Kommunen setzen auf digitale Beteiligung
Dipas ist aber nicht das einzige Online-Beteiligungsverfahren, das deutsche Städte und Gemeinden nutzen. Nürnberg führt schon seit 2013 regelmäßig solche Projekte durch. Berlin nutzt Meinberlin.de. Sachsen-Anhalt baut ein eigenes Online-Beteiligungsportal auf. Soltau befragt Bürgerinnen und Bürger regelmäßig, welchen Film sie als einen von dreien sehen wollen, den die Stadt im Sommerkino im Böhme-Familienpark zeigt. Die Aufzählung ist nicht abschließend.
Insgesamt beteiligen 96 Prozent aller deutschen Großstädte sowie 85 Prozent der ostdeutschen und 70 Prozent der westdeutschen Mittelstädte ihre Bürgerinnen und Bürger digital an Planungsprozessen. Das tun auch sechs von zehn Kleinstädten in den ostdeutschen Bundesländern und 43 Prozent der westdeutschen Kleinstädte, so das Ergebnis einer von der Technischen Universität Dresden und der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf durchgeführten Studie(öffnet im neuen Fenster). Sie wurde im Februar 2026 veröffentlicht.
Großstädte nutzen E-Partizipation vor allem in der Verkehrsentwicklung sowie beim Umwelt- und Klimaschutz. In kleineren Kommunen geht es um die Entwicklung der Stadt oder der Gemeinde sowie das Management von Mängeln im öffentlichen Raum und in kommunalen Gebäuden. Dazu nutzen sie häufig keine großen Lösungen wie Dipas, sondern Apps und Messengerdienste wie Whatsapp.
Städte und Gemeinden stärken die Demokratie
In allen Gemeindetypen geht es aber darum, Entscheidungsprozesse transparenter zu machen. Acht von zehn Großstädten wollen dabei auch analog unterrepräsentierte Gesellschaftsgruppen erreichen. "Digitale Bürgerbeteiligung kann ein Baustein für eine resiliente Demokratie sein", fasst Professor Stefan Marschall, Leiter der Studie aufseiten der Heinrich-Heine-Universität, zusammen.
E-Partizipation eignet sich dazu besonders gut. Denn sie hat eine erheblich größere Reichweite als klassische Beteiligungsverfahren (PDF)(öffnet im neuen Fenster). "Die Beteiligung ist mindestens um den Faktor zehn, aber auch bis zum Faktor 10.000 höher", berichtet Oliver Märker, Mitgründer und Geschäftsführer der Zebralog GmbH, einer Agentur für crossmediale Bürgerbeteiligung.
Wenn sie diesen Hebel nutzen, stärken Städte und Gemeinden die Demokratie – egal ob sie eigene Plattformen entwickeln oder das von Hamburg und den an der Anwender-Community beteiligten Städten und Gemeinden entwickelte Dipas nutzen.
Der Autor meint
Die Bundesverwaltung bleibt dahinter weit zurück. Seit einem Jahr ist Karsten Wildberger Bundesminister und damit Chef des neu geschaffenen Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung. Mehr als Konzeptpapiere und Pilotprojekte hat er bislang aber nicht vorgelegt.
Statt selbst zu liefern, dissen seine Berater lieber einzelne Bundesländer, weil deren digitale Lösungen Schwächen haben. Damit helfen sie nicht der Demokratie, sondern deren Feinden.
Nach der aktuellen Sonntagsfrage würde die AfD die nächste Bundestagswahl mit einem Prozentpunkt vor der CDU gewinnen(öffnet im neuen Fenster), fände der Urnengang am nächsten Sonntag statt. Schuld daran ist auch Wildbergers gescheiterte Digitalisierungs- und Modernisierungspolitik.
Zwei von drei Deutschen erwarten, "dass der Staat neue Technologien gezielt für eine höhere Effizienz der Verwaltung einsetzt". Das geben sie im aktuellen E-Government-Monitor der Initiative D21 an (PDF)(öffnet im neuen Fenster). Weil der Staat das nicht schafft, glaubt nur noch ein Drittel der Deutschen an seine Leistungsfähigkeit. Als der Hamburger Olaf Scholz die Bundesregierung führte, waren immerhin noch vier von zehn Deutschen überzeugt, dass die Verwaltung leistungsfähig ist.