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Digitales Geld: Warum sind Bitcoins plötzlich 100 Dollar wert?

Der Wert von Bitcoins ist stark gestiegen, wohl aus Angst von Anlegern vor Bankpleiten. Dabei ist die digitale Währung nur ein Experiment. Allerdings ein spannendes.
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Nummernschild mit der Aufschrift Bitcoin (Bild: Glen Cooper/CC BY 2.0)
Nummernschild mit der Aufschrift Bitcoin Bild: Glen Cooper/CC BY 2.0

Eine Bitcoin ist auf der größten Börse für die digitale Währung Mt.Gox(öffnet im neuen Fenster) derzeit mehr als einhundert Dollar wert(öffnet im neuen Fenster) . Eine Menge Geld, vor einem Jahr wurden für eine der Münzen noch nur fünf Dollar gezahlt.

Bitcoins sind eine unabhängige Währung(öffnet im neuen Fenster) . Kein Land bürgt für sie und keine Bank. Sie werden dezentral im Netz erzeugt und verwaltet. Es gibt sie erst seit drei Jahren und der oder die Schöpfer verstecken sich vor der Welt. Trotzdem oder gerade deswegen vertrauen immer mehr Menschen(öffnet im neuen Fenster) diesem Geld und nutzen es. Oder spekulieren zumindest damit.

Bitcoins sind eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben, ein verschlüsseltes Datenpaket, das Rechner als Zahlungsmittel akzeptieren, wenn entsprechende Programme auf ihnen installiert sind. Das klingt erst einmal seltsam, aber das, was wir als Geld kennen und jeden Tag nutzen, funktioniert auch nicht anders. Bei Transaktionen von einem Konto auf ein anderes wird kein bedrucktes Papier, geschweige denn Gold hin- oder hergeschickt. Versandt werden nur Zahlen, Daten.

Staaten haben keinen Einfluss

Allerdings gibt es zwei Unterschiede zu klassischen Währungen. Staaten haben keinen direkten Einfluss auf Bitcoins, sie drucken sie nicht, sie regulieren nicht den Wechselkurs. Nutzer können die Münzen bei einer Art Rechen-Lotterie selbst erzeugen, wenn sie einen leistungsfähigen Computer haben. Und das System ist anonym. Zwar ist es möglich, jede einzelne Transaktion und die Handelshistorie jeder einzelnen Bitcoin zurückzuverfolgen. Die Namen der Handelnden aber erfährt im Zweifel niemand. Wer es wünscht, kann Bitcoins nutzen, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Digitales Bargeld also.

Bis vor kurzem galt das alles noch als obskure Spielerei von ein paar Nerds. Inzwischen aber schreiben Wirtschaftsmagazine wie Business Week über Bitcoin und fragen sich, ob die Währung vielleicht der letzte sichere Hort der weltweiten Wirtschaft ist(öffnet im neuen Fenster) .

Eine Ursache dafür ist die begrenzte Menge an Bitcoins. Die Entwickler haben festgelegt, dass es letztendlich nur rund 21 Millionen Bitcoins geben wird. Derzeit ist knapp die Hälfte davon "gedruckt" worden und in Umlauf. Beziehungsweise 10.986.300(öffnet im neuen Fenster) zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Text geschrieben wurde - bei digitalen Währungen ist es leicht, genau zu sein. In einigen Jahren wird der Prozess der Erzeugung neuer Bitcoins jedoch beendet sein, schätzungsweise 2033(öffnet im neuen Fenster) . Dann verhindert die Software, dass von Nutzern, Miner genannt, neue gedruckt werden können. Begrenzte Güter werden als wertvoller betrachtet als unbegrenzt vorhandene. Der Anstieg des Wertes hat also mit dieser künstlichen Verknappung zu tun. Inflation durch Geldvermehrung ist ausgeschlossen.

Vertrauen verloren

Wichtiger für die derzeitigen Höchstkurse sind derzeit aber wohl ruinierte Banken. Bitcoins steigen schon seit einiger Zeit im Wert. Aber erst seit Bankkunden klar wird, dass Staaten ihnen ihr gespartes Geld einfach wegnehmen können(öffnet im neuen Fenster) , haben Bitcoins so enorm zugelegt(öffnet im neuen Fenster) .

Es geht dabei um Vertrauen. Währungen haben keinen eigenen Wert, seit sie nicht mehr in Gold aufgewogen werden. Ihr Wert entsteht, weil Menschen den Institutionen vertrauen, die das Geld herstellen, die es verteilen und aufbewahren. Dieses Vertrauen wird weltweit gerade erschüttert.

Jede Bitcoin ist im Netz verzeichnet

Bitcoins wirken manchem daher tatsächlich wie ein rettender Halm. Das Magazin Wired beobachtete(öffnet im neuen Fenster) , dass das Interesse an Apps und Programmen, mit denen Bitcoins gehandelt und verwaltet werden können, in Spanien und Zypern in der letzten Zeit heftig gestiegen ist. Die Menschen dort sind auf der Suche nach einer sichereren Geldanlage.

Als solche sind Bitcoins eigentlich nicht gedacht. Nicht direkt zumindest. Der oder die Erfinder wollten mit ihnen ein fälschungssicheres und transparentes Handelssystem aufbauen, das funktioniert, ohne dass Nutzer ihm vertrauen müssen. Im Whitepaper, in dem die Ursprungsidee formuliert ist(öffnet im neuen Fenster) , heißt es dazu: "What is needed is an electronic payment system based on cryptographic proof instead of trust, allowing any two willing parties to transact directly with each other without the need for a trusted third party." Kryptographische Verfahren sollen also das Vertrauen in Währungen und Banken ersetzen und ein Weg sein, damit zwei Seiten direkt miteinander handeln können, ohne dass sie sich auf eine dritte Partei wie eine Bank verlassen müssen. Die Entwickler sehen das Ganze jedoch als Experiment, nicht als bewährtes System.

Kryptographie

Basis sind die Rechner der Nutzer. Sie bilden ein dezentrales Netz, das sich alle wichtigen Informationen merkt. Das Geld besteht aus einem kryptographischen Schlüssel. Jede Münze ist ein einzigartiger Block Daten, der mit einem Algorithmus einmal errechnet wird und dann nicht mehr nachgemacht werden kann. So etwas wie die Seriennummer der Münze wird im Netz hinterlegt, um Fälschungen zu verhindern.

Auch die persönliche Geldtruhe - Wallet genannt - wird mit Kryptographie geschützt. Ähnlich wie bei der Verschlüsselung von E-Mails mit PGP hat jeder Nutzer einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel, um Daten mit anderen zu tauschen, also um zu handeln.

Jede Bitcoin und auch jede Überweisung wird im für alle transparenten weltweiten Bitcoin-Netzwerk verzeichnet. Überweist Nutzer A an Nutzer B zehn Bitcoins, können alle übrigen Nutzer sehen, dass genau diese zehn einzigartigen Bitcoins von A nach B geflossen sind. Das Geld kann dadurch von A nicht noch einmal ausgegeben und zum Beispiel an Nutzer C überwiesen werden.

Nur eine Machbarkeitsstudie

Das alles klingt ausreichend interessant, um in begrenztem Umfang zu funktionieren. Der derzeitige Wertanstieg ist auch nicht der erste der Bitcoin-Geschichte. Im Juni 2011 gab es schon einmal einen heftigen Ausschlag(öffnet im neuen Fenster) . Der Wert einer Münze stieg auf mehr als dreißig Dollar. Gleichzeitig war das Interesse für die Währung messbar gestiegen, wie Google-Suchanfragen dazu zeigten. Kurz darauf ließ das Interesse nach und auch der Wert fiel schnell wieder auf ungefähr zwei Dollar.

Was letztlich nur belegt, dass eine Reihe Menschen bereit ist, eine Wette auf den künftigen Wert abzuschließen und sich ein paar Bitcoins zuzulegen. Grundlage für ein Handelssystem ist eine solche Spekulation aber nicht. Dazu braucht es viele, die sie zum Bezahlen nutzen.

Das ist inzwischen möglich, manche Firmen akzeptieren die Währung, an speziellen Börsen wie Mt.Gox können sie in Dollar, Euro oder Yen(öffnet im neuen Fenster) getauscht werden. Doch wirklich verbreitet sind Bitcoins nicht. Dazu taugen sie auch gar nicht. Denn Bitcoins sind nicht mehr als ein proof of concept, eine Machbarkeitsstudie. Längst nicht die einzige(öffnet im neuen Fenster) , aber derzeit die größte. Die maximal 21 Millionen Bitcoins sind zwar transparent und hinreichend fälschungssicher, aber es sind zu wenige, um ein weltweit funktionierendes Handelssystem bauen zu können.

Ganz ohne Vertrauen geht es nicht

Douglas Adams beschrieb das Problem in seinem Anhalter durch die Galaxis. Eine der drei konvertierbaren Währungen im Adamsschen Anhalter-Universum ist der Ningi(öffnet im neuen Fenster) . Der offizielle Umrechnungskurs beträgt acht Ningi für einen triganischen Pu. Leider ist der Ningi eine dreieckige Gummimünze mit einer Kantenlänge von 6.800 Meilen und es hat noch niemand genug Ningi zusammenbekommen, um sie in einen Pu zu wechseln.

Außerdem geht es auch bei Bitcoins nicht ganz ohne Vertrauen - Vertrauen in die Verschlüsselungsalgorithmen und in den Code und somit in die Entwickler. Ohne Vertrauen ist kein Warentausch möglich. Wie sich auch bei Bitcoins zeigt. Denn absolut sicher sind sie nicht, sie können gestohlen werden. Immer wieder gibt es Versuche, Konten zu knacken, um an die darin gespeicherten kryptographischen Codes und also an die Bitcoins zu kommen.

Ist die derzeitige Wertsteigerung also nur Spekulation? Bestimmt. Aber sie ist auch ein Beleg dafür, dass mehr Menschen bereit sind, sich an der Suche nach alternativen Handelskonzepten zu beteiligen.


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