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Die Wahrheitssuchenden als Helden

Alles in allem serviert Spielberg uns in Disclosure Day statt neuer Gedanken nur verkitscht romantisierte Alien-Klischees – das jedoch nicht ansatzweise so liebevoll gestaltet und atemberaubend magisch präsentiert, wie in dem nach wie vor tollen Begegnung der dritten Art, der trotz Klischees immer noch wunderbar funktioniert. Verschwörungstheoretiker und Ufo-Zeugen, die fest an ihre eigenen Erlebnissen mit Außerirdischen glauben, dürften Disclosure Day trotzdem lieben.

Manche von ihnen vermuten online sogar(öffnet im neuen Fenster), Spielbergs neues Werk sei tatsächlich Teil einer Enthüllungskampagne, die uns schon einmal seicht auf die in Kürze dann wirklich erfolgende Offenbarung über reale Aliens einstellen soll. Wer das glaubt, wird sich von diesem Film abgeholt und durchaus sogar gewürdigt fühlen.

Nicht nur, weil Spielberg und Koepp die Wahrheitssuchenden zu ihren Helden erklären, sie durchweg als gutmütige Menschen zeigen, die moralisch und ethisch stets das Richtige tun. Sie verwenden auch in Ufo-Communitys übliche Begriffe wie "Experiencer", als wären es etablierte, wissenschaftliche Fachwörter und bieten somit ein allgemeines Gefühl von Bestätigung für all jene, die sich für ihren Ufo- und Alien-Glauben von der Welt ungerecht behandelt fühlen.

Auf diese Art könnten wir der eingangs beschriebenen Wrestling-Szene noch eine weitere Lesart hinzufügen. Vielleicht soll dieser Filmbeginn ein Ausdruck von Mitgefühl und Solidarisierung von Steven Spielberg sein, der selbst daran glaubt(öffnet im neuen Fenster), dass Regierungen uns Wissen über Aliens vorenthalten.

Schläge und Tritte gegen das eigene Publikum, im übertragenen Sinne, sind womöglich ein Moment der Empathie. Als wolle er allen Ufo-Gläubigen da draußen mitteilen, dass er genau weiß, wie viel sie für ihre Überzeugung einstecken müssen und wie sehr sie gewiss auch darunter leiden, oft ausgelacht und nicht ernstgenommen zu werden. Bevor wir zusammen in seinem Film die Wahrheit erfahren dürfen, müssen wir alle erst einmal gemeinsam etwas Kloppe aushalten.

Aber nur für diesen einen Moment, denn bald darauf kommt die lang ersehnte Wahrheit ans Licht, dann haben sich die symbolisch erlebten Schmerzen gelohnt. Und dieser ganze Kampf, wie gemeinhin beim Wrestling üblich, ist ja auch nur inszeniert, um die Blicke der Massen abzulenken.

Falls das die Intention ist, hat Yorgos Lanthimos Derartiges, jedoch facettenreicher, anspruchsvoller und erfrischender, letztes Jahr in Bugonia sehr viel besser hinbekommen.

Als es spannend werden könnte, ist es einfach vorbei

Und das mag vielleicht auch etwas zu viel der Interpretation sein. Sollte Steven Spielberg sich wirklich derart ausufernde Gedanken nur über diese ersten Sekunden von Disclosure Day und deren Symbolkraft gemacht haben, würde umso mehr verwundern, wie wenig durchdacht und austauschbar die restliche Handlung verläuft. Und ausgerechnet ganz zum Schluss, als er plötzlich doch noch hätte spannend werden können, ist der Film dann leider einfach kommentarlos vorbei.

Sich mit den weitreichenden Folgen eines möglichen Disclosure Days inhaltlich auseinanderzusetzen, das war Spielberg dann nämlich doch zu viel des Guten. Wir hätten seinen Film lieber genau da beginnen lassen.

Disclosure Day ist am 10. Juni 2026 in den Kinos erschienen.


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