Interview mit Rowena Patrao von Scout24

­ Golem.de: Sie haben Erfahrungen in den USA, Indien und jetzt in Deutschland gesammelt. Was sind die größten Unterschiede?

Rowena Patrao: In den USA, in Indien oder auch in Europa haben die Menschen ganz unterschiedliche Methoden, ein und dasselbe Problem zu lösen. Sobald man die Motivation dahinter versteht, können die Teams so gefördert werden, dass sie äußerst erfolgreiche Produkte liefern. In den USA werden die Teams beispielsweise dazu gedrängt, "mehr, schneller, besser" zu machen. In Deutschland wollen die Teams sicherstellen, dass sie das "richtige Produkt" bauen.

Golem.de: Sie haben Ihre Stelle inmitten der Pandemie angetreten. Wie verlief das Onboarding? Die meisten arbeiten ja wahrscheinlich noch aus der Ferne.

Rowena Patrao: Derzeit arbeite ich aufgrund der Pandemie und meiner Kinder noch überwiegend von Amerika aus. Meetings, Brainstorming, Abstimmungen zu Roadmaps, Events - für all diese Dinge haben wir digitale Lösungen und Methoden. Ich habe aber so oft wie möglich die Gelegenheit genutzt, um nach Deutschland zu reisen und mit den Teams vor Ort zu arbeiten.

Der persönliche Austausch, das gemeinsame Mittagessen, das kurze Gespräch auf dem Flur lässt sich nicht digitalisieren und bringt mich meinen Kolleg:innen einfach näher. Nur so bauen wir menschliche Beziehungen auf. Ich glaube, dass hybrides Arbeiten, also die Mischung aus Arbeiten im Büro und von unterwegs, das neue Normal ist und uns hilft, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: Flexibilität mit sozialer Interaktion.

Golem.de: Wie wichtig ist dieser direkte Kontakt mit den Mitarbeitern für Sie als Führungskraft?

Rowena Patrao: Ich nehme mir viel Zeit, um mich mit den Teams zu ihren Projekten auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wenn es irgendwo hakt. Jede Führungskraft sollte sich die Zeit nehmen, sich intensiv mit ihren Mitarbeiter:innen auszutauschen und zu verstehen, was sie motiviert, antreibt und frustriert. Ein einzelnes Gespräch kann uns bereits so viele Informationen liefern.

Golem.de: Sie haben in allen Ihren Führungspositionen versucht, die Umgebung für heterogene Teams zu schaffen. Wie gelingt das bei Scout24?

Rowena Patrao: Bei Scout24 setzen wir uns klare Ziele, um Diversität zu fördern. Dazu gehört auch Geschlechtervielfalt. Vergangenes Jahr war unser Ziel, dass 50 Prozent unserer Neueinstellungen weiblich oder nicht-binär sind. Dieses Ziel haben wir sogar übererfüllt: Ende 2021 waren 55 Prozent unserer Neueinstellungen weiblich oder nicht-binär, in unserer Tech-Organisation sogar 56 Prozent.

Golem.de: Warum lohnt es sich, so aktiv wie Scout24 auf Diversität zu setzen?

Rowena Patrao: Ein Team, das aus Personen besteht, die viele Gemeinsamkeiten haben, neigt eher dazu, ähnliche Ansichten zu verschiedenen Themen zu haben. Das mag wie ein Vorteil erscheinen, nur dass dies den Fokus der Diskussionen und der Kreativität bei der Problemlösung deutlich einschränkt. Wenn das Team aus unterschiedlichen Menschen, etwa was Geschlecht, Herkunft, ethnische Zugehörigkeit angeht, besteht, bringen sie eine Vielfalt von Gedanken in das Gespräch ein. Sie betrachten dann alle dasselbe Problem aus verschiedenen Blickwinkeln und machen unterschiedliche Vorschläge zu seiner Lösung. Gemeinsam findet diese Gruppe einen viel ganzheitlicheren Ansatz für jede Angelegenheit, der die Dinge vorantreibt und sehr selten steckenbleibt.

Golem.de: Spielen Faktoren wie das Geschlecht heute denn überhaupt noch eine Rolle?

Rowena Patrao: Bei Frauen greift leider immer noch ein automatisches Bias. Wie wir aussehen, welche Kleidung wir tragen, wie hoch oder tief unsere Stimme ist - all das hat Einfluss, wie wir beruflich wahrgenommen werden. Bei Männern ist das nebenranging. Zu Hause wird die meiste Betreuungsarbeit nach wie vor von Frauen geleistet: Ob als Ehefrauen, Mütter, Töchter und Schwestern. Wenn Unternehmen diese Herausforderungen sehen und ein Umfeld schaffen, das diese Unterschiede akzeptiert, können mehr Frauen in der Branche Fuß fassen und vor allem Karriere machen. Dafür braucht es aber auch Vorbilder: Umso wichtiger ist es, dass es mehr weibliche Führungskräfte und Managerinnen in Unternehmen gibt.

Golem.de: Sie sind seit zwei Jahrzehnten in der Branche. Hat die sich in dieser Zeit sonst noch verändert?

Rowena Patrao: Als ich meine berufliche Laufbahn begann, gab es nur wenige Unternehmen, die international und zugleich stark vernetzt tätig waren. Heute ist dies weitestgehend das neue Normal und macht die Zeit vor allem für Tech Professionals sehr spannend. Zudem öffnet sich ein großer Talent Pool, der es ermöglicht, gänzlich neue Sichtweisen auf die Produktentwicklung und -gestaltung zu geben. Damit das gelingt, müssen aber nicht nur internationale Teams zusammengestellt, sondern auch gehört werden. Die Vielfalt des Denkens muss respektiert werden.

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 Diversity in IT-Teams: "Bei Frauen greift immer noch ein automatisches Bias"Was ihr jetzt noch lesen solltet 
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