• IT-Karriere:
  • Services:

Digitalisierung: "Technologie ist sinnlos, wenn sie Menschen nicht erreicht"

3D-Brillen am Arbeitsplatz, im Küchenstudio, in Designbüros: Während Microsoft-Chef Nadella von seiner Zukunftsvision schwärmt, mahnt Siemens-Chef Kaeser, die Gesellschaft nicht zu vergessen. Vor der Hannover Messe haben Unternehmer aus den USA und Deutschland diskutiert, wie sie Digitalisierung gemeinsam meistern können.

Artikel von Martin Wocher/Handelsblatt veröffentlicht am
Siemens-Chef Joe Kaeser und Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Hannover Messe 2016
Siemens-Chef Joe Kaeser und Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Hannover Messe 2016 (Bild: Ronny Hartmann/AFP/Getty Images)

Gab es sie jemals, die Rivalität zwischen Deutschen und Amerikanern auf dem Weg zur Industrie der Zukunft? Wer dem BDI-Wirtschaftsforum unmittelbar vor dem offiziellen Beginn der Hannover Messe folgte, konnte den Eindruck gewinnen, dieser jahrelange Wettkampf um die Vorherrschaft der Vernetzung von Mensch und Maschine habe nie so stattgefunden. BDI-Chef Ulrich Grillo betonte in seinem Statement immer wieder die Gemeinsamkeiten: "Die gegen uns - da ist viel zu viel Schwarz-Weiß" sagte er am Sonntagnachmittag in Hannover. "Wir brauchen die Erfahrungen beider Seiten des Atlantiks."

Stellenmarkt
  1. Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
  2. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, Eschborn

Selbst die Ängste deutscher Mittelständler vor einem Verlust der Datenhoheit durch den unersättlichen Informationshunger der großen amerikanischen IT- und Internetkonzerne wie Google oder Amazon, deutete Grillo allenfalls als gewisse Form von Neid: "Das ist eine Abwehrhaltung, weil europäische Unternehmen nicht an der Spitze stehen."

US- und deutsche Unternehmen nähern sich an

In der Tat haben sich in den vergangenen Monaten gerade deutsche und US-Unternehmen als Treiber der Digitalisierung ihrer Industrie erstaunlich angenähert: Die beiden Industriekonsortien Industrie 4.0 und das US-Pendant IIC haben eine umfangreiche Kooperation beschlossen, Google arbeitet mit deutschen IT-Wissenschaftlern zusammen, beide Seiten suchen in verschiedenen Testumgebungen nach Lösungen, mit Hilfe der digitalen Vernetzung die Produktivität zu erhöhen, die Qualität der Produkte zu verbessern und neue Geschäftsfelder rund um den Service wie die vorausschauende Wartung zu installieren. "Wir werden vom gemeinsamen Austausch profitieren", sagte Grillo. "Deshalb setzt sich die deutsche Industrie auch vehement für eine starke Handelspartnerschaft ein."

Allenfalls am Schluss der BDI-Veranstaltung mischten sich doch noch ein paar nachdenkliche Töne in die allgemeine Euphorie. Sie kamen ausgerechnet von Siemens-Chef Joe Kaeser: "Technologie ist sinnlos, wenn sie die Menschen nicht erreicht", sagte er vor Hunderten Industrievertretern. "Wir müssen sicherstellen, dass die gesamte Gesellschaft Nutzen aus der Digitalisierung zieht." Da war sie wieder, die etwas andere Herangehensweise an das Thema digitale Vernetzung zwischen Amerikanern und Deutschen.

Sind in Zukunft alle Unternehmen digital?

Denn unmittelbar vor Kaeser hatte Microsoft-Chef Satya Nadella frei auf offener Bühne sprechend die enormen Chancen beschrieben, die sich aus der zunehmenden Vernetzung von Mensch und Maschine ergeben. "Wenn jedes Unternehmen diese intelligenten Systeme in ihre Fertigung einbaut, wird es auch zum digitalen Unternehmen", warb er. "In Zukunft wird es gar keinen Unterschied mehr geben." Alles werde sich in der Cloud abspielen, 3D-Brillen am Arbeitsplatz, im Küchenstudio, in den Designbüros mit dreidimensionalen Hologrammen - so lautet seine Vision.

Kaeser mit seinem bayerisch gefärbten Englisch hielt mit einem Beispiel aus den USA dagegen, wo Siemens einem Startup namens Local Motors ermöglicht, Autos mit Hilfe eines 3D-Druckers vor Ort und nach den individuelle Wünschen seiner Kunden zu fertigen. Ob die kleine US-Firma es wirklich schaffen werde, ein globales Netzwerk von Microwerken aufzubauen, wisse er nicht, sagte Kaeser mit einem Lächeln. "Aber es lohnt sich, es zu versuchen."

Die Gesellschaft nicht vergessen

Das sei eben das Besondere an der Digitalisierung: "Es schafft so viele Chancen und bietet enorme Wettbewerbsvorteile - aber nur für die, die es anwenden können." Industrie 4.0 sei ein Hype, sagte Kaeser, vielleicht sei es auch eine Blase. "Es werden viele Player kommen und auch wieder gehen. Aber die, die es schaffen, werden die Welt verändern." Deshalb müsse man sich anpassen an die sich schnell verändernde Welt, dürfe aber die Gesellschaft dabei nicht vergessen, mahnte er.

Die beste Voraussetzung dafür sei eine umfassende Weiterbildung der Arbeitnehmer, die sich diesem digitalen Wandel stellen müssen. Dazu gehöre auch die entsprechende Einstellung. Die Amerikaner, so Kaeser, hätten diesen Unternehmergeist, "und sind deshalb führend in der Digitalisierung". Aber auch die Deutschen hätten einiges zu bieten, Mitbestimmung und eine gerechte Wohlstandsverteilung gehörten dazu. Letztlich, so Kaeser, sollten beide Länder das Beste einbringen: "Wir müssen zusammenarbeiten, wir werden das zusammen schaffen. Die beiden führenden Länder können zeigen, dass Digitalisierung wirklich gelebt werden kann."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. LG 43UN73906LE 43 Zoll für 349€, LG 55NANO806NA Nanocell 55 Zoll für 549€, LG...
  2. (u. a. Bravia KD-43X7055 43 Zoll für 429€, Bravia KD-55X7055 55 Zoll für 535€, Bravia KD...
  3. 869€ (Bestpreis)

Linus 17. Jun 2016

Ja, das finde ich auch. Allerdings finde ich zudem die Menschen werden in den kommenden...

plutoniumsulfat 03. Mai 2016

Das stimmt, aber da sind wir ja noch meilenweit von entfernt ;) Ist halt eine der...

plutoniumsulfat 26. Apr 2016

Nur will trotzdem keine teurere Brötchen. Die sollen ja so günstig bleiben, wie sie sind.


Folgen Sie uns
       


Linux unter Windows 10 installieren - Tutorial

Wir zeigen im Video, wie man in wenigen Minuten Linux unter Windows 10 zum Laufen bringt.

Linux unter Windows 10 installieren - Tutorial Video aufrufen
Zenbook Flip UX371E im Test: Asus steht sich selbst im Weg
Zenbook Flip UX371E im Test
Asus steht sich selbst im Weg

Das Asus Zenbook Flip UX371E verbindet eines der besten OLED-Displays mit exzellenter Tastatur-Trackpad-Kombination. Wäre da nicht ein Aber.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Vivobook S14 S433 und S15 S513 Asus bringt Tiger-Lake-Notebooks ab 700 Euro
  2. Asus Expertbook P1 350-Euro-Notebook tauscht gutes Display gegen gesteckten RAM
  3. Asus Zenfone 7 kommt mit Dreifach-Klappkamera

Astronomie: Arecibo wird abgerissen
Astronomie
Arecibo wird abgerissen

Das weltberühmte Radioteleskop ist nicht mehr zu retten. Reparaturarbeiten wären lebensgefährlich.

  1. Astronomie Zweites Kabel von Arecibo-Radioteleskop kaputt
  2. Die Zukunft des Universums Wie alles endet
  3. Astronomie Gibt es Leben auf der Venus?

Futuristische Schwebebahn im Testbetrieb: Verkehrsmittel der Zukunft für die dritte Dimension
Futuristische Schwebebahn im Testbetrieb
Verkehrsmittel der Zukunft für die dritte Dimension

Eine Schwebebahn für die Stadt, die jeden Passagier zum Wunschziel bringt - bequem, grün, ohne Stau und vielleicht sogar kostenlos. Ist das realistisch?
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. ÖPNV Infraserv Höchst baut Wasserstofftankstelle für Züge

    •  /