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In fünf Schritten zum eigenen Urteil

Das also nun die Kennzahlen und Warnzeichen – wie geht man aber nun konkret vor?

Hier ist ein einfacher Fünf-Schritte-Plan für die erste eigene Analyse:

Schritt 1: das Geschäftsmodell verstehen

  • Die Frage: Womit verdient das Unternehmen sein Geld? Was ist sein Produkt oder seine Dienstleistung? Wer sind die Kunden und wer die Konkurrenten?
  • Die Umsetzung: den Geschäftsbericht (den Anfang, nicht die Hunderten Seiten Anhang) und die "Über uns"-Seite lesen.

Schritt 2: die zehn Kennzahlen sammeln

  • Die Frage: Wie steht das Unternehmen finanziell da?
  • Die Umsetzung: auf dem Finanzportal der Wahl, zum Beispiel Finanzen.net, Yahoo oder Finviz die zehn oben genannten Kennzahlen für das Wunschunternehmen und zwei bis drei der wichtigsten Konkurrenten heraussuchen. In eine einfache Tabelle eintragen.

Schritt 3: vergleichen und bewerten

  • Die Frage: Ist das Unternehmen im Branchenvergleich günstig oder teuer? Ist es finanziell gesund?
  • Die Umsetzung: Wie schneidet das Unternehmen im Branchenvergleich ab? Ist es günstiger bewertet (niedrigeres KGV/KBV/KCV/PEG/KUV)? Ist es profitabler (höhere ROE)? Wie hoch ist die Verschuldung im Vergleich?

Schritt 4: nach Red Flags suchen

  • Die Frage: Gibt es abseits der Zahlen Warnsignale?
  • Die Umsetzung: Die Liste der Warnsignale durchgehen und den Namen des Unternehmens in Verbindung mit Begriffen wie Kritik, Betrugsvorwürfe oder Insiderverkäufe googeln. Aktuelle Nachrichten und Analystenmeinungen einholen – aber immer mit einer kritischen Distanz.

Schritt 5: Erkenntnisse zusammenfassen und den Preis festlegen

  • Die Frage: Überwiegen die Chancen die Risiken?
  • Die Umsetzung: die Erkenntnisse zusammenfassen und ein paar Sätze zu den Stärken, zum Beispiel starkes Wachstum, günstige Bewertung, und Schwächen, zum Beispiel hohe Schulden, harter Wettbewerb, aufschreiben. Anhand dieser Erkenntnisse kann man dann entscheiden, ob die Chancen die Risiken überwiegen. Und ganz wichtig: einen Preis festlegen, den man maximal für die Aktie zahlen würde.

Fazit

Die eigene Analyse eines Unternehmens ist kein Hexenwerk. Sie erfordert etwas Zeit und die Bereitschaft, sich mit den Grundlagen zu beschäftigen. Aber der Lohn ist unbezahlbar: Man hat eine fundierte, unabhängige Entscheidung getroffen und ist nicht mehr auf die oft eigennützigen Ratschläge von selbsternannten Börsengurus angewiesen.

Niemand kann die Zukunft vorhersagen und auch die sorgfältigste Analyse ist keine Garantie für Gewinne. Aber indem man lernt, die richtigen Fragen zu stellen und die Zahlen kritisch zu hinterfragen, minimiert man das Risiko, auf den nächsten großen Schwindel hereinzufallen.

Am Ende ist der beste Ratgeber oft der gesunde Menschenverstand. Wenn einem eine Story faul vorkommt, ist sie es wahrscheinlich auch. Investieren sollte man nur in das, was man wirklich – und nach eigener Prüfung – versteht.


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