.

Der beste Taschenrechner aller Zeiten

Den PR 56 D-NC habe ich vermutlich 1975 oder 1976 gekauft, ich ersetzte ihn durch einen TI-58C und später durch einen TI-59. Noch etwas später bekam ich einen HP-41C in die Finger und damit den Urahn des DM42. Der 1979 erschienene HP-41C war natürlich noch einmal in allem etwas besser als meine vorhergehenden Modelle, das Bedeutendste war aber seine stromsparende LCD-Anzeige, die sogar alphanumerische Zeichen darstellen konnte. Und das war sehr wichtig, da man so den schon eingegebenen Programmcode besser lesen als auch Programmein- und -ausgaben mit Worten bezeichnen konnte.

  • Als die CHIP noch wunderschöne Titelbilder hatte. Hier die Ausgabe Januar/Februar aus dem Jahr 1979. Der gemalte Taschenrechner ähnelt allerdings eher einem Modell der Konkurrenz, dem Texas Instruments TI-58/TI-58C bzw. TI-59. (Bild: Thomas Ell)
  • Der Hintergrund dieses Fotos ist ein Ausschnitt aus der CHIP vom Februar 1980. Aufgeschlagen ist die erste Seite des im Magazin veröffentlichten Artikels über den HP-41C. (Bild: Thomas Ell)
  • Von links nach rechts: HP-41CX, HP-42S und DM42 (Bild: Thomas Ell)
Als die CHIP noch wunderschöne Titelbilder hatte. Hier die Ausgabe Januar/Februar aus dem Jahr 1979. Der gemalte Taschenrechner ähnelt allerdings eher einem Modell der Konkurrenz, dem Texas Instruments TI-58/TI-58C bzw. TI-59. (Bild: Thomas Ell)

Als 1988 der HP-42S erschien, war ich schon längst weiter zu Homecomputern und PCs gewechselt, so dass ich das gar nicht mitbekommen habe. Der HP-42S verwendet das gleiche Programmiermodell wie der HP-41C und kann darum für den HP-41C geschriebene Programme ausführen. Fast zehn Jahre nach der Veröffentlichung des HP-41C, in denen wirklich viel passiert ist, hat er noch einmal eine Möglichkeit geschaffen, den wertvollen Programmen für den HP-41C weitere Jahre eine Lebensumgebung zu bieten.

Der HP-42S wird von vielen als der beste Taschenrechner aller Zeiten angesehen. Das ist vermutlich der Grund, warum er ca. 30 Jahre nach seinem Debüt von einem Enthusiasten nachgebaut wurde. Und besser denn je! Mit ihm lässt sich mein Erweckungserlebnis mit der Taschenrechner-Programmierung gut nachvollziehen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Was man vom Taschenrechner über Computer lernen kann 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


superdachs 19. Jul 2022 / Themenstart

Weil der HP49 ein CAS Rechner, und damit in den wenigsten Fällen in Schule und Studium...

superdachs 19. Jul 2022 / Themenstart

Raspberry Pie: Linux und damit im Prinzip ja die einfachste Möglichkeit. Man kann jede...

PlanNine 12. Jul 2022 / Themenstart

Ich habe angefangen mit dem CASIO FX-501P oder FX-502P. Ich hatte diesen Adapter mit dem...

JensBerlin 12. Jul 2022 / Themenstart

Und ihn programmiert, um die Fakultät einer Zahl mit allen Stellen auszurechnen...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Hacking
Der Bad-USB-Stick Rubber Ducky wird noch gefährlicher

Mit einer neuen Version des Bad-USB-Sticks Rubber Ducky lassen sich Rechner noch leichter angreifen und neuerdings auch heimlich Daten ausleiten.

Hacking: Der Bad-USB-Stick Rubber Ducky wird noch gefährlicher
Artikel
  1. Kilimandscharo: Tanzania Telecommunications bringt Glasfaser auf 3.720 Meter
    Kilimandscharo
    Tanzania Telecommunications bringt Glasfaser auf 3.720 Meter

    Der Campingplatz Horombo Hut bietet Glasfaser-Internet auf 3.720 Meter Höhe. Bald soll auch der höchste Berggifel des Kilimandscharo versorgt werden..

  2. E-Mountainbike Graveler 29 Zoll: Aldi verkauft Mountain-E-Bike von Prophete
    E-Mountainbike Graveler 29 Zoll
    Aldi verkauft Mountain-E-Bike von Prophete

    Aldi bietet ein sportliches E-Bike für knapp 1.000 Euro an. Das Graveler 29 Zoll ist für unwegsames Gelände und die Stadt gedacht und dabei recht leicht.

  3. Sprachanschlüsse: Telekom erhöht die Preise
    Sprachanschlüsse
    Telekom erhöht die Preise

    Wer nur telefonieren will, muss bei der Telekom etwas mehr zahlen. Das betrifft die Call-Start-Tarife.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • 10%-Gaming-Gutschein bei eBay • Grafikkarten zu Tiefpreisen (Palit RTX 3090 Ti 1.391,98€, Zotac RTX 3090 1.298,99€, MSI RTX 3080 Ti 1.059€) • PS5 bei Amazon • HP HyperX Gaming-Maus 29€ statt 99€ • MindStar (ASRock RX 6900XT 869€) • Bester 2.000€-Gaming-PC [Werbung]
    •  /