Digitaltrend: Internetnutzung in Deutschland sinkt deutlich
Die Internetnutzung der Menschen in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr spürbar zurückgegangen. Wie die aktuelle Postbank Digitalstudie 2026 (PDF-Dokument)(öffnet im neuen Fenster) zeigt, verbringt die Bevölkerung im Schnitt noch 67,4 Stunden pro Woche im Netz.
Das entspricht einem Rückgang von rund fünf Stunden gegenüber 2025. Maßgeblich für diese Entwicklung ist vor allem das veränderte Nutzungsverhalten der unter 40-Jährigen, die ihre Online-Aktivitäten, insbesondere am Smartphone, gezielt reduzieren.
Das Smartphone bleibt dabei mit großem Abstand das wichtigste Tor zur digitalen Welt – 86 Prozent der Bevölkerung nutzen es für den Internetzugang. Aber auch hier ist die Bildschirmzeit rückläufig: Die wöchentliche mobile Nutzung sank von 25,7 auf 23,9 Stunden.
Damit die Ergebnisse nicht nur einzelne Nutzergruppen abbilden, wurden für die Untersuchung zwischen April und Mai dieses Jahres 3.050 Menschen befragt. Die Stichprobe wurde nach Bundesland, Alter und Geschlecht gewichtet und mit dem Mikrozensus 2022(öffnet im neuen Fenster) des Statistischen Bundesamtes abgeglichen. Dadurch sollen die Ergebnisse möglichst repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sein.
Bewusster online statt ständig erreichbar
Besonders deutlich zeigt sich die digitale Erschöpfung bei den unter 40-Jährigen, jener Generation, die oft als "always-on" gilt. Zwar bilden sie mit über 80 Stunden wöchentlicher Internetzeit noch immer die Spitze der Intensivnutzer. Doch gerade bei ihnen fiel die reine Smartphone-Zeit im Vorjahresvergleich um drei Stunden auf 31 Stunden pro Woche. Fast jeder dritte unter 40-Jährige plant zudem, die private Internetnutzung in den kommenden zwölf Monaten weiter einzuschränken. Über alle Altersgruppen sind es sogar 17 Prozent.
David Dommel, Leiter des digitalen Performance-Marketings der Postbank, erklärt diese Entwicklung so: "Mobil ins Internet zu gehen, gehört fest zum Tagesablauf der Deutschen. Doch vor allem junge Menschen wollen auch mal offline sein. Das gilt besonders fürs Handy, weil es überall verfügbar ist." Hinter dem Wunsch nach weniger Internetzeit steht vor allem die Suche nach mehr Freiraum im Alltag. 41 Prozent derjenigen, die ihre Online-Zeit reduzieren wollen, möchten mehr Zeit für Familie, Freunde, Hobbys oder andere Dinge haben.
Für 38 Prozent steht der Wunsch im Vordergrund, sich weniger ablenken zu lassen. Auch negative gesundheitliche Auswirkungen (36 Prozent) und der Wunsch nach mehr Konzentration (33 Prozent) sind zentrale Motive für den digitalen Rückzug. "Die Menschen in Deutschland unterscheiden bewusster zwischen notwendigen und überflüssigen Online-Aktivitäten", sagte Dommel.
Das zeigt sich auch bei der Auswahl der Onlineangebote: Während Onlinebanking mit 51 Prozent regelmäßiger Nutzung stabil bleibt, verlieren stärker unterhaltungsgetriebene Dienste an Bedeutung. Als regelmäßig gilt in der Studie, was täglich oder mehrmals pro Woche genutzt wird. Bei Social-Media-Kanälen wie Instagram oder Tiktok fiel dieser Anteil von 71 auf 64 Prozent. Messenger-Dienste gingen von 81 auf 77 Prozent zurück, Youtube-Videos von 53 auf 45 Prozent.
Künstliche Intelligenz als neuer Magnet
Trotz der sinkenden Nutzungszahlen kann die Postbankstudie keinen endgültigen Abgesang auf das Internet ausmachen. Insbesondere im Job bleibt das Netz unverzichtbar, wo Berufstätige im Schnitt 2,8 Stunden täglich hauptsächlich über Notebooks und Desktop-PCs online sind. Und es gibt einen neuen Treiber, der das Potenzial hat, die Bildschirmzeit wieder in die Höhe zu treiben: künstliche Intelligenz.
Trotz des Bedürfnisses nach mehr Balance bleibt die Offenheit für neue Technologien groß. Unter den Befragten, die das Internet künftig stärker nutzen wollen, ist KI mit 56 Prozent der mit Abstand wichtigste Grund für eine intensivere Nutzung. Schon heute nutzen 38 Prozent der Deutschen KI-Tools wie ChatGPT zur gezielten Informationssuche. Die wachsende Bedeutung von KI zeigt sich auch daran, dass mehr Menschen für entsprechende Anwendungen bezahlen.
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