Digitalisierung: Software zur Corona-Kontaktverfolgung "sehr umständlich"

Der Beamtenbund DBB fordert umfassende Verbesserungen bei digitalen Abläufen in Deutschlands Behörden. Wie DBB-Chef Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur sagte, scheine die Zeit der Kontaktverfolgung per Fax in den Gesundheitsämtern zwar zum Glück zu Ende zu gehen. "Dafür wird nun eine Software namens Sormas genutzt." Das Ergebnis einer Recherche des DBB in Gesundheitsämtern zu Sormas sei "ernüchternd" . Wenn ein Beschäftigter dort eine digitale Akte anlege, müsse an 16 verschiedenen Stellen der Name einer infizierten Person eingegeben werden, sagte Silberbach. "Das hat nichts mit smarter Digitalisierung zu tun."
Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System, kurz Sormas, heißt das System , welches das in Braunschweig ansässige Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung während der Ebola-Epidemie in Westafrika im Jahr 2014 entwickelt hatte. Für die Covid-19-Pandemie wurde das System um ein Modul für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) erweitert. Der Einsatz des Systems soll den Gesundheitsämtern die Arbeit erleichtern. "Das digitale Tool Sormas hilft Gesundheitsämtern, wertvolle Zeit zu sparen" , erklärte das Helmholtz-Zentrum(öffnet im neuen Fenster) .
DBB: Staat muss gegen globale Krisen gewappnet sein
Weitere Bereiche, bei denen der Beamtenbund große Lücken in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung sieht, betreffen etwa die Vernetzung der Behörden oder den Formularwust bei vielen offiziellen Anträgen.
Der DBB fordert umfassende Verbesserungen bei digitalen Abläufen und Leistungen in deutschen Behörden. "In der Pandemie sollte auch der Letzte gesehen haben: Wir brauchen einen Staat, der gegen globale Krisen gewappnet ist, die mit voller Wucht auch auf die Menschen in Deutschland durchschlagen" , sagte Silberbach. Der Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern sowie verschiedenen Behörden behindere auch die Digitalisierung, sagte Silberbach.