Digitales Zeitungsabo: Apple News+ fehlt noch mehr als das Wichtigste
Der Abodienst News+ von Apple könnte es schwer haben, Kunden zu gewinnen. Apple hatte es diese Woche anlässlich der offiziellen Vorstellung von News+ selbst eingeräumt: Es ist ein Zeitungsabo, das kaum Zeitungen enthält. Es umfasst lediglich drei Tageszeitungen. Und mindestens zwei davon liefern nicht die gleiche Leistung wie ein separat abgeschlossenes Abo.
Wie das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) berichtet, erhalten Abonnenten von News+ nur einen eingeschränkten Zugriff auf das Archiv der Tageszeitung. Und zwar geht es vom aktuellen Tag immer nur maximal drei Tage zurück. Ältere Artikel sind im Abo von News+ nicht nachzulesen.
Aber auch bei der kanadischen Tageszeitung Toronto Star gibt es Beschränkungen. Im Gespräch mit The Canadian Press(öffnet im neuen Fenster) sagte der Sprecher des Toronto Star, dass etwa Inhalte der Kolumne iPolitics und die Inhalte von The Canadian Press nicht im Abo enthalten seien. Ob es auch bei der Los Angeles Times Einschränkungen für Kunden von News+ gibt, ist derzeit nicht bekannt.
Apple hat Texture zu News+ gemacht
Die geringe Auswahl an Zeitungen soll damit zusammenhängen, wie der Dienst entstanden ist. News+ ist keine neue Eigenentwicklung von Apple. Vielmehr ist News+ der Dienst Texture unter einem anderen Namen, wie The Verge(öffnet im neuen Fenster) berichtet. Texture war ein Dienst für den Zugriff auf Zeitungen und Zeitschriften im Abo, der nicht länger angeboten wird. Demnach ist der Umfang an Magazinen von Texture weitestgehend identisch mit News+. Apple scheint es jedoch nicht gelungen zu sein, viele Zeitungen zur Teilnahme zu bewegen.
Ein Grund dafür könnten die von Apple verlangten Provisionen sein. Angeblich verlangt Apple 50 Prozent der Einnahmen von Apple News+. Das Angebot gibt es derzeit nur in den USA und Kanada. In den Vereinigten Staaten kostet das Abo den Nutzer 10 US-Dollar pro Monat. Das könnte vielen Verlagen zu wenig sein, vor allem, wenn sie fürchten müssen, dass sie ihre eigene Onlinevermarktung durch die Teilnahme an News+ gefährden. Andererseits könnten sie einen größeren Leserkreis erreichen, wenn sie ihre Artikel über News+ anbieten – vorausgesetzt der Dienst wird von den Kunden angenommen.
In Deutschland schon vor dem Start gefloppt?
In Deutschland wird Apples Modell verhalten bewertet. Nach einem Bericht des Branchendienstes Turi(öffnet im neuen Fenster) wollen die Verlage Gruner + Jahr sowie Burda das konkrete Modell abwarten, das in Deutschland angeboten wird. Die Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung lehnt das Angebot rundum ab. Der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) äußert sich zurückhaltend. "Das Geschäftsmodell ist aus unserer Sicht für Verlagsunternehmen nicht besonders attraktiv", sagte eine Sprecherin der Tageszeitung Die Welt(öffnet im neuen Fenster).
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