Direct Air Capture (DAC): Amazon-Rechenzentrum soll CO2 günstig aus der Luft filtern

Wie alle großen Betreiber von Rechenzentren schafft auch Amazon Web Services (AWS) es kaum, seinen CO 2 -Ausstoß zu senken: Laut aktuellem Nachhaltigkeitsreport (PDF)(öffnet im neuen Fenster) blieben die Emissionen 2023 gegenüber dem Vorjahr fast konstant. Und der KI-Boom sorgt tendenziell eher für steigende Emissionen. Also müssen neue Ideen her, etwa die Rechenzentren CO 2 aus der Luft filtern zu lassen.
Dafür kooperiert AWS mit dem Start-up Orbital Materials(öffnet im neuen Fenster) . Es soll ein Material entwickeln, das effektiv CO 2 bindet. An solchen Materialien wird aktiv geforscht . Ziel ist laut der Online-Zeitung Semafor(öffnet im neuen Fenster) , die CO 2 -Abscheidung günstiger zu machen als den Kauf von Emissionszertifikaten.
Grundlage ist das Verfahren Direct Air Capture (DAC) . Riesige Ventilatoren saugen Umgebungsluft an, dieser wird dann das CO 2 entzogen. Der Vorteil eines Rechenzentrums: Die meisten verfügen bereits über eine Menge Ventilatoren für die Kühlung. Google will eine ähnliche Technik nutzen . Den Einsatz der Technik plant Orbital Technologies für Ende 2025, wo sie eingesetzt wird, steht noch nicht fest.
Mit KI schnell zu funktionalen Materialien
Zunächst muss noch das Material, welches die Abscheidung übernehmen soll, entwickelt werden. Dank eines selbst entwickelten KI-Modells namens Orb soll das besonders schnell gehen: Orb soll die Interaktion von Atomen in komplexen Molekülen simulieren und so ihre Eigenschaften untersuchen.
Gegenüber einer klassischen mathematischen Simulation sollen KI-Modelle bei nur leichten Genauigkeitsverlusten deutlich schneller sein. Das erlaubt, wesentlich mehr Verbindungen in gleicher Zeit zu untersuchen und so schneller potenziell interessante Moleküle für einen bestimmten Einsatz zu finden. Neben neuen Verbindungen für die CO 2 -Abscheidung erhofft sich Orbital Materials auch Durchbrüche bei Batterie- und Halbleitertechnologie, AWS verspricht sich Effizienzgewinne bei Kühlung und Wassernutzung.
Laufen soll das Modell bei AWS über Sagemaker Hyperpod, es steht auch Kunden offen. Neben der aktuell genutzten Nvidia-Hardware wollen die Entwickler auch AWS Trainium-Beschleuniger testen. Orb wird zudem auf Github bereitgestellt(öffnet im neuen Fenster) , es soll genauer und insbesondere bei komplexen Verbindungen deutlich schneller sein als andere Modelle.
Gegründet wurde Orbital Materials von einem ehemaligen Mitarbeiter von Google Deepmind. Das Unternehmen konnte zudem den ehemaligen wissenschaftlichen Leiter von Climeworks für sich gewinnen, das ebenfalls an DAC arbeitet. Zu den Investoren zählt unter anderem Nvidias Nventures.



