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Man muss die Extrameile gehen

➤ Ich fing 2017 einen neuen Job bei einer Werbeagentur an. Im Personalerfassungsbogen sollte eine Notfallnummer angegeben werden, unter welcher man erreichbar ist. Ich trug also meine Mobilnummer ein.

Einige Wochen später bekomme ich von entfernten Kollegen außerhalb meiner Abteilung Anfragen über Projekte via Whatsapp. Nach kurzer Sichtung des Mitarbeiterverzeichnisses sehe ich, dass meine "Notfallnummer" im firmenweiten Mitarbeiterverzeichnis neben meiner Firmen-E-Mail und Firmentelefon als Mobilnummer eingetragen war. Agentur mit 100+ Mitarbeitern und eigenem Datenschutzbeauftragten.

➤ Ich habe Chat-Apps auf dem Handy für den Notfall. Logge mich aber dort immer aus. Man muss die Extrameile nehmen, um das zu trennen, und auch in der Kommunikation mit Vorgesetzten dies klar machen. Ich wurde öfter verwundert gefragt, warum ich eine E-Mail montags noch nicht gelesen hätte, die um 21:00 Uhr am Freitag verschickt wurde. Ein klares: Da war ich nicht online. Wenn es dringend ist, bitte anrufen, hat die Sache dann geklärt. Mut dazu braucht es dennoch. Damit bin ich immer gut gefahren und bisher wurde ich dort auch nur in Notfällen angerufen. Kann aber auch an der Kultur des Unternehmens liegen.

➤ Ständige Erreichbarkeit war noch nie ein Problem. Alles ist gemutet. Nur wenn ich aktiv nachschaue, sehe ich Neues.

➤ Hallo, unser Unternehmen, +1.000 MA im Gesundheitsbereich, verwendet tatsächlich noch getrennte Kommunikationswege, d.h., jeder, bei dem es notwendig ist, besitzt ein eigenes Mobiltelefon mit entsprechender Nummer. Hauptsächlich ist dort dann Teams für den direkten Kontakt im Einsatz, kein WA o.Ä. Kontakt im Urlaub ist ebenso tabu, zumindest für die unteren Hierachieebenen ≤ Teamleiter.

➤ Die Policy gibt vor, dass Freizeit keine Arbeitszeit ist, auch nicht, um "mal schnell" nach E-Mails zu schauen. Erreichbarkeit ist nur bei Rufbereitschaft sicherzustellen. Die Führungskräfte sollen das auch so vorleben. Ergo bleibt außerhalb der Arbeitszeit/Rufbereitschaft der Laptop aus und das zugehörige Diensthandy im Flugmodus oder ganz aus.

Fies ist, wenn man (meistens am Montag) dann vom Chef einen Rüffel bekommt, dass er direkt auf der Mailbox gelandet ist und man nicht auf eine wichtige E-Mail reagiert hat. Er hat sich natürlich nicht die Mühe gemacht, mal zu schauen, ob man überhaupt Rufbereitschaft hatte ... Ergo erwische ich mich immer häufiger dabei, dass ich über den ganzen Tag, auch am Wochenende, regelmäßig das Diensthandy in die Hand nehme und nach Anrufen und E-Mails schaue.

➤ Ich verstehe diese Aufregung nicht. Dieses Problem existiert für mich/uns nicht. In meiner Firma gibt es keine Diensthandys (zumindest auf Developer-Ebene). Bereitschaftsdienst gibt es auch nicht. Kollegen und auch der Chef haben teilweise private Nummern (aber nur, wenn man sie aktiv teilt!), und die werden nicht missbraucht.

Es kommt maximal einmal im Jahr vor, dass jemand in Elternzeit etc. angerufen wird, weil es echt wichtig ist, und dann entschuldigt man sich auch anständig. Es ist, wie es sein sollte. Privat ist man selbst Herr der Dinge. Ich kann alle Accounts löschen, alle Benachrichtigungen ausschalten, und wenn es wirklich dringend ist, dann kann man mich immer noch anrufen. Für mich jedenfalls gibt es das Problem des Drucks durch ständige Erreichbarkeit nicht.


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