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Digitalisierung: Verlage setzen auf Automatisierung und KI

Nur ein Viertel der deutschen Zeitugnsverlage macht sich keine Sorgen wegen KI . Die Mehrheit will jedoch Prozesse damit automatisieren.
/ Friedhelm Greis
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Nicht nur das Layout, auch Zeitungsinhalte dürften künftig vermehrt von einer KI stammen. (Bild: Pixabay)
Nicht nur das Layout, auch Zeitungsinhalte dürften künftig vermehrt von einer KI stammen. Bild: Pixabay

Die meisten Zeitungsverlage in Deutschland wollen künftig mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) Prozesse automatisieren und journalistische Inhalte erstellen. Das geht aus der jährlichen Trendumfrage des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) unter Pressehäusern hervor, die am 13. Februar 2024 veröffentlicht wurde (PDF)(öffnet im neuen Fenster) .

Generell erwarten die Verlage der Umfrage zufolge, dass das Printgeschäft bis zum Jahr 2030 stark an Bedeutung verlieren wird. Der Anteil der Printabonnenten dürfte sich demnach von derzeit 70 auf 38 Prozent fast halbieren, während der Anteil der E-Paper-Abos von 17 auf 32 Prozent steigen soll. Mehr als verdoppeln soll sich der Umfrage zufolge der Anteil der Plus-Abonnenten mit einem Zuwachs von 13 auf 28 Prozent.

Automatisierung im Kundenservice geplant

Neben der Diversifizierung des Geschäftsmodells, beispielsweise durch zusätzliche Dienstleistungsangebote, sollen effizientere Arbeitsprozesse mögliche Umsatzverluste ausgleichen. Das betrifft beispielsweise die automatisierte Beantwortung von Kundenanfragen. So erwarten die 265 befragten Verlagsmitarbeiter, in den kommenden drei Jahren 76 Prozent der Anliegen beim Urlaubsservice automatisch beantworten zu können. Das betrifft beispielsweise das vorübergehende Aussetzen der Zeitungszustellung.

Die Umfrage verweist dabei auf ein Projekt des Medienhub Bremen-Nordwest, bei dem eine sogenannte Conversational AI den Kundenservice unterstützt. Einer entsprechenden Präsentation (PDF)(öffnet im neuen Fenster) zufolge konnten bereits 23,5 Prozent der Anfragen durch den Sprachbot Parloa abschließend bearbeitet werden. Der Sprachbot ist dabei mit einem SAP-System verknüpft und kann beispielsweise Gutschriften bei Nichtzustellung eines Zeitungsexemplars im Kundenkonto eintragen.

Automatisches Zeitungslayout weit verbreitet

Weitere Automatisierungsmöglichkeiten sehen die Verlage bei der Erstellung des Zeitungslayouts. So hielten 81 Prozent der Chefredakteure "die Printseiten-Automatisierung für einen relevanten Anwendungsfall bei KI und Automatisierung" . Die Umfrage verweist auf die norwegische Zeitung Aftenposten, die bereits 80 Prozent der Printseiten automatisch produziere. Die in Lippstadt ansässige Tageszeitung Der Patriot entschied sich im Januar 2024 dafür, künftig einen vollautomatisierten Printlayout-Prozess zu nutzen(öffnet im neuen Fenster) .

Die Anbieter des Systems sind die Firma Alfa Media aus dem hessischen Rödermark und die norwegische Firma Aptoma. Nach Angaben von Aptoma(öffnet im neuen Fenster) nutzen bereits 200 Zeitungen das Tool DrEdition Print Automation. Alfa Media bietet demnach eine KI-gesteuerte Textbearbeitung an(öffnet im neuen Fenster) .

Mehr Freiräume für Redakteure

Die Verlage wollen KI jedoch nicht nur zur Textbearbeitung, sondern auch zur Texterstellung nutzen. Allerdings gaben nur zwei Prozent der Befragten an, dies "in größerem Umfang" umsetzen zu wollen. 63 Prozent wollen dies nur "in sehr begrenztem Ausmaß" tun, während 35 Prozent der Befragten dies komplett ablehnen.

Die große Mehrheit der Befragten (94 Prozent) hofft, dass durch die KI-basierte Texterstellung mehr Freiräume für Redakteure geschaffen werden. Als weitere Effekte sehen 74 Prozent eine effizientere Arbeit. Jeder dritte erhofft sich qualitativ bessere Inhalte, während 17 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass dadurch auf Mitarbeiter in der Redaktion verzichtet werden kann.

Allerdings zeigten sich drei Viertel der Befragten "ein wenig besorgt" oder "sehr besorgt" über mögliche negative Auswirkungen generativer KI auf ihr Geschäftsmodell. In diesem Zusammenhang forderte der BDZV bereits vor einem Jahr eine Vergütung der Verlage , wenn KI-Modelle wie ChatGPT durch Zeitungsartikel trainiert werden. Bislang kündigte aber nur der Verlag Axel Springer an, mit ChatGPT-Entwickler OpenAI zu kooperieren und dafür bezahlt zu werden.

Viele Verlage haben in den vergangenen zwölf Monaten die negativen Folgen der Digitalisierung in Form an Cyberattacken zu spüren bekommen. Der Trendumfrage zufolge gaben dies 35 Prozent der Befragten an. In einer globalen Umfrage lag der Anteil der angegriffenen Medien mit 47 Prozent sogar noch deutlich höher. Fast zwei Drittel der Befragten in der Trendumfrage gaben zudem an, dass es online zu Belästigungen oder Drohungen komme.


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