Ohne Digitalisierung gegen Internetsucht

Die grundlegende Frage ist natürlich, was mit Mediensucht gemeint ist. Forscher beschreiben dazu immer wieder die Mechanismen in Computerspielen oder auch in sozialen Netzwerken, die das Belohnungssystem des Hirns direkt ansprechen. Diese könnten für einen Stimulations-Kreislauf sorgen, der eben in einer Art Abhängigkeit nach Likes oder Gewinnen in Computerspielen mündet, was klassischen Suchtsymptomen von Drogen ähnelt, inklusive Entzugserscheinungen.

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Irritierend an der aktuellem Kampagne der Drogenbeauftragten ist aber, dass all das nicht neu ist. So beschreiben Forscher diese Phänomene seit Jahrzehnten. Gleiches gilt für mögliche Therapie-Ansätze und auch die Kritik am Umgang mit dem Problemfeld ist altbekannt.

Die aktuelle Kampagne irritiert anderseits aber auch mit dem direkten Bezug auf das Homeschooling in der Covid-Pandemie. Denn im Umkehrschluss kann das doch nur heißen, dass das Gefahrenpotenzial durch einen Präsenzunterricht nicht gegeben wäre. Die Witze zum desolaten Zustand der Digitalisierung in hiesigen Schulen schreiben sich da eigentlich von selbst, aber Ludwig scheint das wirklich ernst zu meinen.

Alte Ideen für neue Probleme

Im Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte Ludwig, dass "man schlichtweg auch mal den Stecker ziehen und einfach mal etwas anderes machen" müsse. Für die BZgA sagte Ludwig analog: "Junge Menschen (müssen) wissen, wann sie auch mal ‚offline' sein sollten" - wohlgemerkt in einer Zeit, in der Jugendlichen wegen der geltenden Kontaktbeschränkungen so gut wie keine analogen Alternativen für sozialen Umgang zur Verfügung stehen.

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Die Vorgehensweise verneint also nicht nur die ohnehin extrem wichtige digitale Lebensrealität von Jugendlichen, Ludwig bietet darüber hinaus aber auch keine sinnvolle Lösung für die beschriebene Mediensucht an, die sie selbst "als Droge der Zukunft" beschreibt.

Das einzige Mittel gegen diese vermeintliche Droge ist im Sinne der Drogenbeauftragten Abstinenz. Mehr ist von einer Drogenbeauftragten wohl nicht zu erwarten, die "Cannabis ist kein Brokkoli" für ein politisches Argument hält und das Besäufnis auf Volksfesten nicht nur zur Tradition verklärt, sondern auch regelmäßig selbst daran teilnimmt.

Doch Verbote und das Predigen von Verzicht sind leider ein völlig kreativloser Umgang mit der Realität von Sucht, der nun erneut auf alte Mittel zurückgreift, die auch bei echten Drogen schon nicht funktioniert haben. Dass dies auch anders geht, hat etwa eine Gesetzesidee gezeigt, die im Jahr 2019 in den USA diskutiert wurde.

Darin war vorgesehen, die psychologischen Tricks und Techniken in Software und digitalen Angeboten zu beschränken, die eben zu den Abhängigkeitssymptomen der Mediensucht führen. Es wäre wünschenswert, dass sich die Drogenbeauftragte mit solchen Vorschlägen auseinandersetzt, statt weiter eine gescheiterte Abstinenzpolitik zu verfolgen. Hierzulande passiert das wohl aber erst, wenn man den Boomern das Fernsehen wegnimmt und sie dann hoffentlich begreifen, wie es Jugendlichen ohne digitale Medien geht.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 Digitalisierung: Boomer-Politik will die Jugend vor dem Internet retten
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Brainface 28. Jan 2021

Naja, ich sehe das durchaus auch kritisch, dass sich Boomer und &#8222...

jankapunkt 27. Jan 2021

Ich möchte den Bildschirmen auf Augenhöhe begegnen... Ne aber mal ernst, nach der Aussage...

jankapunkt 27. Jan 2021

Das ist korrekt, das war Marlene Mortler. Die jetzige Drogenbeauftragte ist Daniela...

Hotohori 27. Jan 2021

Digitale Medien ist die neue Umschreibung für Killerspiele. :D Naja, sie sind ja ein...



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