Festnetztelefone einsparen und nur noch mit Handys arbeiten
In der Vergangenheit habe ich das, zumindest was meine eigene Erreichbarkeit betrifft, lockerer gesehen, bis es zu einem Schlüsselerlebnis kam: Bis zum Jahr 2018 hatte ich eine dienstliche Festnetznummer und eine dienstliche Handynummer. Leider ist blinder Aktionismus bei meinem Arbeitgeber nichts Ungewöhnliches, besonders dann nicht, wenn Geld gespart werden soll.
Auf Managementebene wurde die Entscheidung getroffen, die Festnetztelefone, soweit möglich, einzusparen und nur noch mit Handys zu arbeiten. Teams, Slack, Webex waren da noch eher Randerscheinungen für größere Meetings/Videokonferenzen. Es war damals Teil unserer Kultur, dass man überwiegend auf dem Festnetz angerufen wurde, nur in Notfällen auf dem Handy.
Das funktionierte so gut, dass ich das Diensthandy dauerhaft auf mein Privathandy umgeleitet hatte. Durch Löschen der Umleitung, konnte ich die dienstlichen Themen so jederzeit wieder von den privaten trennen, ohne die Rufnummer wechseln zu müssen. Es kam aber eh nur 3- bis 4-mal im Jahr vor, dass mich jemand außerhalb der Arbeitszeit über den Weg kontaktiert hat. Dann war es auch wirklich wichtig. Beide Seiten profitierten: Ich war notfalls erreichbar und ich hatte trotzdem nur ein Handy dabei.
Nicht mehr für Notfälle am Wochenende erreichbar
Die Einsparung der Festnetztelefone hat dieses Konzept komplett zerstört: Nun war das Handy der einzige telefonische Eingangskanal, so dass eben nicht nur Notfälle, sondern alle Anrufer darauf landen sollten. Ich habe meinem damaligen Chef (der bei dem Thema vorauseilender Gehorsam immer Vorreiter sein musste) gesagt, dass ich nie wieder nach Feierabend erreichbar sein werde, wenn ich die Festnetznummer verliere.
Nun muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich für die Erreichbarkeit außerhalb der regulären Arbeitszeit auch keinerlei Zuwendungen bekommen habe; es war halt ein kostenloser Service von mir, der gerne genommen wurde. Zu meinem Hinweis meinte mein Chef damals trocken: "Dann ist das halt so."
Sein Pech war an dieser Stelle, dass er kurz nach Umsetzung der Maßnahme ein für ihn dringendes Thema am bevorstehenden WE hatte, wo er gerne als Backup auf mich zurückgegriffen hätte. Das habe ich dann beharrlich verweigert. Ich habe halt ganz klar gesagt: Wenn ihnen meine Erreichbarkeit am WE nicht einmal die paar Euro für eine dienstliche Festnetznummer wert ist, dann können sie auf mich verzichten. Ich weiß nicht, wie sie das dann gelöst haben, ich war halt nicht dabei.
Die Welt ist deshalb nicht untergegangen
Für mich hatte die Sache abgesehen von ein paar Vorwürfen seitens meines Chefs keine besonderen Nachteile. Das lag aber sicherlich auch daran, dass man abgesehen von dem Disput mit der Erreichbarkeit nach Feierabend immer sehr zufrieden mit mir war bzw. das bis heute ist.
Wie ging es aus? Es blieb bei einer Rufnummer (Chef blieb hart) und bis heute bin ich nach Feierabend und im Urlaub nicht erreichbar (ich blieb auch hart). Und was soll ich sagen? Die Welt ist deswegen nicht untergegangen, mein Arbeitgeber ist nicht pleite und ich kann nach Feierabend an andere Dinge denken als an die Arbeit.
Inzwischen haben sich die Zeiten ein wenig geändert. Klassische Telefonie gibt es bei uns kaum noch. Die Mittel der Wahl sind inzwischen Microsoft Teams, Whatsapp und Slack. Aber an meinen Prinzipien halte ich weiterhin fest und trenne private und dienstliche Themen nach wie vor strikt.
- Erreichbarkeit im Job: "Meine Notfallnummer stand im firmenweiten Mitarbeiterverzeichnis"
- Festnetztelefone einsparen und nur noch mit Handys arbeiten
- Benachrichtigungen, Pop-ups und Sounds müssen deaktiviert werden
- Irgendwann wurde der externe Webzugriff gesperrt
- Ich antworte auch außerhalb der Arbeitszeit
- Man muss die Extrameile gehen
- Distanz hilft, Lebensfreude aufrechtzuerhalten