Abo
  • Services:

Digitalmedizin: Wenn das Pflaster die Wunde überwacht

Intelligentes Pflaster, Ultraschall "to go" aus dem Google Play Store und die 3D-Datenbrille im OP: Die Digitalisierung hat die Medizin erfasst. Der Arztberuf wird sich durch Apps, Clouds und Roboter verändern.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Mittels der würfelförmigen Trivisio-Kameras wird ein Lymphknoten in 3D rekonstruiert und seine Position in Echtzeit in der Brille des Arztes eingeblendet.
Mittels der würfelförmigen Trivisio-Kameras wird ein Lymphknoten in 3D rekonstruiert und seine Position in Echtzeit in der Brille des Arztes eingeblendet. (Bild: ©Trivisio Medica)

Das "intelligente Pflaster" überwacht die Wundheilung und meldet Unregelmäßigkeiten per App dem Arzt oder Patienten. Ein Handschuh mit Sensoren misst Signale, leitet die Daten an einen externen Netzwerkspeicher weiter. So sollen für bestimmte Epilepsie-Typen Anfälle vorausgesagt werden können. Oder der Chirurg setzt eine 3D-Brille auf, die ihm bei einer Tumoroperation die exakte Position eines Lymphknotens übermittelt.

Stellenmarkt
  1. Technische Universität Darmstadt, Darmstadt
  2. Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart, Stuttgart

Die Digitalisierung der Medizinwelt erscheint manchmal wie Science-Fiction. In Arztpraxen, Kliniken oder auf dem Handy des Patienten ist sie oft schon Realität. Zur Bühne für den technischen Fortschritt in der Medizinbranche wird von Montag bis Donnerstag wieder die weltgrößte Medizinmesse Medica in Düsseldorf mit mehr als 5.000 Ausstellern. "Digitalisierung" - das Wort ist überall zu hören.

Vernetzung, Clouds, Apps, Big Data, künstliche Intelligenz und Roboter prägen die medizinische Produktentwicklung immer stärker, verkünden die Veranstalter. Dass der Deutsche Krankenhaustag ein Sonderprogramm in Höhe von einer Milliarde Euro für eine Digitalisierungsoffensive in den Kliniken fordert, wirkt fast wie ein Subtext zu diesem Befund.

Digitalisierung löst nicht alle Probleme

Ein Allheilmittel ist die Digitalisierung nach Einschätzung von Experten aber nicht: "Nicht alles, was digital ist, ist automatisch gut, und nicht alles, was man selber messen kann, ist immer hilfreich", sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). So könnten ständige Messungen und kleine Abweichungen, die man sonst gar nicht bemerkt hätte, auch für Beunruhigung beim Patienten sorgen, sagt Schaefer mit Blick auf Gesundheitsapps für das Smartphone. "Bei den wenigen unterstützenden Apps, zu denen man Studien gemacht hat, ist der Nutzen meist nicht nachweisbar oder marginal."

Auch um das Thema Datensicherheit kommt kein Hersteller herum. Beim Sensor-Handschuh zur Epilepsie-Diagnostik etwa liefen noch Studien zur klinischen Bewertung. Auch belastbare Aussagen zur Datensicherheit könnten erst später getroffen werden, sagt Urs-Vito Albrecht von der Medizinischen Hochschule Hannover. Albrecht forscht unter anderem über Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps. Die "üblichen Datensicherheitsrisiken" für Cloud-Dienste, etwa die unerwünschte Auswertung durch Anbieter von Online-Speichern, bestünden auch hier, sagt er.

Der Ultraschall für unterwegs

Neu auf der Medica ist auch eine Ultraschall-App aus dem Google Play Store, die als "Ultraschall to go" etwa in der Notfallmedizin an Unfallorten zum Einsatz kommen soll. Die App wird auf dem Smartphone oder Tablet gestartet und dieses mit einem Schallkopf per USB-Kabel verbunden. Solche Kombinationen aus App und Hardware sind laut Albrecht leicht, oft günstiger und ermöglichen eine schnellere einordnende Diagnostik vor Ort als klassische Diagnosehilfen. Die Sicherheit hänge vom Hersteller ab.

Wie viele Stunden habe ich heute geschlafen? Habe ich einen gesunden Blutdruck? Diese persönlichen Gesundheitsfragen soll künftig der Cloud-basierte Sprachdienst Alexa von Amazon beantworten können. Zunehmend widmeten sich inzwischen fachfremde Akteure kommerziell dem Thema digitale Gesundheit, sagt Albrecht. "Grundsätzlich wäre gesellschaftlich zu diskutieren, wo denn hier die Grenzen gezogen werden sollen." Bei Fragen der Diagnostik und Therapie gelten laut Albrecht andere Maßstäbe als für Fitness- und Wellness-Apps. "Die Menschen haben in der Regel schon ein gutes Gespür dafür, mit welchem Thema sie sich wem anvertrauen oder ausliefern."

Für Franz Joseph Bartmann von der Bundesärztekammer haben manche sensorischen Messsysteme - "ob in Handschuh, Schuh oder Unterhemden integriert" - derzeit eher noch experimentellen Charakter, aber "für die Versorgung noch keine unmittelbare Relevanz." Gesundheits-Apps aber werden "erhebliche Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient" haben, sagt Bartmann.

Der Patient sei künftig "der Herr der Daten", die er dem Arzt zur Verfügung stelle. Es gebe schon erste Vorhersagen, dass der klassische Hausarzt "der erste sein könnte, der angesichts dieser Entwicklungen seine Bedeutung verlieren wird." Für die ältere Generation mit großer Krankheitslast mag der Gang zum Arzt noch eine emotionale Komponente haben. "Die jungen Leute, die mit digitalen Techniken groß geworden sind, entwickeln, bis es für sie soweit ist, mit Sicherheit eine ganz andere Einstellung", glaubt Bartmann.

Das gilt im Übrigen wohl auch für die Datensicherheit. Corinna Schaefer vom ÄZQ sagt: "Ich glaube, dass die meisten Menschen schon jedes Gefühl für die Privatheit von Daten verloren haben." Für Schaefer ist wichtig: "Bei medizinischen Interventionen sollte der Arzt den Patienten auch gesehen haben und nicht nur den Computer, der Algorithmen rechnet."



Anzeige
Top-Angebote
  1. (heute u. a. Beyerdynamic DTX 910 Kopfhörer, NZXT H700i Gehäuse, HP Notebook)
  2. (u. a. Canon EOS 2000D + Objektiv 18-55 mm für 299€ statt 394€ im Vergleich)
  3. ab 119,99€
  4. 263,99€

jnv 13. Nov 2017

Platitüden und Memes, was für eine Argumentation Das persönliche sollte das Arztgespräch...

plutoniumsulfat 13. Nov 2017

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber die genannten Dinge aus dem Artikel sind für...


Folgen Sie uns
       


Pathfinder Kingmaker - Golem.de live (Teil 2)

In Teil 2 unseres Livestreams wächst nicht nur unsere Party, sondern es gibt auch beim Endkampf jede Menge Drama, Wut und Liebe im Chat.

Pathfinder Kingmaker - Golem.de live (Teil 2) Video aufrufen
Augmented Reality: Das AR-Fabrikgelände aus dem Smartphone
Augmented Reality
Das AR-Fabrikgelände aus dem Smartphone

Derzeit ist viel von einer Augmented Reality Cloud die Rede. Golem.de hat mit dem Berliner Startup Visualix über den Stand der Technik und künftige Projekte für Unternehmenskunden gesprochen - und darüber, was die Neuerungen für Pokémon Go bedeuten könnten.
Ein Interview von Achim Fehrenbach

  1. Jarvish Motorradhelm bringt Alexa in den Kopf
  2. Patentantrag Apple plant Augmented-Reality in der Windschutzscheibe
  3. Magic Leap Lumin OS Erste Bilder des Betriebssystems für Augmented Reality

Campusnetze: Das teure Versäumnis der Telekom
Campusnetze
Das teure Versäumnis der Telekom

Die Deutsche Telekom muss anderen Konzernen bei 5G-Campusnetzen entgegenkommen. Jahrzehntelang von Funklöchern auf dem Lande geplagt, wollen Siemens und die Automobilindustrie nun selbst Mobilfunknetze aufspannen. Auch der öffentliche Rundfunk will selbst 5G machen.
Eine Analyse von Achim Sawall

  1. Stadtnetzbetreiber 5G-Netz kann auch aus der Box kommen
  2. Achim Berg "In Sachen Gigabit ist Deutschland ein großer weißer Fleck"
  3. Telefónica Bündelung von Bandbreiten aus 4G und 5G ist doch möglich

Probefahrt mit Tesla Model 3: Wie auf Schienen übers Golden Gate
Probefahrt mit Tesla Model 3
Wie auf Schienen übers Golden Gate

Die Produktion des Tesla Model 3 für den europäischen Markt wird gerade vorbereitet. Golem.de hat einen Tag in und um San Francisco getestet, was Käufer von dem Elektroauto erwarten können.
Ein Erfahrungsbericht von Friedhelm Greis

  1. 1.000 Autos pro Tag Tesla baut das hunderttausendste Model 3
  2. Goodwood Festival of Speed Tesla bringt Model 3 erstmals offiziell nach Europa
  3. Elektroauto Produktionsziel des Tesla Model 3 erreicht

    •  /