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Modern und veraltet zugleich

Obwohl von Spielbergs Stamm-Kameramann Janusz Kaminski auf 35mm analog gefilmt, sieht Disclosure Day auch nur solide aus. Anamorphe Lensflare-Streifen in Dialogszenen stören oft mehr, als dass sie Szenen visuell aufwerten würden. Der Gesamtlook wirkt, besonders farblich, die meiste Zeit über sehr durchschnittlich.

Auf der Habenseite gibt es viele dynamische Kamerafahrten und interessantes Spiel mit Reflexionen, etwa in der Windschutzscheibe eines Autos bei Nacht, die in diesen Momenten davon zeugen, dass hier zwei Meister ihres Fachs am Werke sind – nicht auf Höhe der von ihnen gewohnten Möglichkeiten, aber die großen Probleme ihres neuen Films liegen viel mehr beim Script.

Als überzeugendes "Was wäre wenn"-Szenario funktioniert Disclosure Day nur bedingt, weil Spielberg und Co-Autor David Koepp ihre Handlung zwar in unserer Gegenwart ansiedeln, gut erkennbar am Einsatz von Smartphones, die Möglichkeiten des Internets oder von moderner KI hingegen konsequent ausblenden.

Warum die Whistleblower unbedingt quer durch die Pampa fahren müssen, um ihre Datensticks bei einem bestimmten lokalen Fernsehsender auf Server zu laden und dort im analogen Fernsehen zu verbreiten, wird beispielsweise nie befriedigend erklärt.

Es mutet an, als würden die Protagonisten einem Plan folgen, der mal vor mehr als dreißig Jahren aufgestellt und dann nie mehr an die heutige Realität angepasst wurde. Für die ganze Medienwelt der heutigen Zeit, auch Möglichkeiten von Social Media, zeigt die Handlung von Disclosure Day gar kein erkennbares Bewusstsein. Die Drehbuchidee soll Spielberg schon lange mit sich herumgetragen haben, aber das kann für solche Unstimmigkeiten keine Entschuldigung sein.

Auf der anderen Seite möchte Spielberg nämlich überdeutlich mit der Aktualität anbandeln, an heutige UAP-Sichtungen und damit verbundene Veröffentlichungen des Pentagons aus den vergangenen Jahren. Im Prinzip alles, was die erfolgreiche(öffnet im neuen Fenster), obgleich inhaltlich umstrittene(öffnet im neuen Fenster) Dokumentation The Age of Disclosure(öffnet im neuen Fenster) unter ähnlichem Titel erst vergangenes Jahr zum Thema zusammengefasst hat. Spielbergs Disclosure Day ist ein Science-Fiction-Film, der sich wegen dieser direkten Bezüge, etwa auf die berühmten Tic-Tac-Videos(öffnet im neuen Fenster) des Pentagons, einerseits aktuell und im restlichen Geschehen mit seinem Plot zugleich total altbacken anfühlt.

The Age of Disclosure – Dokumentation (Filmtrailer)
The Age of Disclosure – Dokumentation (Filmtrailer) (01:29)

Spielbergs Vorstellungskraft in Bezug auf die Außerirdischen selbst scheint zu allem Überfluss nicht mehr über das hinausgehen zu können, was er uns bei seiner Begegnung der dritten Art, der von ihm produzierten Ufo-Fernsehserie Taken(öffnet im neuen Fenster) von 2002 oder in Indiana Jones 4(öffnet im neuen Fenster) schon mehrmals ähnlich gezeigt hat.

Wer sich mehr erhofft als die üblichen grauen Männchen, um es mal sinngemäß zu umschreiben, wird sehr enttäuscht sein. Und die immer etwas zu künstlich wirkenden CGI-Effekte sind dabei auch nur gerade so in Ordnung. Wirklich Spektakuläres, das ganz kurz faszinierend aussieht, gibt es nur in einer Art Collage, die schneller vorbei ist, als man Ufo oder UAP buchstabieren kann.


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