Digitalisierung: Papier löst nicht unsere Datenschutzprobleme!

Bessere Technologien statt alter Antworten: Auch im sensiblen Gesundheitsbereich können ausgedruckte Patientenakten nicht den Weg weisen.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Telemedizin an der Universitätsklinik Aachen im Januar 2021
Telemedizin an der Universitätsklinik Aachen im Januar 2021 (Bild: Ina Fassbender/AFP via Getty Images)

Es gibt Sicherheitsprobleme im digitalen Gesundheitsbereich. Es gibt schlampig arbeitende Arztpraxen und immer wieder grundlegende Probleme mit der elektronischen Patientenakte.

Trotzdem halte ich das Urteil des Bundessozialgerichts für richtig: Die Richter haben auf Grundlage des "risikobasierten Ansatzes" der DSGVO entschieden, dass es für Patienten trotz Sicherheitsbedenken keinen Anspruch auf ausgedruckte Papier-Alternativen gibt.

Ich finde es gut, dass die Richter nicht den einfachsten Weg für sich und viele andere Beteiligten gewählt und den Datenschutz - in diesem Fall ist damit Papier gemeint - zum obersten Kriterium für ihre Entscheidung gemacht haben.

Vermutlich ist den Richtern dieses Urteil schwergefallen. Immerhin kann es um sehr persönliche Informationen gehen. In Finnland etwa sind Ende 2020 Daten aus Psychotherapie-Behandlungen in die Hände von Cyberkriminellen gelangt.

Trotz derartiger Worst-Case-Szenarien weist das Bundessozialgericht mit dem Urteil einen Weg, bei dem es nach dem Verständnis der Richter "eine absolute Datensicherheit nicht geben kann". Die Antwort aus diesem Restrisiko sollte aber eben nicht das Rollback in den nächstgelegenen Druckerraum sein - zumal auch Papierakten nicht immer sachgerecht und datenschutzkonform gelagert werden.

Fortschritt ist immer mit einem Restrisiko verbunden

Mein erstes Bauchgefühl nach dem Urteil war, dass wir im sensiblen Gesundheitsbereich lieber mehr Vorsicht walten lassen sollten. Nach diesem Impuls finde ich dann aber: Gerade jetzt, in der Coronapandemie, sollten wir vielleicht doch versuchen, mit dem - höchstrichterlich anerkannten - Restrisiko zu leben. Zumindest dann, wenn wir endlich spürbare Fortschritte bei der Telemedizin erreichen wollen.

Die Antwort auf die aktuellen Probleme bei der digitalen Gesundheit sollte eben nicht die ausgedruckte Papier-Alternative aus der Vergangenheit sein. Sondern der Anspruch, jetzt endlich mit Engagement und dem nötigen fachlichen und finanziellen Aufwand so sichere digitale Systeme für die Patienten wie möglich zu schaffen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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