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Digitales Lernen: Warum es mehr Computerspiele im Unterricht geben sollte

Spiele wie Minecraft oder Portal2 können Schulstoff so vermitteln, dass die Schüler ihr Lernen kaum bemerken. Ein Experte erklärt, was da passiert.

Artikel von Matthias Huber/Süddeutsche.de veröffentlicht am
In Minecraft nachgebautes Gebäude aus Wahsington DC
In Minecraft nachgebautes Gebäude aus Wahsington DC (Bild: Microsoft)

Ulrich Tausend erstellt Lernspiele, unterrichtet an der Mediadesign Hochschule und ist Medienpädagogischer Referent am JFF-Institut für Medienpädagogik. Der Soziologe erklärt, welche Nachteile speziell konzipierte Lernspiele gegenüber Computerspielen haben und wie Lehrer ihren Unterricht mit diesen bereichern können.

Inhalt:
  1. Digitales Lernen: Warum es mehr Computerspiele im Unterricht geben sollte
  2. Wie Pädagogen über Computerspiele denken

SZ: Herr Tausend, Sie setzen sich dafür ein, dass Computerspiele auch im Schulunterricht zum Einsatz kommen. Warum?

Ulrich Tausend: Wir alle lernen vieles spielerisch, das ist ganz natürlich. Da finde ich es seltsam, wenn man sich dem in der Schule verschließt. Computerspiele sind natürlich nicht in allen Fällen ein gutes Mittel für den Unterricht, jedes Medium hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Aber man muss einfach mal sehen, wie relevant Spiele als Medium heute sind, und wie unglaublich wenig Raum sie in der Schule einnehmen.

SZ: Wie sieht es denn konkret aus, wenn ein Spiel zum Unterrichtswerkzeug wird?

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Tausend: Zum Beispiel gibt es in der siebten Klasse in bayerischen Gymnasien im Kunst-Lehrplan das Thema Architektur. Dazu haben wir einen Projekttag mit dem Spiel Minecraft gemacht. Die Aufgabe war, sich zu überlegen: Wie will man zusammenleben? Die Schüler sollten in kleinen Gruppen eine Art Wohngemeinschaft bauen. Eine Architektin hat ihnen dazu Begriffe und Bauweisen erklärt. Aber nicht nur Ästhetik und Architektur, sondern auch wie man in einer Gruppe zusammenarbeitet, war das Thema. Denn bei Minecraft kann man auch die Arbeit von anderen Spielern kaputtmachen. In unserem Workshop haben sich Schüler gemeinsam ein Regelsystem erarbeitet, mit Sanktionen, die mit Mehrheitsbeschlüssen vergeben werden. Im schlimmsten Fall hätte ein Übeltäter aufhören und Matheaufgaben machen müssen. Das Projekt war also nicht nur ein Stoff für den Kunstunterricht, sondern es ging auch um politische Bildung.

SZ: Das klingt nach einem sehr speziellen Anwendungsgebiet für ein sehr spezielles Spiel.

Tausend: Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Sandkasten-Spiel, es lässt dem Spieler sehr viele Freiheiten und er muss sich selbst überlegen, was er machen kann und will - zum Beispiel ein Haus bauen. So kann man es gut für das Thema Architektur nutzen. Außerdem gibt es die Variante MinecraftEdu, die sich besonders für den Einsatz an Schulen eignet. Es gibt auch Projekte, in denen die Schüler mit Lehrmittel gestalten - also zum Beispiel einen Parcours bauen, in dem der Spieler etwas über den Nahrungsstoffkreislauf in Pflanzen lernt. Dafür müssen sie nicht nur den Stoff erst einmal lernen, sondern sich auch noch überlegen, wie sie ihn vermitteln und im Spiel darstellen. Das ist auch ein sehr interessanter Ansatz. Aber man kann natürlich nicht jeglichen Unterricht durch so ein Spiel ersetzen.

SZ: Gibt es dafür nicht speziell entwickelte Lernspiele?

Tausend: Lernspiele für Schulen sind an den Unterricht angepasst. Aber diese haben oft ein sehr viel kleineres Budget und müssen strengen Richtlinien folgen, weshalb es sehr viel schwieriger für die Entwickler ist, das Spiel richtig spaßig zu machen. Deshalb sind kommerzielle Spiele so interessant: Bei ihrer Entwicklung stand der Spielspaß im Vordergrund, trotzdem vermitteln sie teilweise wertvolle Lerninhalte. Ein gutes Spiel kann dem Spieler seine Regeln oder andere Spielinhalte beibringen, ohne dass er überhaupt merkt, dass er gerade etwas lernt. Im Unterricht funktioniert das genauso: Die Schüler müssen nicht unbedingt wissen, warum sie jetzt diese oder jene Matheaufgabe lösen sollen. Oder warum der Lehrer die Klasse ein bestimmtes Spiel spielen lässt.

SZ: Manche Lehrer setzen Spiele wie Assassin's Creed oder Total War im Geschichtsunterricht ein, weil darin historische Orte und Situationen dargestellt werden. Ist das in Ihren Augen sinnvoll?

Tausend: Das Problem ist überall gleich, egal ob mit Büchern, Filmen oder Spielen: In Unterhaltungsmedien werden historische Fakten ungenau dargestellt, um das Produkt spannender zu machen. Das muss der Lehrer mit den Schülern reflektieren. Aber ich glaube, dass Schüler auch ganz gut abstrahieren können. So ein Spiel kann einen guten Eindruck von einer bestimmten Epoche liefern. Die wichtigere Frage ist für mich aber eine andere: Ist der zentrale Spielinhalt selbst relevant für meinen Unterricht? In einem Strategiespiel wie Total War geht es eher um taktisches und diplomatisches Geschick als um den historischen Kontext - so gut der auch dargestellt sein mag. Das kann für den Unterricht zwar nützlich sein, aber geschichtliche Zusammenhänge lassen sich vielleicht mit einem anderen Spiel oder einer ganz anderen Methode besser vermitteln.

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Wie Pädagogen über Computerspiele denken 
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TheUnichi 30. Nov 2015

Rote Zahlen wären auf jeden Fall blöd.

NoxEerie 30. Nov 2015

Ich finde, hier wird auch an einigen Stellen zu sehr ins Detail gegangen. Es geht ja...

Moe479 30. Nov 2015

warum lässt du dein kind in einer solchen anstalt?

Oldy 28. Nov 2015

was bitte soll einen Minecraft oder Portal beibringen? Apple hat sehr gute Lernsoftware...

Thaodan 27. Nov 2015

Halte ich auch für ein gutes Spiel für die schule, ich finde es vermittelt die Geschichte...


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