Irgendwann wurde der externe Webzugriff gesperrt
➤ Meine private Nummer zu bekommen, ist ein Privileg, und selbst dann beantworte ich Nachrichten erst, wenn ich die Muße dazu habe. Alle anderen müssen mit meiner Durchwahl vorliebnehmen, die ich auch vom Händi aus bedienen kann. Arbeitsbezogene Messengergruppen gibt es dementsprechend bei uns nicht.
➤ Rufbereitschaft, Notdienst, Burn-out ... Jetzt Smartwatch zum Bezahlen und ansonsten ohne Handy unterwegs. In Notfällen mal mit Klapphandy. ABER: Der Druck aus der Politik wird größer! In diesem Land wird man zunehmend zum Handy gezwungen! Ich möchte ein Recht auf ein handyfreies Leben!
➤ Ich als Teamleiter habe im Urlaub immer wieder mal ins Mailpostfach oder den internen Messenger geschaut, um ggf. wichtige Anfragen nicht zu lange liegen zu lassen. Irgendwann wurde der externe Webzugriff darauf komplett gesperrt und wir sollten vom Konzern vorbereitete Packages auf den privaten Geräten installieren, die alles sicher halten sollten. Neben dem Messenger- und Mailzugriff wurden da noch Dutzende andere Applikationen installiert.
Seitdem genieße ich meine Urlaube wirklich ganz unerreichbar.
➤ Ich nutze keine sozialen Medien, da für mich der Aufwand noch nie den Mehrwert gerechtfertigt hat. Ich habe schon früh Threema in Familie und Freundeskreis eingeführt und nutze bis auf wenige Ausnahmen kein Whatsapp. Wenn die sozialen Medien von heute auf morgen verschwinden, werde ich nichts vermissen.
➤ Ich arbeite in den USA bei einem großen Tech-Unternehmen. Ich habe ein Diensthandy, von welchem ich auch alle wichtigen Systeme erreichen kann. Darüber bin ich im Notfall auch erreichbar, üblicherweise per SMS. E-Mail und Slack gehen automatisch abends um 7 in den Keine-Benachrichtigung-Modus. Ich verlasse das Büro meist so gegen halb fünf und bin dann mit Familie beschäftigt (Abendessen, Kinder ins Bett bringen ...).
Meist schaue ich vor dem Ins-Bett-Gehen noch einmal schnell rein, ob etwas Dringendes angelaufen ist, wo ich z.B. über Nacht automatische Tests laufen lassen kann (oder Claude kann ackern) und dann am Morgen was in der Hand habe, um das Problem zu lösen – oder es ist eine schnell zu beantwortende Frage aus einer anderen Zeitzone, so dass die weiterarbeiten können und nicht warten müssen, bis ich wieder wach bin. Bei uns geht alles schnell. Private Kanäle werden nicht für die Arbeit genutzt, ich bin auch in keinem sozialen Netzwerk mit Kollegen verbunden.
Die Erwartung ist in den USA höher als in Deutschland
Ich finde diesen Ansatz recht ausgewogen. Ich kann auch mal früher aus dem Büro weggehen und bin trotzdem erreichbar, das schafft Freiheiten. Mein Management und Team kontaktieren mich außerhalb "normaler" Arbeitszeiten nur sehr bewusst, vieles kann warten bis zum nächsten Morgen (und wartet dann auch). Generell ist aber die Erwartung an Arbeitszeit, Erreichbarkeit und Geschwindigkeit in den USA höher als in Deutschland – dafür wird auch besser bezahlt. Ein fairer Handel, finde ich. Ich könnte mir kaum noch vorstellen, wieder in Deutschland-Geschwindigkeit zu arbeiten.
➤ Obwohl ich in der IT-Branche arbeite, komme ich noch von der alten Schule und bin daher in den "sozialen" Medien absichtlich sehr inaktiv. Wer mit mir reden möchte, kann dies gerne per Telefonanruf, E-Mail oder SMS tun. Auch Whatsapp gibt es bei mir nicht.
Da heute die meisten Handys eine zweite SIM-Karte unterstützen, habe ich eine SIM für die Arbeit und eine für privat. Wenn ich im Urlaub bin, oder es mir zu bunt wird, kann ich die Arbeits-SIM einfach abschalten. Ansonsten ist der Firma nur noch meine private Festnetznummer bekannt, die ich aber auch nicht abfrage, wenn ich unterwegs bin. (Natürlich sind beide SIM-Karten mein Privatvergnügen und wollen auch dementsprechend so finanziert werden.)
Leider gab es in der Vergangenheit kaum einen Urlaub, in dem ich nicht spätestens am zweiten Tag angerufen wurde. Seit ich das so handhabe, sind die Urlaube etwas erholsamer. Und es hat sich auch gezeigt, dass die Kollegen erst dann versuchen, selbst eine Lösung zu finden (meist auch mit Erfolg!), wenn sie mich nicht erreichen können. Ansonsten ist es ja für sie der einfachere Weg, mich "kurz" anzurufen und ich erledige dann den Rest.
- Erreichbarkeit im Job: "Meine Notfallnummer stand im firmenweiten Mitarbeiterverzeichnis"
- Festnetztelefone einsparen und nur noch mit Handys arbeiten
- Benachrichtigungen, Pop-ups und Sounds müssen deaktiviert werden
- Irgendwann wurde der externe Webzugriff gesperrt
- Ich antworte auch außerhalb der Arbeitszeit
- Man muss die Extrameile gehen
- Distanz hilft, Lebensfreude aufrechtzuerhalten


