Diskussionen am Arbeitsplatz: Basecamp-Chefs entschuldigen sich
Nach den kontroversen Diskussionen über neue interne Unternehmensrichtlinien und die zahlreichen in Aussicht gestellten Kündigungen bei Basecamp zeigen sich Chefs des Unternehmens in einer Stellungnahme überrascht und bitten um Entschuldigung. Den neuen Unternehmensrichtlinien zufolge sollen "gesellschaftliche und politische Diskussionen" am Arbeitsplatz künftig nicht mehr erlaubt sein.
Basecamp-Chef Jason Fried schreibt dazu(öffnet im neuen Fenster) : "Wir begannen mit Richtlinienänderungen, die sich einfach, vernünftig und prinzipientreu anfühlten, und dann sind uns die Dinge intern auf eine Weise um die Ohren geflogen, die wir nie erwartet hätten. David [Heinemeier Hansson] und ich übernehmen dafür die Verantwortung und es tut uns leid."
Nach der Information über die neuen Richtlinien haben ungefähr ein Drittel der Angestellten und ein Teil der bisherigen Führungsriege des Unternehmens angekündigt, dass sie die Firma verlassen wollen. Begründet wurde dies meist direkt oder indirekt mit Bezug auf die Änderungen der Richtlinien.
Basecamp erstellt die gleichnamige Projekt-Management-Software und betreibt den alternativen E-Mail-Dienst Hey. Der Technikchef Hansson ist als Ruby-on-Rails-Gründer sehr bekannt und hat mehr als 400.000 Follower auf Twitter. Auslöser für die neuen Regeln sowie auch die Kündigungen waren Medienberichten zufolge einige interne Diskussionen, die Fried und Hansson nun wohl versuchen wollen zu unterbinden.
Unternehmensversammlung treibt Unternehmen auseinander
Ausschlaggebend dafür, dass letztlich so viele Angestellte das Unternehmen verlassen wollen und ein dafür aufgesetztes Abfindungsprogramm akzeptieren, waren laut einem Bericht des Magazins The Verge(öffnet im neuen Fenster) Vorgänge während eines sogenannten All-Hands-Meetings. Demnach bezweifelte der Strategiechef Ryan Singer die Existenz von White Supremacy, also weißer Vorherrschaft(öffnet im neuen Fenster) . Singer ist seit 18 Jahren in dem Unternehmen und gehört zu einem der ersten Angestellten.
Daraus entspann sich dem Bericht zufolge eine Diskussion, die Fried zunächst unterbinden wollte. Auch auf das Drängen einiger Angestellter, direkt zu den Äußerungen Singers Stellung zu beziehen, reagierten Fried und Hansson wohl nicht oder nicht ausreichend. Erst nach dem Treffen sei Singer zunächst suspendiert worden. Daraufhin habe dann auch Singer selbst gekündigt.
Trotz der inzwischen sehr großen öffentlichen Aufmerksamkeit und der zahlreichen Kündigungen halten Fried und Hansson wohl weiter an den neuen Regeln fest. In dem Blogpost folgt unmittelbar auf die Entschuldigung: "Wir haben viel zu lernen und zu reflektieren, und das werden wir auch tun. Die neuen Richtlinien haben Bestand, aber wir müssen noch einige Verfeinerungen und Klarstellungen vornehmen" .