Diskriminierung: Zahlreiche Mitarbeiter von Basecamp drohen mit Kündigung

Die Angestellten von Basecamp sollen nicht mehr über politische Vorgänge sprechen. Die Belegschaft quittiert das mit Kündigungen.

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Rund ein Drittel der Basecamp-Angestellten will das Unternehmen kurzfristig verlassen.
Rund ein Drittel der Basecamp-Angestellten will das Unternehmen kurzfristig verlassen. (Bild: Pixabay)

Zahlreiche Mitglieder des Führungsteams sowie bis zu ein Drittel der gesamten Belegschaft von Basecamp haben laut Medienberichten angekündigt, das Unternehmen nach der Einführung eines politischen Sprechverbots zu verlassen. In der vergangenen Woche hatte der Basecamp-Gründer und -Geschäftsführer Jason Fried in einem Blogpost geschrieben, dass "gesellschaftliche und politische Diskussionen" am Arbeitsplatz künftig nicht mehr erlaubt seien.

In der Folge wollen unter anderem Marketing-Chef Andy Didorosi, Design-Chef Jonas Downey und die für den Kunden-Support zuständige Kristin Aardsma sowie viele weitere Angestellte aus unterschiedlichen Abteilungen, darunter etwa auch der Großteil des iOS-Entwicklungsteams, das Unternehmen verlassen, wie etwa Techcrunch berichtet.

Die Kündigungen wurden auf Twitter oder auch Linkedin öffentlich gemacht. Darin nehmen die Basecamp-Angestellten meist direkt oder indirekt Bezug auf die angekündigten Änderungen der Unternehmensrichtlinien. Diejenigen, die kündigen wollen, machen damit wohl darüber hinaus aber auch Gebrauch von einem neuen Abfindungsprogramm, das Basecamp ebenfalls in der vergangenen Woche ankündigte. Dies gelte für alle, die keine Zukunft mehr darin sähen, in welche Richtung Basecamp steuere, heißt es dazu in dem Blogpost.

Interne Diskussionen sind wohl der Auslöser

Basecamp erstellt die gleichnamige Projekt-Management-Software und betreibt den alternativen E-Mail-Dienst Hey. Obwohl es sich bei dem Unternehmen um eine vergleichsweise kleine Firma handelt, ist diese als Ursprung des Ruby-on-Rails-Framework sehr bekannt. Der Rails-Gründer David Heinemeier Hansson mit mehr als 400.000 Followern auf Twitter ist darüber hinaus weiter als Technikchef für Basecamp und Hey zuständig und trägt die neuen Unternehmensrichtlinien in vollem Umfang mit.

Mit den neuen Richtlinien versucht die Basecamp-Führung um Fried und auch Hansson offenbar, unerwünschte interne Kritik und Diskussionen zu unterbinden, wie etwa Techcrunch oder auch The Verge berichten. Demnach sollen unangemessene oder gar rassistische interne Bezeichnungen für Kunden von Basecamp benutzt worden sein.

In dem Blogpost, in dem die Änderungen im Unternehmen angekündigt werden, wird dies damit begründet, dass die politischen Diskussionen bisher "eine große Ablenkung" gewesen seien. "Es verbraucht unsere Energie und lenkt unseren Dialog an einen finsteren Ort. Es ist nicht gesund, es hat uns nicht gutgetan", heißt es.

Das politische Diskussionsverbot am Arbeitsplatz bei Basecamp ist unter anderem von zahlreichen marginalisierten und unterrepräsentierten Gruppen wie der LGBTQ-Community oder auch nicht-weißen Personen kritisiert worden. Deren bloße Existenz und deren Einforderung von Grundrechten wird von einigen oft schon als politisch wahrgenommen.

Diskussionen zu den Menschenrechten von sexuellen Minderheiten, trans Personen oder auch zu Rassismus könnten den neuen Regeln entsprechend bei Basecamp intern wohl nur noch schwer oder gar nicht mehr angestoßen werden. Das Unternehmen bittet die Angestellten explizit, für derartige Diskussionen andere Kanäle zu nutzen als die Unternehmensinfrastruktur.

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demon driver 08. Mai 2021

Sorry, dein Text hätte eine ausführliche und tendenziell wohlwollende Beschäftigung...

Eheran 06. Mai 2021

Es sind sich wohl so ziemlich alle einige, dass es scheiße ist, Müll einfach irgendwo hin...

Eheran 06. Mai 2021

Stimmt. Fragt sich ob man noch unterscheiden kann wer warum geht. Vermutlich ist Geld...

demon driver 04. Mai 2021

Immer gerne! Aber nicht hier in diesem Kontext, denn die Behauptung, der ich...



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