Abo
  • IT-Karriere:

Digitalisierung: "Unser Gehirn hat einen falschen Algorithmus entwickelt"

Deutsche müssen weniger wie Ingenieure und mehr wie Programmierer denken - und Veränderungen zulassen, sagt der Wirtschafts- und Organisationspsychologe Peter Fischer. Andernfalls drohen Massen von Arbeitslosen.

Ein Interview von Peter Ilg veröffentlicht am
Peter Fischer
Peter Fischer (Bild: privat)

"Bedenkenträger bremsen in Deutschland agiles Arbeiten aus und der Wunsch nach Stabilität verhindert stetige Veränderungen. Dieses falsche Denkmuster müssen wir rasch korrigieren und vor allem ältere Menschen mitnehmen." Das meint Peter Fischer, Inhaber des Lehrstuhls für Sozial-, Organisations-, Arbeits- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann hat er Psychologie studiert, dann in Wirtschafts- und Organisationspsychologie promoviert und habilitiert. Seit Jahren ist er als Unternehmensberater für verschiedene Firmen aus unterschiedlichen Branchen tätig. Er sagt auch: "Gelingt die Umstellung nicht, gibt es hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland."

Inhalt:
  1. Digitalisierung: "Unser Gehirn hat einen falschen Algorithmus entwickelt"
  2. Hunderttausende sitzen die Digitalisierung einfach aus
  3. Schnelle Veränderungen führen oft zum Burn-out

Golem.de: Herr Fischer, ist Digitalisierung ein so bedeutendes Thema, das es rechtfertigt, permanent in aller Munde zu sein?

Peter Fischer: Ja, und leider verschlafen wir Deutschen die Digitalisierung. In allen digitalen Technologien gibt es exponentielle Wachstumsraten und wir diskutieren über die Basis - die Bandbreite der Datenübertragung - anstatt über Block Chain, Big Data und vor allem Social Media.

Golem.de: Warum verschlafen wir die Digitalisierung?

Stellenmarkt
  1. Limbach Gruppe SE, Heidelberg
  2. Consors Finanz BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland, München

Fischer: Zum einen aufgrund unseres extrem ausgeprägten Ingenieursdenken. Alles wird bis ins letzte Detail geplant, um nach viel zu langer Zeit ein vollfunktionsfähiges Produkt zu präsentieren. Dabei geht digitale Produktentwicklung deutlich schneller, wenn ein entscheidendes Grundprinzip des Programmierens angewandt wird: Trial and Error.

Es erfordert eine andere Art zu denken, so wie es die Amerikaner tun. Die sind tatsächlich agil, bringen rasch Prototypen auf den Markt, die dann kontinuierlich verbessert werden. In Deutschland stehen Bedenkenträger solcher Agilität massiv im Weg, sie verhindern und vermiesen die Lust an neuen Entwicklungen. Unsere momentane Mentalität passt nicht zu der, wie in der digitalen Welt Produkte entstehen.

Golem.de: Trial and Error bedeutet Fehler in Produkten, die der Kunde ausbaden muss.

Fischer: Auch unser Gehirn arbeitet nach dem Prinzip Versuch und Irrtum. Das Gehirn ist bekanntlich die Mutter aller neuronalen Netze, das erst mit vielen Versuchen schlau wird. Der zweite Grund, weshalb wir die Digitalisierung verpennen, ist ebenfalls ein psychologischer und dort unter dem "not invented here syndrom" bekannt.

Wir Deutschen haben die Technologien für die Digitalisierung zwar mit erfunden, es sind aber die großen amerikanischen Firmen wie Google und Facebook, die damit Profit machen. Mit dem Syndrom ist gemeint, dass wir lieber abwarten und schauen, wie weit die anderen damit kommen. Sie kommen sehr weit, wie man sieht, und bis Deutschland aufwacht, ist der Markt aufgeteilt.

Golem.de: Wenn Digitalisierung kein zeitlich befristeter Prozess, sondern digitales Arbeiten die prägende Form der Zukunft ist, dann wird sich unsere Mentalität wohl radikal ändern müssen?

Fischer: Unser Denkfehler ist: Wir erwarten einen Wandel. Digitalisierung ist aber kein Change-Management-Prozess, der irgendwann abgeschlossen ist. Bei der Digitalisierung geht nichts zu Ende. Wir stehen erst am Anfang einer Veränderung, die in kürzester Zeit 98 Prozent aller Prozesse digitalisieren wird. Wir müssen uns auf einen permanenten Wandel ohne Ende vorbereiten.

Hunderttausende sitzen die Digitalisierung einfach aus 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)
  2. 279,90€

Eheran 19. Sep 2019 / Themenstart

Gibt Updates = halb fertig? Oder wie genau(!) ist das gemeint? Irgendwelche super...

mark.wolf 10. Sep 2019 / Themenstart

Full ACK! Ich habe selten so einen Blödsinn von einem selbsternannten "Weltversteher...

floxiii 10. Sep 2019 / Themenstart

Es gibt unterschiedliche Arten von KI und "selbstlernend" bezieht sich auf das...

JensBerlin 04. Sep 2019 / Themenstart

Die Thesen und Argumente haben wir doch alle schon gehört - und sogar inzwischen...

Lefteous 04. Sep 2019 / Themenstart

Das muss man sich echt geben. Ein Psychologe argumentiert gegen den Homo Sapiens und für...

Kommentieren


Folgen Sie uns
       


Acer Predator Helios 700 - Hands on (Ifa 2019)

Was für ein skurriles Gerät: Golem.de schaut sich das Gaming-Notebook Predator Triton 700 von Acer an und probiert die Schiebetastatur aus.

Acer Predator Helios 700 - Hands on (Ifa 2019) Video aufrufen
SSD-Kompendium: AHCI, M.2, NVMe, PCIe, Sata, U.2 - ein Überblick
SSD-Kompendium
AHCI, M.2, NVMe, PCIe, Sata, U.2 - ein Überblick

Heutige SSDs gibt es in allerhand Formfaktoren mit diversen Anbindungen und Protokollen, selbst der verwendete Speicher ist längst nicht mehr zwingend NAND-Flash. Wir erläutern die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Solid State Drives.
Von Marc Sauter

  1. PM1733 Samsungs PCIe-Gen4-SSD macht die 8 GByte/s voll
  2. PS5018-E18 Phisons PCIe-Gen4-SSD-Controller liefert 7 GByte/s
  3. Ultrastar SN640 Western Digital bringt SSD mit 31 TByte im E1.L-Ruler-Format

Banken: Die Finanzbranche braucht eine neue Strategie für ihre IT
Banken
Die Finanzbranche braucht eine neue Strategie für ihre IT

Ob Deutsche Bank, Commerzbank oder DKB: Immer wieder wackeln Server und Anwendungen bei großen Finanzinstituten. Viele Kernbanksysteme sind zu alt für aktuelle Anforderungen. Die Branche sucht nach Auswegen.
Eine Analyse von Manuel Heckel

  1. Bafin Kunden beklagen mehr Störungen beim Online-Banking
  2. PSD2 Giropay soll bald nahezu allen Kunden zur Verfügung stehen
  3. Klarna Der Schrecken der traditionellen Banken

Rohstoffe: Lithium aus dem heißen Untergrund
Rohstoffe
Lithium aus dem heißen Untergrund

Liefern Geothermiekraftwerke in Südwestdeutschland bald nicht nur Strom und Wärme, sondern auch einen wichtigen Rohstoff für die Akkus von Smartphones, Tablets und Elektroautos? Das Thermalwasser hat einen so hohen Gehalt an Lithium, dass sich ein Abbau lohnen könnte. Doch es gibt auch Gegner.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Wasserkraft Strom aus dem Strom
  2. Energie Wie Mikroben Methan mit Windstrom produzieren
  3. Erneuerbare Energien Die Energiewende braucht Wasserstoff

    •  /