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DLD-Konferenz: Gabriel warnt vor digitalem Schlachtfeld Europa

Außenminister Sigmar Gabriel befürchtet, dass Europa technisch zwischen den USA und Asien zerrieben wird. Telekom-Chef Höttges hat schon Vorschläge parat, wo Europa seine Stärken ausspielen könnte.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Außenminister Sigmar Gabriel (SPD)
Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) (Bild: Adam Berry/Getty Images)

Der geschäftsführende Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Europa aufgefordert, im globalen Technologiewettstreit das Feld nicht den USA und China zu überlassen. "Werden wir zu tatenlosen Zuschauern im neuen Kalten Krieg um Technologie werden? Oder kann Europa mit besseren Antworten aufwarten?", fragte Gabriel am Samstag zum Auftakt der Innovationskonferenz DLD in München.

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Derzeit setzten sich global zwei Modelle durch: Die libertäre Weltsicht des Silicon Valley mit seinen großen IT-Konzernen - und das chinesische System, in dem globale Digital Champions unter dem Schutz eines autoritären Staates aufgebaut würden.

Dem Westen drohen Nachteile durch technische Rückständigkeit

"Es gibt das zunehmende Gefühl, dass die technologische Entwicklung den Westen mit seinen offenen Gesellschaften und Märkten erstmals global benachteiligen kann, statt ihm einen Vorsprung zu verschaffen", warnte Gabriel. Und das passiere zu einer Zeit, in der die liberale Weltordnung bereits zunehmend strapaziert werde.

Gabriel hob besonders Chinas Pläne hervor, zum Jahr 2025 zehn globale Tech-Spitzenunternehmen zu haben. "Bisher haben durchschnittliche europäische Verbraucher keine persönliche Erfahrung mit chinesischen Software-Giganten gemacht - aber das kann sich ändern." Zugleich erinnerte er daran, dass in China das Verhalten der Bürger auf beispiellose Weise mit Hilfe von Technologie kontrolliert werde: "Die digitale Revolution erlaubt es autoritären Regimen, noch autoritärer zu werden - Big Brother trifft Big Data."

Starkes Europa gefordert

"Werden wir unsere Ökonomien zum Schlachtfeld werden lassen, um uns am Ende der einen oder der anderen Seite anzuschließen?", fragte Gabriel an die Adresse der Europäer gerichtet. Derzeit sei die EU "eine fragmentierte Union mit Millionen Stimmen", von denen einige die Digitalisierung sogar nur als vergänglichen Trend sähen. "Unser gemeinsames Ziel muss sein, ein starkes Europa aufzubauen, das global agiert, das Weltangelegenheiten gestalten kann, statt von ihnen geformt zu werden." Die EU müsse dafür umdenken - schließlich sei sie vor allem geschaffen worden, um Kriege zwischen europäischen Ländern zu vermeiden und scheue bisher vor einer starken globalen Rolle zurück.

Die vom Medienkonzern Burda veranstaltete dreitägige DLD-Konferenz will traditionell Technologiebranche, Politik und Kultur zusammenzubringen. Dieses Mal werde es auf der DLD mehr "Nachdenklichkeit" geben, sagte Organisatorin Steffi Czerny. "Wir sind nicht ganz so tech-optimistisch, wie wir es einmal waren."

Nachtrag vom 21. Januar 2018, 14:34 Uhr

Nach Einschätzung von Telekom-Chef Timotheus Höttges hat Europa ohnehin keine Chance mehr, im Verbraucher-Geschäft mit Online-Plattformen amerikanische und chinesische Firmen einzuholen. Stattdessen müssten sich die Europäer auf das sogenannte Internet der Dinge mit seinen vernetzten Geräten konzentrieren, sagte Höttges am Sonntag auf der DLD-Konferenz in München. Er forderte eine gelockerte Regulierung der Telekommunikations-Branche, um Investitionen in die Infrastruktur zu begünstigen.

"Ja, wir haben diese B2C-Plattformen für immer verloren, das ist meine Überzeugung", sagte Höttges. "Aber im Internet der Dinge, im Geschäft zwischen Unternehmen - hier liegt die Stärke Europas, hier haben wir etwas zu gewinnen." Er habe es satt, dass europäische Politiker und zum Teil auch Unternehmen "Meister im Beobachten" seien. Es sei an der Zeit, endlich zu handeln. Die wichtigste Forderung sei, Telekom-Unternehmen mehr Frequenz-Spektrum für neuen Service freizumachen: "Gebt uns Spektrum, wir brauchen Spektrum!"

Zugleich bekräftigte Höttges die seit Jahren vorgebrachte Forderung nach weniger Einschränkungen für die Telekommunikations-Industrie. "Die Deutsche Telekom wird seit 20 Jahren reguliert - und jetzt beschweren sich die Leute, dass wir nicht genug in die Infrastruktur investierten", kritisierte Höttges. Der ursprüngliche Plan, dass auch andere Marktteilnehmer investieren würden, sei nicht aufgegangen. Solange es für diese günstiger sei, auf die Infrastruktur der Telekom zurückzugreifen, als eigene Netze aufzubauen, investierten diese nicht.



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