Künstliche Intelligenz unterstützt Planer
Das reicht allerdings nicht, um Bürgern das Gefühl zu geben, dass ihr Engagement wahrgenommen, wertgeschätzt und als Grundlage für die weitere Planungsarbeit der Stadt genutzt wird. Das gelingt nur, wenn ihre Beiträge ausgewertet und für die Arbeit der Behörden aufbereitet werden.
Lange geschah das in Hamburg manuell und war daher sehr zeitaufwendig. Seit 2025 unterstützt die Beamtinnen und Beamten das Modul Dipas_analytics. Es nutzt künstliche Intelligenz, um besonders kontrovers diskutierte Vorschläge und Posts schon während des laufenden Beteiligungsverfahrens zu erkennen und sichtbar zu machen.
Außerdem extrahiert es planungsrelevante Kernaussagen aus Beiträgen und ordnet sie einzelnen Aspekten des Planungsvorhabens zu – etwa seiner Auswirkung auf den Verkehr, das innerstädtische Klima oder die Umwelt.
Dazu nutzt das Modul ein in Deutschland betriebenes quelloffenes Large-Language-Modell und offene Schnittstellen nach dem Standard des Open Geospatial Consortiums. So bleibt jederzeit erkennbar, auf welchen Ort in der Stadt sich ein Post bezieht.
Städte- und Gemeindebund zeichnet Dipas aus
Das passiert nicht nur in Hamburg. Die Hansestadt hat Dipas von Anfang an so angelegt, dass andere Kommunen die Lösung nachnutzen können. Deshalb ist die Software Open Source und nutzt standardisierte Schnittstellen. Der IT-Dienstleister Dataport AöR bietet Dipas zudem als Service an, was Bremen und Kiel nutzen.
München hat mit Dipas den Stadtentwicklungsplan für seine Innenstadt für die nächsten 20 Jahre erarbeitet. Leipzig nutzt das Digitale Partizipationssystem im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zur Neugestaltung des Matthäikirchhofs – der ehemaligen Außenstelle des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) in der Stadt. Der Bund will auf dem Gelände das zentrale Archiv für die sächsischen Stasi-Unterlagen neu bauen. Dessen Umfeld plant und gestaltet die Stadt.
Inzwischen ist eine Dipas-Anwender-Community entstanden, zu der neben Hamburg, Leipzig und München auch Bremen, Kiel, Frankfurt an der Oder und Haßfurt gehören. Wuppertal und Frankfurt am Main testen das System. Die Gemeinschaft entwickelt Dipas zusammen so weiter, wie es die einzelnen Mitglieder benötigen.
"Dass Dipas heute über Hamburg hinaus in vielen Kommunen zum Einsatz kommt, ist Ergebnis dieser starken praxisnahen Zusammenarbeit zwischen Städten", betont Hamburgs Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Karen Pein. Das sieht auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund so. Er zeichnete die Dipas-Anwender-Community 2025 mit dem Siegel Bewährt vor Ort aus(öffnet im neuen Fenster). Dieses erhalten kommunale Projekte, die in der städtischen Verwaltungspraxis nachweislich funktionieren und das Potenzial haben, bundesweit als Vorbild zu dienen.