DJI Osmo Action 6 im Test: Erste Actioncam mit variabler Blendenöffnung

Inhalt
Fotografen und Videofilmer haben ein paar Möglichkeiten, zu wenig Licht bei Nacht zu kompensieren. Man kann das Bild künstlich aufhellen, man kann mit aggressiver Rauschunterdrückung versuchen, Details zu retten, oder man setzt auf immer ausgefeiltere KI-Algorithmen.
Und dann gibt es noch die Blende – also die Öffnung vor dem Sensor. Je weiter diese geöffnet ist, desto mehr Licht fängt sie ein. Genau hier setzt die DJI Osmo Action 6 an, die erste Actioncam mit variabler Blendenöffnung.
DJI bricht damit mit Konventionen der Branche, die sich bisher fast ausschließlich mit feststehenden Blenden zufrieden gab.
Die neue Blendenmechanik ist kein Showeffekt, sondern ein zentrales Element der Kamera. In hellen Umgebungen lässt sich die Öffnung bis auf f/4.0 schließen, was die Schärfe erhöht und Gegenlichtsituationen beruhigt.
Bei wenig Licht wiederum öffnet die Kamera auf bis zu f/2.0, was den großen 2,4-µm-Pixeln des neuen 1/1.1-Zoll-Sensors zugutekommt. Die Öffnung der Blende erfolgt physikalisch, im Inneren der Kamera bewegt sich also etwas. Von außen bekommen wir davon nichts mit, weder akustisch noch haptisch.
Theoretisch hat eine größere Blendenöffnung (also f2) eine minimal geringere Tiefenschärfe zur Folge. Das sieht man aber kaum, und schon gar nicht bei Nacht. Eine Scharfstellfunktion, wie sie den meisten Nicht-Actionkameras durch Fokussierung üblich ist, gibt es bei der Osmo Action 6 nicht.
Um unser Fazit etwas vorwegzunehmen: Der neue Ansatz hat Vorteile, aber er revolutioniert die Bildqualität nicht von Grund auf, weder gegenüber dem Vorgänger noch gegenüber den aktuellen Topmodellen der Konkurrenz.
Wir müssen schon genauer hinschauen. Und wenn wir das tun, erkennen wir weniger aggressives Rauschen, mehr Zeichnung in dunklen Bereichen und insgesamt einen etwas natürlicheren Bildeindruck in schwierigen Lichtumgebungen.
| DJI Osmo Action 6 | |
|---|---|
| Abmessungen /Gewicht | 72,8 × 47,2 × 33,1 mm / 149 Gramm |
| Wasserdicht | 20 Meter (60 Meter mit Waterproof Case) |
| Sensor | 1/1.1" CMOS (quadratischer Sensor, 2.4 µm Pixel) |
| Sichtfeld (FOV) | 155 Grad |
| Blende | Variable Blende f/2.0 bis f/4.0 |
| ISO-Bereich | Foto: 100-25.600; Video: 100-51200 (51200 nur in Super Night) |
| Foto: Auflösung / Formate | 7168 × 5376 Pixel / JPG + RAW |
| Videoformate | MP4 (HEVC), inkl. 10-Bit und D-Log M |
| Maximale Videoauflösung | 4K Custom (3840×3840) bis 60 fps |
| Weitere Videoauflösungen | 4K (16:9/4:3) bis 120 fps; 1080p bis 240 fps |
| Max. Videobitrate | 120 Mbps, inkl. 10-Bit-D-Log-M-Unterstützung |
| Stabilisierung | RockSteady 3.0, RockSteady 3.0+, HorizonBalancing, HorizonSteady |
| Audio | 48 kHz, 16-bit, AAC mit 3 Mikrofonen |
| Akku / Laufzeit | 1.950 mAh / bis 240 min |
| Displays | Front: 1,46" (342×342, 331 ppi); Rear: 2,5" (400×712, 326 ppi) |
| Speicher | 64 GB integriert, 50 GB nutzbar + MicroSD bis 1 TByte |
| Konnektivität | Wi-Fi 6 (802.11 a/b/g/n/ac/ax), Bluetooth 5.1 BLE |
Im Alltag übernimmt die Kamera die Wahl der passenden Blendenbereiche über Automatiken, die zwischen klar definierten Stufen arbeiten. Manuell wählen kann man die Blende ebenfalls, meist im Bereich von f/2.8 bis f/4.0, während f/2.0 bestimmten Modi vorbehalten bleibt.
Eine weitere Stärke der Osmo Action 6 ist der neue Sensor. DJI setzt auf ein 1/1.1-Zoll-Format, das mehr Fläche als viele typische Actioncam-Sensoren bietet und so einen erweiterten Dynamikumfang ermöglicht.
Bis zu 13,5 Blendenstufen sollen es laut Hersteller sein, was sich vor allem in kontrastreichen Szenen bemerkbar macht. Auch hier gilt: Das ist kein riesiger Sprung, wie man ihn vielleicht durch generative KI-Optimierungen erwarten würde.





















Aber es ist eine solide, spürbare Verbesserung, die das Material ruhiger, nuancierter und in Grenzbereichen belastbarer macht. Der Super-Night-Modus etwa kann nun in 4K/60 fps arbeiten und erzeugt stabilere Nachtvideos, ohne die Auflösung herunterzuschrauben.
Neu ist auch der 4K-Custom-Modus mit seinem quadratischen 3.840-×-3.840-Format. Wir filmen zunächst, ohne uns um Hoch- oder Querformat kümmern zu müssen, und entscheiden später, wie das Ergebnis aussehen soll.
Für Social Media oder wechselnde Plattformen ist das ausgesprochen praktisch. Der Schritt zu 4K/120 fps – und intern sogar bis zur 32-fachen Zeitlupe – zeigt, dass DJI gleichzeitig die hohe Bildfrequenz im Blick behält. Die Interpolation auf 960 fps ist zwar kein Ersatz für echtes High-Speed-Material, wirkt im richtigen Kontext aber stimmig und sauber.



