Direct Air Capture: US-Regierung gibt Milliardensumme für CO2-Absaugung aus

Die Kohlendioxidabscheidung aus der Luft ist eine umstrittene Methode. In den USA sollen nun zwei große Pilotanlagen aufgebaut werden.

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So könnte die Anlage von 1Pointfive künftig aussehen.
So könnte die Anlage von 1Pointfive künftig aussehen. (Bild: 1PointFive)

Die US-Regierung unterstützt den Bau von zwei Anlagen zur Kohlendioxidabscheidung aus der Luft mit 1,2 Milliarden US-Dollar. "Es wird erwartet, dass diese Projekte zusammen mehr als 2 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr aus der Atmosphäre entfernen – eine Menge, die den jährlichen Emissionen von etwa 445.000 benzinbetriebenen Autos entspricht", teilte das US-Energieministerium am 11. August 2023 mit. 4.800 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Der Mitteilung zufolge wird eine der Fabriken in Texas, die andere in Louisiana gebaut. Verantwortlich dafür sind die Firmen Battelle zusammen mit Climeworks Corporation und Heirloom Carbon Technologies sowie 1Pointfive zusammen mit Carbon Engineering und Worley. 1Pointfive ist eine Tochterfirma des US-amerikanischen Ölkonzerns Occidental Petroleum. Einem Bericht der New York Times zufolge übernehmen die Firmen die Hälfte der Baukosten.

Neue Größenordnung der Anlagen

Das Schweizer Unternehmen Climeworks hat bereits solche Anlagen zur Kohlendioxidabscheidung (Direct Air Capture/DAC) in Island gebaut. Solche Systeme benötigen viel Energie, um die Luft anzusaugen und um anschließend das Kohlendioxid vom Absorptionsmittel zu trennen.

Die nun angekündigten Projekte sollen jedoch eine völlig neue Größenordnung aufweisen. Es handele sich um die weltweit größte Investition in die technische Abscheidung von Kohlendioxid in der Geschichte, schreibt das Energieministerium. Jeder Standort werde mehr als 250-mal so viel Kohlendioxid abscheiden als die größte derzeit in Betrieb befindliche DAC-Anlage. Die zuletzt von Climeworks in Island geplante Anlage soll 36.000 Tonnen CO2 im Jahr abscheiden und 2024 in Betrieb geben. Jede der US-Anlagen wäre dann rund 28-mal größer.

Nach Angaben von 1Pointfive umfasst der Standort in Südtexas etwa 106.000 Hektar Porenraum, in dem schätzungsweise bis zu 3 Milliarden Tonnen CO2 in salinen Formationen gespeichert werden könnten. Potenziell könnte die Anlage bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 im Jahr abscheiden.

Netto-Null-Wirtschaft bis 2050

"Wir müssen auch das CO2 entfernen, das wir bereits in die Atmosphäre eingebracht haben – was nach fast allen Klimamodellen unabdingbar ist, um bis 2050 eine weltweite Netto-Null-Wirtschaft zu erreichen", sagte US-Energieministerin Jennifer M. Granholm. Die US-Regierung will ein landesweites Netzwerk solcher Anlagen aufbauen. Bis zum Jahr 2050 sollen diese in der Lage sein, 400 Millionen bis 1 Milliarde Tonnen CO2 im Jahr abzuscheiden.

Unter Klimaschutzexperten ist das Konzept einer Netto-Null-Wirtschaft jedoch umstritten. Dieses Konzept besagt, dass entstehende Emissionen durch andere Maßnahmen wie natürlichr CO2-Senken (Wälder, Moore) oder durch technische Verfahren kompensiert werden. "Wir sind zu der schmerzlichen Erkenntnis gelangt, dass das Net-Zero-Konzept die rücksichtslose, sorglose Einstellung 'Verbrenne jetzt, bezahl später' gefördert hat, die die CO2-Emissionen weiter ansteigen ließ. Außerdem hat sie die Zerstörung der Natur durch die zunehmende Abholzung der Wälder beschleunigt und das Risiko weiterer Zerstörungen in der Zukunft stark erhöht", schrieben die Klimawissenschaftler James Dyke, Robert Watson und Wolfgang Knorr im Jahr 2021.

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dummzeuch 15. Aug 2023

Naja, wenn man dieselbe Menge CO2 vermeidet oder aus der Atmosphäre entzieht, hat das...

kilrathi 14. Aug 2023

Und dann einmal überregulieren dann für paar jahre viel zu heiß? :P

kilrathi 14. Aug 2023

Was du dabei vergisst: Wir Menschen deregulieren das Wetter / das Weltklima schon mit...

Harryhh 13. Aug 2023

Denen sollte man einen Preis verleihen für ihre Meisterleistung. Erst verdienen sie sich...



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