Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Discovery Staffel 4: Star Trek mit viel zu viel Pathos

Die ersten beiden Folgen der neuen Staffel von Star Trek Discovery bieten zwar interessante Story-Ansätze, gehen aber in teils unerträglichen Gefühlsduseleien unter. Achtung, Spoiler!
/ Tobias Költzsch
121 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Sonequa Martin-Green als Captain Michael Burnham auf der Brücke der Discovery. (Bild: ViacomCBS/Screenshot: Golem.de)
Sonequa Martin-Green als Captain Michael Burnham auf der Brücke der Discovery. Bild: ViacomCBS/Screenshot: Golem.de

Achtung! Wir besprechen in dieser Rezension ausführlich den Beginn der vierten Staffel von Star Trek: Discovery. Zudem nehmen wir Bezug auf die vorigen Staffeln. Wer nichts wissen möchte, bevor er selbst Star Trek: Discovery schaut, sollte ab hier nicht weiterlesen.

Nach einigem Hin und Her bezüglich des Veröffentlichungszeitraums sind die ersten beiden Folgen der vierten Staffel von Star Trek Discovery in Deutschland ausgestrahlt worden. Die neue Staffel führt die Geschichte nahtlos vom Ende der dritten Staffel weiter – und die ersten beiden Episoden folgen leider wieder dem bekannten Muster aus interessanten Story-Ansätzen, aber zu viel Pathos und mitunter bleiernen Dialogen.

Die Voraussetzungen sind eigentlich günstig: Die Discovery hatte am Ende der dritten Staffel das Rätsel um den Brand, also das Verschwinden der Dilithium-Vorkommen, gelöst und die Föderation samt Sternenflotte wieder aus der Versenkung gehoben. Zum Start der vierten Staffel hat sich der Sternenbund bereits vergrößert und operiert nicht mehr versteckt.

Ausgangslange ist eigentlich günstig

Für uns klingt das – wie zu Beginn von Staffel 3 – nach einem guten Ausgangspunkt, um spannende Geschichten rund um die Neuausrichtung der Sternenflotte zu erzählen. In den ersten beiden Folgen gibt es diesbezüglich auch Ansätze, die Hauptgeschichte der neuen Staffel soll sich aber offenbar um eine mysteriöse Anomalie drehen.

Bereits zu Beginn der ersten Folge halten wir die Möglichkeit für sehr hoch, dass sich Zuschauer früherer Star-Trek-Serien abwenden werden: In der Szene soll eine Rasse aus Schmetterlingsmenschen, die für unseren Geschmack etwas albern wirken, davon überzeugt werden, bei der Sternenflotte mitzumachen. Dabei werden Gefühlsduselei und billiger Humor gemischt, was zu etwas führt, das junge Menschen heutzutage wohl als "cringe" bezeichnen würden.

Leider ist das nur der erste von vielen Fremdscham-Momenten der ersten beiden Folgen der vierten Staffel. Auch die ausgelassene Ferienlagerstimmung auf der Brücke mit der zur Captain beförderten Michael Burnham als übertrieben einfühlsame beste Freundin empfinden wir häufig als aufgesetzt und nicht zur Situation passend.

Reklame

Star Trek: Discovery - Staffel 2 [Blu-ray]

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Endlose Dialoge und erwartbare Story-Elemente

Dazu kommen wieder hölzerne und gefühlt endlose Dialoge und Szenen, die wir uns auch weniger ausführlich hätten vorstellen können – etwa die Situation auf der taumelnden Reparaturstation in Folge 2. Zudem hätten wir uns nach dem Ende der dritten Staffel gewünscht, dass der Beginn der neuen Staffel etwas weniger erwartbar wird.

So wurden unsere Vermutungen bezüglich Saru bestätigt: Der Kelpianer kehrt natürlich auf die Discovery zurück und ist vollkommen einverstanden damit, dass er nicht wieder die Führung des Schiffs im Rang eines Captain übernimmt, sondern als Co-Captain und erster Offizier fungiert. Um Missverständnissen vorzubeugen, soll die Crew ihn künftig Mr. Saru nennen, was er im typischen Duktus von Mr. Spock "akzeptabel" findet – der Versuch einer Verbeugung vor der originalen Star-Trek-Serie, der für unseren Geschmack zu aufgesetzt wirkt.

Es ist nicht alles schlecht

Neben dem Pathos, den teilweise langen und mitunter peinlichen Dialogen und den erwartbaren Story-Elementen finden sich aber auch in den ersten beiden Folgen der vierten Staffel von Discovery Lichtblicke. Die sich entwickelnde Hauptstory – eine geheimnisvolle Anomalie, die Welten verschlingt und dabei nicht zufällig agiert, sondern offenbar gesteuert wird – verspricht durchaus spannende Momente.

Allerdings wäre ein derartiger Erzählstrang in früheren Serien wie Deep Space 9 oder Enterprise in einem Story-Bogen über drei Folgen erzählt worden – also in deutlich kompakterer und wohl auch spannenderer Art und Weise. Sollte die Geschichte tatsächlich die komplette vierte Staffel von Discovery ausfüllen, würde das die bereits in den ersten beiden Folgen auftauchenden langen Dialoge erklären, die die Geschichte auffüllen müssen.

Ein weiterer Lichtblick ist für uns die neue Präsidentin der Föderation, Laira Rillak (gespielt von Chelah Horsedal), die unter anderem aus The Man In The High Castle bekannt ist. Die Figur ist – ob von den Machern der Serie gewollt oder ungewollt – der Inbegriff von Vernunft und weist Captain Burnham auf ihre gefühlsgeschwängerten (Fehl-)Entscheidungen hin. Rillak erinnert in ihrem Auftreten an die Captains früherer Star-Trek-Serien, was ihre Souveränität und ihre Übersicht über die Situation betrifft.

Uniformen sehen endlich wieder gut aus

Zu loben sind außerdem die sehr guten optischen Effekte und der Sound der Serie. Auch die neuen Uniformen finden wir sehr gelungen und wesentlich besser als die der drei vorherigen Staffeln.

Star Trek: Discovery Staffel 4 NYCC Trailer
Star Trek: Discovery Staffel 4 NYCC Trailer (02:06)

Bei aller Kritik an den gefühlsduseligen Dialogen muss man aber auch festhalten, dass Discovery immer noch die erste Star-Trek-Serie ist, bei der Zuschauer überhaupt etwas von den Gefühlen der Charaktere mitbekommen. In früheren Serien waren persönliche Probleme, Zweifel, Gewissensbisse und Sinnkrisen, wenn überhaupt, nur in einzelnen Episoden ein Thema. Für unseren Geschmack stimmt allerdings auch zu Beginn der vierten Staffel das Verhältnis zwischen Story und Charakterentwicklung nicht.

Da wir bisher nur die ersten beiden Folgen gesehen haben, besteht die Hoffnung, dass sich dieses Verhältnis im Laufe der aktuellen Staffel noch einpendelt. Die Grundstory halten wir für spannend, ebenso den Aspekt, die Neuschaffung der Föderation zu zeigen. Inwieweit die Macher der Serie dieses Potenzial nutzen werden, wird sich zeigen.

Reklame

Star Trek: Discovery - Staffel 2 [Blu-ray]

Jetzt bestellen bei Amazon (öffnet im neuen Fenster)

Die Zuschauer sind bislang offenbar ähnlich unbeeindruckt von den ersten beiden Folgen wie wir: Bei Rotten Tomatoes(öffnet im neuen Fenster) bekommt die vierte Staffel bislang ein Bewertungsergebnis von nur 24 Prozent, dem niedrigsten Stand aller bisheriger Staffeln. Professionelle Kritiker bewerten die Serie hingegen mit 83 Prozent – ein derartiges Missverhältnis gab es bereits in den vorigen Staffeln der Serie. Denkbar ist, dass hauptsächlich Star-Trek-Fans die Serie bewertet haben – die Zielgruppe besteht aber womöglich auch eher aus Scifi-Fans, denen der bisherige Star-Trek-Kanon nicht wichtig ist.

Abstriche beim Nutzungskomfort bei Pluto TV

Die vierte Staffel von Star Trek Discovery wird wöchentlich über ViacomCBS' kostenlosen, linearen Streamingdienst Pluto TV ausgestrahlt. Die neuen Folgen laufen freitags, samstags und sonntags um 21 Uhr; die englische Originalversion gibt es auf Pluto TV Scifi, die deutsche Synchronisation auf Pluto TV Star Trek. Die Bildqualität empfinden wir als gut genug.

Anders als bisher bei Netflix gibt es allerdings keine Möglichkeit, verpasste Folgen nachzuholen. Discovery gibt es bei Pluto TV zwar auch als On-Demand-Angebot, allerdings nur die erste Staffel. Pluto TV kann auf PCs, Mobilgeräten und einigen Smart TVs abgerufen werden.


Relevante Themen