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Digitalisierung: Darf ich am Sabbat mit meinem Lautsprecher reden?

Gläubige Juden machen am Sabbat "Digital Detox". Doch seit alle Geräte denken können, müssen sie wichtige Fragen klären. Rabbis arbeiten mit Ingenieuren an Lösungen.

Ein Bericht von Sara Weber/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Öllampen für den Sabbat - elektrisches Licht darf nicht angeschaltet werden.
Öllampen für den Sabbat - elektrisches Licht darf nicht angeschaltet werden. (Bild: Ronen Zvulun/Reuters)

Technische Geräte sind Teil des Alltags geworden, das Smartphone ist immer dabei, abends läuft die Lieblingsserie auf dem Laptop, Bücher werden auf dem Kindle gelesen. Pausen gibt es kaum. Für gläubige Juden ist das anders: 25 Stunden in der Woche feiern sie Sabbat und dürfen in dieser Zeit keine elektrischen Geräte benutzen.

Inhalt:
  1. Digitalisierung: Darf ich am Sabbat mit meinem Lautsprecher reden?
  2. Wie verändern KI und VR die Regeln?

Vor einigen Jahren waren die Regeln noch einfacher zu befolgen - die Zahl der Geräte war ja geringer. Doch seit das Leben zunehmend durchdrungen ist von Technologien, smarten Geräten und Sensoren, stellt sich eine Frage immer häufiger: Was ist am Sabbat erlaubt und was nicht?

Am Sabbat darf keine schöpferische Arbeit verrichtet werden

Steven Langnas, ehemaliger Gemeinderabbiner in München und Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands, erklärt die Regeln des Sabbats: "Der liebe Gott hat Himmel und Erde in sechs Tagen geschaffen, am siebten Tag hat er sich ausgeruht", sagt er. "Deshalb ist von Freitagabend bis Samstagnacht ein Ruhetag für uns, an dem wir aufhören, schöpferische Arbeit zu verrichten."

Er konkretisiert das mit einem Beispiel: Einen Stuhl zwanzigmal hochzuheben sei keine schöpferische Arbeit und damit nicht verboten. "Aber sogar einen Buchstaben zu schreiben, das ist nicht erlaubt, denn ein Buchstabe ist ein Gedanke, ein Bild, ein Symbol", sagt Langnas. "Und wir dürfen auch kein Feuer oder Licht oder Wärme erzeugen am Sabbat."

Einen Lichtschalter bedienen? Ist am Sabbat verboten.

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Das Smartphone muss also aus bleiben, genau wie der Ofen oder der Fernseher. Es ist auch nicht erlaubt, einen Lichtschalter zu bedienen. Denn wer auf einen Lichtschalter drückt, erklärt Langnas, erlaubt dem Strom, durch das Kabel zu fließen, bis er die Glühbirne erreicht. Dort würden Wärme und Licht erzeugt, die vorher nicht existiert hätten. Auch Hotelzimmertüren, die nur mit einer Karte geöffnet werden können oder Lichter, die durch einen Bewegungsmelder eingeschaltet werden, sollten vermieden werden.

Es gibt jedoch Ausnahmen: wenn Technik genutzt wird, um ein Leben zu retten, oder wenn es um Sicherheit geht. Für diese Fälle gibt es Erleichterungen, etwa spezielle Lichtschalter, bei denen sich nicht direkt der Stromkreis schließt. Der Strom beginnt, durch das Kabel zu fließen, stoppt aber auf dem Weg für einige Sekunden. "Dann warst du nicht die direkte Ursache für dieses Licht", erklärt Langnas. "Das klingt wie eine Spitzfindigkeit, aber es erlaubt uns, im Rahmen der Gesetze zu bleiben und trotzdem Behandlungen zu ermöglichen, bei denen es um Sicherheit oder Gesundheit geht."

In Israel werden Technologien entwickelt, die am Sabbat erlaubt sind

Technologien wie diese werden im Zomet Institut in der Nähe von Jerusalem entwickelt. Dort bauen Rabbiner, Ingenieure und Programmierer gemeinsam Geräte, die auch am Sabbat genutzt werden dürfen. Dazu gehört etwa eine Sabbat-Lampe, bei der die Lichtquelle verdeckt statt ausgeschaltet wird. Auch Lösungen für Krankenhäuser, Militär und Industrie werden hier entwickelt. Rabbiner Dan Marans leitet das Institut. Er hilft dabei, das jüdische Recht für das moderne Leben auszulegen.

Auf der Website des Zomet Instituts können Fragen gestellt werden, die Antworten werden ebenfalls auf der Seite veröffentlicht. "Jeder Fall ist anders und wir entscheiden jeden Fall danach, wer die Frage stellt und was diese Person benötigt", sagt Marans. "Wir arbeiten dafür mit Technikern zusammen, um jeden Fall wirklich im Detail zu verstehen." Das Licht einer Halogenlampe dimmen? Nicht erlaubt. Mit einem E-Reader lesen? Auch nicht.

"Ich mag es nicht, von Verboten zu sprechen", sagt Marans. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir einen Tag haben, an dem es um echte, reale Verbindungen geht, an dem wir miteinander reden und mit anderen Menschen in Beziehung stehen statt nur mit Maschinen."

Wie verändern KI und VR die Regeln? 
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Tobias Claren 01. Aug 2016

"Infantile Neurose mit Vaterkomplex", so diagnostizierte Siegmund Freud den Glauben an...

werredetwirdged... 31. Jul 2016

als ob golem grossartig drüber nachdenken würde, was da so geschrieben wird... "Wenn die...

werredetwirdged... 30. Jul 2016

und alle fangen an über alles mögliche zu diskutieren. darf man etwar immer mit seinem...

tingelchen 23. Jul 2016

Das Fasten gesundheitliche Vorteile haben sollen ist ein Gerücht ;) Regelmäßiges Essen...

Peter Brülls 23. Jul 2016

14 Stunden. Gegenüber 16,25 Stunden hier im Nordwesten Deutschlands.


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