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Display as a Service: Ohne Unterbrechung vom Wohnzimmer ins Bett

Cebit 2013
Die neue Technik DaaS kann mehr, als nur die in Hannover gezeigten Videowalls zu versorgen. Auch Streamen im Heimnetz auf jeden Bildschirm ist möglich. Die Erfinder erklären im Videointerview, wie das funktioniert.
/ Nico Ernst
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Ein 4K-Video wird mit DaaS auf unterschiedliche Bildschirme verteilt. (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Ein 4K-Video wird mit DaaS auf unterschiedliche Bildschirme verteilt. Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Ohne Kabel, ohne Treiberprobleme und ohne Konvertieren per Mausklick ein Display im Hausnetz auswählen - das ist eine der Vorstellungen von Alexander Löffler, wie der Projektleiter für Display as a Service (DaaS) am Forschungszentrum DFKI(öffnet im neuen Fenster) im Gespräch mit Golem.de sagte. DaaS war im Rahmen der Intel-Pressekonferenz auf der Cebit vorgestellt worden.

Alexander Löffler über die Zukunft von DaaS
Alexander Löffler über die Zukunft von DaaS (03:44)

Löffler denkt unter anderem daran, DaaS als Standardfunktion in Grafiktreibern zu integrieren. Da die Technik zusammen mit Intel entwickelt wurde, dürfte das zumindest für die Treiber der integrierten Lösungen des Chipherstellers recht einfach werden. Ist das geschafft, soll sich ein beliebiger Bildschirm so auswählen lassen wie heute ein WLAN - einfach durch einen Klick auf ein Icon im Systembereich des Betriebssystems.

Das ist möglich, weil DaaS-Geräte im selben Netzwerk stets als Sender und auch als Empfänger arbeiten können. Sie bieten ihre Dienste an und werden - ähnlich wie heute schon DLNA für das Streaming - von entsprechenden Gegenstellen erkannt. Dabei können die Geräte auch wechselseitig gesteuert werden.

Luciano Pica vom DFKI erklärt die Technik von DaaS (Cebit)
Luciano Pica vom DFKI erklärt die Technik von DaaS (Cebit) (02:40)

Ein Beispiel: Während der Nutzer auf dem PC im Arbeitszimmer nebenher eine Serie ansieht, kommt die Lust nach mehr Kaffee auf. Sofern ein DaaS-Fernseher in der Küche steht, kann er die Serie auch sofort dort weiterlaufen lassen, während das Heißgetränk zubereitet wird. Das Küchen-TV-Gerät macht er anschließend einfach aus. Dass der PC seinen Stream ins Leere schickt, macht nichts aus.

Ein anderes Szenario könnte sein, dass der Ehemann im Wohnzimmer einen Film angesehen hat, während seine bessere Hälfte schon im Schlafzimmer ist. Will der Mann aber noch die Spätnachrichten im Bett ansehen, kann er sich den Bildschirminhalt des Fernsehers im Schlafzimmer kurz ins Wohnzimmer holen - vielleicht guckt seine Frau ja schon den richtigen Sender, oder doch eine Serie. In diesem Fall lässt sich der Streit um das Programm vermeiden; der Mann sieht die Nachrichten noch im Wohnzimmer an.

Die Technik hinter DaaS basiert auf Standards

Diese Möglichkeiten setzen natürlich voraus, dass die beteiligten Fernseher auch DaaS beherrschen. Das ist aber noch nicht gegeben, weil die Technik noch kein fertiges Produkt ist. Laut Projektleiter Alexander Löffler verhandeln die Erfinder bereits mit Herstellern von Smart-TVs, die DaaS lizenzieren könnten. Die Namen der Unternehmen wollte Löffler aber noch nicht nennen. Falls die zum Patent angemeldete Technik in einen Fernseher eingebaut wird, soll die nötige Software für PCs und mobile Endgeräte den Käufern des Geräts zur Verfügung gestellt werden. Auch Open Source schließt Löffler nicht aus, aber auch das ist noch nicht entschieden.

Bisher gibt es DaaS für Windows, Linux und Android. Auf entsprechenden Geräten können die Dienste als reine Softwarelösung laufen oder unterstützte Hardware nutzen, wie beispielsweise den H.264-Encoder von Intels HD Graphics. Denn H.264-Streams sind auch das, was bei DaaS durchs Netzwerk geschickt wird.

Intel demonstriert Display as a Service (Cebit 2013)
Intel demonstriert Display as a Service (Cebit 2013) (02:26)

Abhängig von der Bitrate eines Full-HD-Videos können über eine Verbindung mit Gigabit-Ethernet bis zu 25 Streams parallel übertragen werden, umgerechnet auf ein 802.11n-WLAN mit 300 MBit/s wären es rund sechs Streams. Um das zu erreichen, überträgt DaaS nur die Pixel, die das Zielgerät auch darstellen kann. Auf der Cebit zeigen die Entwickler dazu ein 4K-Video, das von einem PC auf die Videowall geschickt wird. Auf vier Full-HD-Displays zeigt sich der Film in voller Schärfe, wird sein Fenster auf einem der Monitore verkleinert, wird nur noch dessen Auflösung genutzt. Dabei sinkt auch die Bitrate im Netzwerk, weil die Skalierung von 4K auf Full-HD bereits im Quellgerät vorgenommen wird.

Mittels einer Videokamera, die ihr Bild in einem eigenen Fenster darstellt, demonstrieren die Forscher auch die vergleichsweise geringen Latenzen. Sie liegen in den für die Cebit gewählten Einstellungen bei 100 Millisekunden, im Labor soll die noch nicht voll optimierte Software aber schon Werte von 30 bis 40 Millisekunden erreicht haben. Das wäre ein deutlicher Vorteil gegenüber Intels WiDi - das zudem nur von einem Gerät zu einem anderen senden kann -, denn dessen Latenzen liegen je nach WLAN bei mehreren hundert Millisekunden.

Mit WiDi soll DaaS aber auch zusammenarbeiten, beispielsweise können die schon existierenden WiDi-Empfänger als Zielgerät dienen. Darauf könnten Nutzer dann nicht nur die Inhalte eines Intel-PCs schicken, sondern auch die von einem Android-Tablet. Mit Apple-Geräten unter Mac OS oder iOS wird das nicht ganz so einfach gehen, befürchtet Alexander Löffler. Apple hat mit Airplay seinen eigenen Standard, der inzwischen auch Videoübertragung ermöglicht.


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