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Digitalfunk-Debakel: Bundeswehr zahlt zwei Milliarden für untaugliche Technik

Fast zwei Milliarden Euro für ein System, das nicht funktioniert, das ist die Bilanz des wichtigsten Digitalisierungsprojekts der Bundeswehr .
/ Andreas Donath
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Werbebild des Battle-Management-Systems Tacnet von Rheinmetall (Bild: Rheinmetall)
Werbebild des Battle-Management-Systems Tacnet von Rheinmetall Bild: Rheinmetall

Das Verteidigungsministerium hat dem Bundestag in einem vertraulichen Schreiben mitgeteilt, was das Projekt Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO)(öffnet im neuen Fenster) bislang gekostet hat: rund 1,749 Milliarden Euro für die eigentlichen Systeme, dazu weitere 299 Millionen Euro für begleitende Maßnahmen. Darüber berichtet die Welt.(öffnet im neuen Fenster) Ein funktionsfähiges System gibt es trotzdem nicht.

Im November 2025 scheiterte die neue Funktechnik zum zweiten Mal an einem wichtigen Systemnachweis. Besonders problematisch ist die Anbindung des Kampfpanzers Leopard 2 : Funksprüche wurden teils gar nicht übertragen, die Reichweiten blieben deutlich hinter den Anforderungen zurück. Auch die parallele Nutzung von Daten- und Sprechfunk funktioniert bislang nur eingeschränkt. Selbst die Basisversion erhielt keine Freigabe für den normalen Übungsbetrieb.

Die betroffenen Hersteller sind die Schwergewichte der deutschen Rüstungsbranche. Das Ministerium hält am Einbau der Technik von Rohde & Schwarz fest – obwohl die Middleware-Software der Rheinmetall-Tochter Blackned ebenfalls nicht funktioniert. Nun werden Handfunkgeräte bei Rohde & Schwarz beschafft, um einen Mischbetrieb mit alten Geräten zu ermöglichen. Die Kosten sind dem Bundestag noch nicht bekannt, werden intern aber bereits auf mehr als 25 Millionen Euro geschätzt, berichtet die Welt.

Pistorius sprach noch im Herbst von "im Plan"

Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte nach dem ersten fehlgeschlagenen Test im Mai 2025 noch im Herbst öffentlich erklärt(öffnet im neuen Fenster) , das Projekt sei "im Plan" . Diese Einschätzung war nach Angaben aus dem Ministeriumsumfeld bereits damals nicht haltbar, heißt es in dem aktuellen Bericht der Welt. Erst Ende des Jahres räumte Pistorius ein, man sei noch weit vom Ziel entfernt.

Bundestag und Öffentlichkeit sollen bis vergangenen September trotz der hohen Kosten nicht über die Mängel informiert worden sein. Im Verteidigungs- und Haushaltsausschuss ist das Vertrauen in das Ministerium inzwischen über Fraktionsgrenzen hinweg deutlich geschwunden. Der Bundesrechnungshof prüft das Gesamtprojekt bereits.

Brigade Litauen könnte im Ernstfall nicht sicher funken Die neue Panzerbrigade 45 Litauen(öffnet im neuen Fenster) ist dringend auf verschlüsselten Führungsfunk angewiesen. Im Ernstfall könnte sie derzeit nicht sicher kommunizieren. Fahrzeuge, in die bereits Technik eingebaut wurde, sind ohne funktionierenden Funk nur eingeschränkt einsetzbar.

Das Gesamtprojekt D-LBO umfasst sechs Teilprojekte und wird insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro kosten. Das Ziel, bis Ende 2027 eine Heeresdivision vollständig zu digitalisieren, gilt intern bereits als unrealistisch, heißt es bei der Welt. In der Truppe rechnet man damit, dass die flächendeckende Einführung bis weit ins nächste Jahrzehnt dauern könnte.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, bringt es auf den Punkt: Das Sondervermögen, für das sich die Bundesregierung hoch verschuldet habe, werde "zum Fenster rausgeschmissen" , wird sie im Bericht der Welt zitiert.


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